Kinderbuch zum „Museum für Nichts“

Wie wäre es mit einem leeren Museum?

Kinder stellen sich gern vor: Was wäre wenn? Ein Kunstkinderbuch hat die Idee nun weitergedacht. Das „Museum für Nichts“ ist aber erstaunlich voll. Wie kann das sein?

Wie wäre es mit einem leeren Museum?

Olga und Otto entdecken das Nichts.

Von Adrienne Braun

So ähnlich wird es den Besuchern des berühmt-berüchtigten Konzerts von John Cage gegangen sein. Der Dirigent hob den Taktstock und zu hören war nichts – eine Komposition der Stille.

In dem neuen Kunst-Kinderbuch aus dem Hatje Cantz Verlag sind es zwei Kinder, die einen Ausflug machen in „Das Museum für Nichts“. Und als sie in der großen Halle stehen, müssen sie feststellen: Es gibt hier tatsächlich nichts – die Sockel sind leer, die Schilder weiß, die Wände nackt. In diesem Museum ist, wie die beiden feststellen müssen „überall überhaupt nichts“.

Was wäre wenn?

Es ist schon eine kuriose Idee, die Steven Guarnaccia hatte. Der New Yorker Illustrator und Designer hat schon viele Magazine und Zeitungen illustriert und es mit seinen Zeichnungen sogar schon auf Swatch-Uhren gebracht. Er ist aber auch immer wieder als Kinderbuchautor und -illustrator tätig. Seine Idee, ein Buch über ein Museum für Nichts zu bebildern, verrät den Kenner des Kunstbetriebs. Denn Denkexperimente sind in der zeitgenössischen Kunst selbstverständlich, aber auch Kinder haben Freude daran, sich vorzustellen: Was wäre wenn?

Und so lassen sich Olga und Otto durch das Ausstellungshaus treiben, indem natürlich auch keine Farbe existiert, sodass die bunten Kinder sich durch eine Schwarz-weiß-Welt bewegen. In diese Richtung geht es zum Nichts, das Garnichts findet man dagegen drüben im Saal. Ganz leer ist das Nichts dann aber doch nicht. Denn hier ist „Der unsichtbare Mann“ zu sehen, dessen Sonnenbrille noch in der Luft schwebt. Dort stehen Bücher im Regal, aber sowohl in den „Memoiren eines Unbekannten“ oder in „Das Sein und das Nichts“ blättern die Kinder nur durch leere Seiten.

Beiläufig tauchen Anspielungen auf die existierenden Kunstwerke rund ums Nichts auf – ob es das „Weiß auf Weiß“-Bild von Kasimir Malewitsch ist oder die „Ausradierte Zeichnung“ von Robert Rauschenberg. In der Kunst des 20. Jahrhunderts spielte das Nichts durchaus eine Rolle. Denn so wenig es zu bieten haben mag, so kann es seinem Gegenüber doch bewusst machen, welche Erwartungen es an die Kunst hat.

Es geht also oft auch darum, vorzuführen, dass Kunst nicht nur ein Bild an der Wand oder ein Objekt auf einem Sockel meint, sondern einfach auch nur eine Idee sein kann.

Huch, ein Schwarzes Loch!

Dies Kindern zu vermitteln ist mindestens so anspruchsvoll, wie Erwachsene von solchen Experimenten zu überzeugen – und so richtig gut ist es Steven Guarnaccia dann doch nicht gelungen, seine an sich originelle Idee spannend durchzuerzählen.

Deshalb kommt es am Schluss doch noch zu etwas Action und die beiden landen in der Halle der Löcher. Hier ist zumindest etwas zu sehen – Knopf, Donut und Schweizer Käse oder auch ein Schwarzes Loch. Dem kommt Otto allerdings etwas zu nahe und fällt in die Leere von Raum und Zeit. Spätestens hier sind dann Erwachsene gefragt, dies flankierend zu begleiten auf dem Weg durch die philosophischen Kategorien.

Aber immerhin: Es geht gut aus. Die Kinder bedienen sich noch im Museumsshop – und als sie mit leeren Tüten nach Hause kommen, staunen die Eltern nicht schlecht, weil die Kinder nun auch schwarz-weiß geworden sind. „Was habt ihr im Museum gesehen?“ - „Nichts!“

Info

Das Buch Steven Guarnaccia: Das Museum für Nichts. Ab 6 Jahren, Hatje Cantz Verlag, 18 Euro