Sicherheit im Zugverkehr

Mehr Bodycams für Bahn-Mitarbeitende

Weil immer mehr Angriffe auf Zugpersonal geschieht, setzt die Deutsche Bahn vermehrt auf Bodycams. Wann werden diese eingesetzt und wer darf die Aufnahmen auswerten?

Mehr Bodycams für Bahn-Mitarbeitende

Bahnmitarbeitende müssen den Einsatz der Bodycam kennzeichnen.

Von Christine Bilger

Die Deutsche Bahn will den Einsatz sogenannter Bodycams bei ihrem Zugpersonal in Baden-Württemberg ausweiten. Das diene der Verbesserung der Sicherheit der Reisenden und der Mitarbeitenden in den Zügen, teilt das Unternehmen mit. Nach und nach soll das Personal auf allen Strecken im Land über die kleinen, am Körper getragenen Digitalkameras verfügen.

Auf einigen Strecken sind die Kameras, die nur in Konfliktsituationen eingeschaltet werden dürfen und nicht dauerhaft laufen, bereits im Einsatz: Seit 2023 im Bereich der Schwarzwaldbahn, bei der Murrbahn und der Gäubahn seit dem vergangenen Jahr. Die Erfahrungen damit seien gut. Zum einen wirke der Einsatz der Kameras, wenn Fahrgäste aggressiv gegenüber den Mitarbeitenden auftreten, deeskalierend: Wer weiß, dass eine möglicherweise strafbare Handlung aufgezeichnet wird, hält sich in vielen Fällen aufgrund der Kamera zurück. Diese Erfahrung beschreibt auch die Polizei. Zudem könne das Zugpersonal dank der Aufnahmen wichtige Beweise liefern, wenn es doch in den Zügen zu Straftaten komme. Diese wird dann an die Strafverfolgungsbehörden weitergegeben.

Auf folgenden Strecken sollen die Mitarbeitenden in den kommenden Wochen Kameras erhalten:

• Stuttgart-Ulm-Bodensee

• Donau-Ostalb

• Breisgau Ost-West

• Aulendorfer Kreuz

• Bodenseegürtelbahn

• Hochrhein

• Kulturbahn

• Ermstal- und Ammertalbahn

• Bodensee-Oberschwaben

• Wendlingen-Ulm

Wenn Mitarbeitende die Kameras dabei haben, so haben sie sich freiwillig dafür entschieden, teilt die Deutsche Bahn mit. Es bestehe keine Pflicht, sie zu benutzen. Vor dem Einsatz sei eine Schulung für die Kundenbetreuerinnen und -Betreuer im Nahverkehr (KiN) Pflicht. Dabei gehe es neben der Bedienung der Kameras auch um die Rechtsgrundlagen und die Bedingungen für den Einsatz der Bodycams. Ausgelesen werden können die Aufnahmen nur von der Bundespolizei.

Was die neuen Kameras kosten, ist nicht bekannt. Das Unternehmen teilt jedoch mit, dass die Deutsche Bahn bundesweit pro Jahr mehr als 200 Millionen Euro für die Sicherheit der Reisenden und Mitarbeitenden ausgebe. Angriffe auf Zugpersonal werde immer häufiger. Für das Jahr 2023 sind 3144 Übergriffe im Regionalverkehr verzeichnet.

Die Bundespolizei hat als erste die Kameras auf der Schulter der Beamtinnen und Beamten eingeführt. Stuttgart war im Jahr 2016 die fünfte Bundespolizeiinspektion, die sich zunächst an einer Probephase beteiligte, bevor die Kameras dauerhaft eingeführt wurden.

Die Landespolizei zog ein Jahr später nach. 2017 startete zunächst die Erprobungsphase, bevor das zusätzliche Auge des Gesetzes dauerhaft und flächendeckend eingeführt wurde.

Wenn die Kameras zum Einsatz kommen sollen, muss das zunächst angekündigt werden. Die Filme dürfen nicht – und können laut der Polizei auch nicht – bearbeitet werden.