Nachdem die Büsche geschnitten sind, zeigen sich beide Wohnhäuser von Le Corbusier in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung in ihrer ganzen architektonischen Schönheit.
Beide Häuser von Le Corbusier in der Weissenhofsiedlung in Stuttgart sind jetzt wieder von der Straße aus gut zu sehen. Beide Häuser von Le Corbusier in der Weissenhofsiedlung in Stuttgart sind jetzt von der Straße aus gut zu sehen.
Von Nicole Golombek
Stuttgart - Wer dieser Tage einen Frühlingsspaziergang beispielsweise zur Weissenhofsiedlung im Stuttgarter Norden unternimmt, weil der blaue Himmel so hervorragend zur Bauhaus-Architektur und den sie umgebenden Kiefern passt, staunt: Frisch zurückgeschnittenes Grün ermöglicht jetzt einen freien Blick auf das Einfamilienhaus von Le Corbusier und Pierre Jeanneret neben dem Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier. Besonders eindrucksvoll sind die hohen Fenster des zweigeschossigen Wohnbereichs und das zurückgesetzte Hanggeschoss darunter – das Gebäude scheint fast zu schweben.
Die Gebäude im Bruckmannweg 2 und in der Rathenaustraße 1–3 stehen ja nicht nur unter Denkmalschutz wie die gesamte Siedlung, seit Juli 2016 gehören das Doppelhaus und das Einfamilienhaus von Le Corbusier zum Welterbe der Unesco. Unter dem Titel „Das architektonische Werk von Le Corbusier – Ein außergewöhnlicher Beitrag zur Moderne“ zählen diese Häuser ebenso wie sechzehn weitere Bauensembles des Architekten zu einer Welterbestätte. Neben Stuttgart befinden sich die Bauten in Argentinien, Belgien, Frankreich, Indien, Japan und der Schweiz. Während das lang gestreckte Doppelhaus als Weissenhofmuseum auch von innen zu besichtigen ist, ist das Wohnhaus daneben nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, es ist bewohnt und bleibt es auch. Die Stuttgarter Wohn- und Städtebaugesellschaft (SWSG) hat die Siedlung 2019 vom Bund gekauft, der Bund hat weiterhin Belegrecht für die Vermietung der Wohnhäuser. Die SWSG verwaltet und saniert peu à peu die Siedlung – mit finanzieller und wissenschaftlicher Unterstützung der Wüstenrot-Stiftung.
Bis 2027, wenn sich die Entstehung der Siedlung zum hundertsten Mal jährt und die Internationale Bauausstellung IBA ’27 in Stuttgart stattfindet und in der Siedlung auch das neue Besucherzentrum errichtet sein wird, werden sicher nicht alle Straßen, Mäuerchen, Gehwege, Häuser im neuen Glanz auferstanden sein.
Doch es geschieht einiges: Aktuell werden die Mart-Stam-Reihenhäuser von außen saniert, dann folgen die nächsten Häuser aus dem Jahr 1927 – und zudem die nach dem Zweiten Weltkrieg gebauten Satteldachhäuser, die ebenfalls denkmalgeschützt sind, als Zeichen auch dafür, wie die Siedlung sich verändert. Sie ist ja kein Museum, sondern eine der berühmtesten Wohnsiedlungen der Welt.