Mit einem gewaltigen Zoll-Rundumschlag bringt US-Präsident Donald Trump den Welthandel in Gefahr. Was das für die Unternehmen und Arbeitsplätze in Deutschland bedeutet, sagt der Mannheimer ZEW-Präsident Achim Wambach im Interview.
Zölle und Gegenzölle: Zwischen den USA und der EU droht der Zollstreit zu einem Handelskrieg zu eskalieren – mit gravierenden Folgen.
Von Daniel Gräfe
Man könne sich nicht mehr auf Regeln verlassen, meint Achim Wambach, Präsident des ZEW Mannheim. Die Auswirkungen der von US-Präsident Donald Trump verhängten weltweiten Zölle seien gravierend, Handelsbeziehungen ordneten sich dadurch neu. Indirekt könnten die Verbraucher in Deutschland von den neuen Zöllen sogar profitieren. Doch wie sieht es mit einer möglichen Verlagerung von Arbeitsplätzen aus?
Herr Wambach, haben Sie das US-Zollpaket in dieser Form erwartet?
Was Europa betrifft, ja. Dass die Maßnahmen weltumspannend so massiv sein werden, habe ich nicht erwartet.
Was sind global betrachtet die wichtigsten Folgen?
In den USA werden die Preise steigen, die Gefahr einer Rezession ist real. Das hätte Folgen für die Weltwirtschaft. Außerdem sind die Zölle für die internationale Zusammenarbeit ein großer Rückschritt. Problematisch ist vor allem, dass die USA ihre Wirtschaftspolitik derzeit so kurzfristig und wenig verlässlich ausrichten. Man kann sich nicht mehr auf Regeln verlassen.
Die Zölle für die Autobauer treten jetzt schon in Kraft. Was sind die Folgen für die deutschen Unternehmen?
Deutschland als Exportnation trifft es natürlich besonders hart. Die große Frage ist, wie lange die Zölle Bestand haben werden – in seiner ersten Amtszeit hatte Trump die Zölle wieder zurückgefahren. Bleiben die Zölle bestehen, gehen die Exporte laut den gängigen Studien um 20 Prozent zurück. Das würde das deutsche Bruttoinlandsprodukt um 0,4 Prozent verringern.
Wie steuern die Unternehmen konkret dagegen?
Wo es möglich ist, werden sie die Produktion in die USA verlagern. Ich sehe allerdings nicht, dass sie in größerem Maßstab in neue Produktionen investieren, weil derzeit nicht klar ist, wie lange die Zölle bestehen bleiben. Investitionen erfordern Verlässlichkeit. Deshalb sehe ich auch nicht, dass in größerem Maß Arbeitsplätze abwandern können. Die Premium-Autobauer aus dem Südwesten werden weniger Gewinn machen, weil die Zölle nicht einfach durchgereicht werden können. Sie werden sich, wie andere Unternehmen auch, nach anderen Märkten umschauen.
Die Zölle von Chinas Autobauern sind noch höher. Sie werden sich auch nach neuen Märkten umschauen, zum Beispiel in Europa…
Der Wettbewerb in Europa wird schärfer werden. Die EU hat schon E-Autos mit Zöllen belegt. Es kann sein, dass sie temporär weiter darauf reagieren muss. Die Verbraucher hingegen würden von niedrigeren Preisen profitieren.
Könnten die US-Zölle auch positive Auswirkungen haben?
Die US-Zölle können dazu führen, dass die Handelsbeziehungen sich abseits der USA verbessern. Derzeit verhandelt die EU Abkommen mit Indien, Thailand und anderen Ländern. Das öffnet neue Möglichkeiten für den Handel.
Schutzzölle gegen China, Vergeltungszölle gegen die USA: Begibt sich die EU in eine fatale Zollspirale?
Die EU wäre nicht gut beraten, pauschal Vergeltung zu üben – schließlich gehen rund 20 Prozent der Exporte in die USA. Besser ist es, gezielt Zölle für margenträchtige US-Produkte zu erhöhen, wie es die EU schon in der ersten Amtszeit von Trump gemacht hat. Momentan debattiert die EU über Zölle gegen Digitalfirmen, von denen derzeit einige Trump nahestehen. Das wäre ein sinnvoller Ansatz. Im Moment habe ich den Eindruck, dass die EU die besseren Ökonomen hat als die USA.
Ökonom und Forscher am Mannheimer ZEW
Forscher Achim Wambach, Jahrgang 1968, ist Volkswirtschaftsprofessor an der Universität Mannheim und seit 2016 Präsident des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Er forscht unter anderem über Wettbewerbspolitik.
ZEW Das ZEW wurde 1990 gegründet und zählt mit weit mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu den führenden Wirtschaftsforschungsinstituten in Europa.