Folgen des Klimawandels

Temperaturextreme und Luftverschmutzung werden existenzbedrohend

Jährlich 30 Millionen Todesfälle durch abnorme Temperaturen und Luftverschmutzung bis zur Jahrhundertwende prognostiziert. Für 20 Prozent der Weltbevölkerung stellen Extremtemperaturen ein größeres Risiko dar als die Luftverschmutzung.

Temperaturextreme und Luftverschmutzung werden existenzbedrohend

Die Todesfälle durch Luftverschmutzung könnten sich bis zum Jahr 2100 verfünffachen, während die temperaturbedingte Sterblichkeit siebenmal höher ausfallen könnte.

Von Markus Brauer

Die jährliche Sterblichkeitsrate durch Luftverschmutzung und extreme Temperaturen könnte bis Ende des 21. Jahrhunderts auf 30 Millionen Menschen ansteigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Fachmagazin „Nature“ unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz.

Scientists in @ScienceAdvances have assessed the ability of a new heat-cold-health early warning system to predict mortality due to extreme weather events in Europe, where 110,000 people died as a result of record-breaking temperatures in 2022 and 2023. https://t.co/ZFlXdhwtfNpic.twitter.com/grwS15CnSy — Science Magazine (@ScienceMagazine) November 17, 2024

Erhebliche regionale Unterschiede bei Sterbedaten

Die auf Simulationen basierenden Forschungsergebnisse zeichnen ein besorgniserregendes Bild: Todesfälle durch Luftverschmutzung könnten sich verfünffachen, während die temperaturbedingte Sterblichkeit siebenmal höher ausfallen könnte. Damit würden extreme Temperaturen für mindestens 20 Prozent der Weltbevölkerung ein größeres Gesundheitsrisiko darstellen als Luftverschmutzung.

Bis zu 10,8 Millionen Hitzetote im Jahr 2100

Die Forscher stützen ihre Berechnungen auf Projektionen von 2000 bis 2090, die sie in Zehnjahresintervallen analysierten. „Im Jahr 2000 starben rund 1,6 Millionen Menschen aufgrund extremer Temperaturen, sowohl durch Kälte als auch Hitze. Bis Ende des Jahrhunderts steigt diese Zahl im wahrscheinlichsten Szenario auf 10,8 Millionen, also auf rund das Siebenfache“, erklärt Andrea Pozzer vom Max-Planck-Institut für Chemie.

„Wegen Luftverschmutzung starben im Jahr 2000 etwa 4,1 Millionen. Bis Ende des Jahrhunderts steigt diese Zahl auf 19,5 Millionen, also auf rund das Fünffache“, fährt Pozzer fort. Im wahrscheinlichsten Szenario gehen die Modellierungen von einem moderaten Fortschritt beim Klimaschutz aus.

Der Klimawandel sei nicht nur ein Umweltproblem. Er bedrohe direkt die öffentliche Gesundheit, warnt Pozzer. Jean Sciare, Direktor des Forschungszentrums für Klima und Atmosphäre des Cyprus Institute in Nikosia und Mitautor der Studie, ergänzt: „Die Ergebnisse der Studie zeigen, wie wichtig es ist, jetzt zu handeln, um künftige Verluste an Menschenleben zu verhindern.“