Überraschender Fund bei Leipzig

Wozu dienten die 3000 Jahre alten rätselhaften Grubenlinien?

Archäologen sind nahe Leipzig auf rund 3000 Jahre alt und mehrere Kilometer lange Grabensysteme gestoßen. Wer hat sie errichtet? Und was war ihr Zweck?

Wozu dienten die 3000 Jahre alten rätselhaften Grubenlinien?

Archäologen haben bei einer Ausgrabung auf dem künftigen Trassenverlauf einer Fernwärmeleitung bei Leipzig rund 3000 Jahre alte und kilometerlange Landgräben entdeckt.

Von Markus Brauer/dpa

Archäologen haben westlich von Leipzig rund 3000 Jahre alte Landgräben entdeckt. „Bis jetzt haben wir sechs unterschiedliche Grabensysteme, von denen bislang zwei freigelegt wurden“, sagt Harald Stäuble, Archäologe und Referatsleiter im Landesamt für Archäologie Sachsen.

„Zwei dieser Grabenwerke überlagern sich in einem spitzen Winkel, wobei der eine Graben in den anderen übergeht.“

Mehrere Kilometer lange Landgräben

Bislang wurden die Gräben auf jeweils 30 Meter freigelegt. „Insgesamt sind die Landgräben mehrere Kilometer lang“, erklärt der Archäologe. Die Gräben sind zwischen einem und 1,50 Meter tief, im oberen Bereich zwei bis drei Meter breit und unten etwa 80 Zentimeter. Über die Funktion der Gräben gibt es bislang nur Vermutungen.

Am Ende der Bronzezeit (bis etwa 800 v. Chr.) gab es einen deutlichen Anstieg der Bevölkerungspopulation. Das machte es notwendig, Besitztümer voneinander abzugrenzen. „Die Landgräben könnten möglicherweise auch große Ackerflächen voneinander getrennt haben“, betont Stäuble.

„Vielleicht dienten sie auch zur Ableitung von Wasser, ein frühes System der Melioration. Charakteristisch für diese Gräben ist, dass sie nichts enthalten. Das System der Landgräben war etwa 500 Jahre in Benutzung.“

„Pit alignment“

Generell konnten diese linearen Grabenanlagen als durchgehende Gräben, unterbrochene Gräben oder als Grubenreihen ausgeprägt sein. „Die Aneinanderreihung von Gruben wurde erstmals in Großbritannien entdeckt und unter dem englischen Terminus ,pit alignment‘ auch hier bekannt“, sagt Stäuble.

Die Ausgrabungen erfolgen in Vorbereitung des Baus einer 19 Kilometer langen Fernwärmeleitung vom Industriestandort Leuna (Sachsen-Anhalt) bis zum Heizwerk in Kulkwitz bei Leipzig.