Die beiden VfB-Leichtathletinnen Anjuli Knäsche und Alina Kenzel starten bei der Hallen-EM.
Anjuli Knäsche
Von Jochen Klingovsky
Stuttgart - Das Olympia-Jahr 2024 mit den Spielen in Paris ist kaum Geschichte, da geht es schon um das nächste Großereignis in einer der Sportmetropolen dieser Welt: In der japanischen Hauptstadt Tokio findet Mitte September die Leichtathletik-WM statt, die auch Anjuli Knäsche und Alina Kenzel fest im Blick haben. Ein Schritt auf dem Weg dorthin ist die Hallen-EM in Apeldoorn/Niederlande, die an diesem Donnerstag beginnt – und bei der auch die Athletinnen des VfB Stuttgart dabei sein werden.
Anjuli Knäsche Fester Bestandteil des Stabhochsprungs sind ständige Aufs und Abs, doch Anjuli Knäsche (31) hat in diesem Winter nicht nur vor und über der Stange wechselnde Gefühlslagen erlebt. Es gab privat das eine oder andere Problem zu bewältigen, dazu kamen Achillessehnenschmerzen, beim Meeting in Karlsruhe landete sie neben der Matte und zog sich eine schmerzhafte Fersenprellung zu, zuletzt hatte sie auch noch im Training einen kleinen Schockmoment, als ihr Stab brach. Dazwischen lag der Titelgewinn bei der Hallen-DM in Dortmund mit einer Höhe von 4,50 Meter. „Der Sieg war Pflicht“, sagt die Athletin, die im Hauptberuf Trainerin bei der LG Leinfelden-Echterdingen ist, „doch dazu bin ich so stark gesprungen, wie ich es kann. Das gibt Auftrieb.“
Nach dem Gewinn von DM-Gold war für Anjuli Knäsche klar, dass sie auch bei der Hallen-EM starten wird. Dort geht es für die Olympia-14. nicht um Medaillen, sondern darum, die „Leichtigkeit wiederzufinden – nicht nur im Springen. Da hilft es, mal einen Tapetenwechsel zu haben.“ In Apeldoorn erwartet Anjuli Knäsche einen sehr engen Ausgang, nur acht der 18 Starterinnen der Qualifikation an diesem Donnerstag erreichen das Finale am Samstag. „Ich will einen guten Wettkampf machen und in den Bereich meiner Bestleistung von 4,55 Meter springen“, sagt Anjuli Knäsche, „ob das dann fürs Finale reichen wird, muss man sehen.“
Auf jeden Fall wird die VfB-Athletin es genießen, wieder mal im Deutschland-Trikot zu starten. Sie will ihren Beitrag zu einem möglichst guten Teamergebnis leisten und zugleich zeigen, dass in der WM-Saison mit ihr zu rechnen ist. „Tokio wird der absolute Saisonhöhepunkt“, erklärt sie, „darauf sind alle meine Planungen ausgerichtet.“
Alina Kenzel Die Kugelstoßerin hat ein starkes Jahr hinter sich, sie wurde 2024 EM-Vierte und Olympia-Neunte – was umso bemerkenswerter ist, weil sie die Folgen von zwei Corona-Infektionen immer noch spürt und weiterhin Medikamente nehmen muss. Was ihren Ehrgeiz aber nicht beeinflusst, ganz im Gegenteil. Alina Kenzel und ihr Coach Peter Salzer haben in diesem Winter das Training umgestellt, sie probieren nun wieder Dinge, die zuvor wegen ihrer Lungenprobleme nicht möglich waren. Die Athletin investierte mehr Zeit in ihre Kraft-Ausdauer, und sie stieß öfter mit einer schwereren Kugel, um ihre Stoßkraft zu verbessern. Zudem wurde weiter an der Technik gefeilt. „Ich muss etwas verändern, um in Richtung der 19 Meter zu kommen“, sagt Kenzel (27), deren persönliche Bestleistungen im Freien bei 18,69 Meter und in der Halle bei 18,50 Meter liegen, „leider haben sich die Umstellungen bisher noch nicht auf die Weiten ausgewirkt. Ich hatte ein bisschen mehr erwartet, brauche nun etwas Geduld.“
Bei der Hallen-DM in Dortmund reichte es mit 18,36 Metern immerhin zu Rang drei, für die EM in Apeldoorn setzt Alina Kenzel sich selbst unter Druck: „Mein Ziel ist, Bestweite zu stoßen.“ Schließlich wird die Konkurrenz immer stärker und härter – auch in Europa gibt es mittlerweile viele 19- und sogar 20-Meter-Stoßerinnen. „Ich muss mich steigern“, sagt Alina Kenzel, „wenn ich umsetze, was ich drauf habe, ist das möglich.“
Es wäre auch der passende Fingerzeig in Richtung Tokio – die Norm für die WM liegt bei 18,80 Meter: „Die Sommerspiele 2021 in Japan habe ich verpasst, das ist in meiner Erinnerung bestens präsent“, sagt Alina Kenzel, „in Paris hätte ich das große Finale fast erreicht. Das will ich bei der WM schaffen.“