19 Wohnungsdurchsuchungen im Raum Stuttgart

Im Kampf gegen zwei rivalisierende Gruppen hat die Polizei Waffen, Munition und Beweismaterial sichergestellt.

Von Sebastian Steegmüller

Stuttgart - Im Kampf gegen zwei rivalisierenden Gruppen, die seit Jahren im Großraum Stuttgart eine blutige Fehde austragen, ist den Ermittler des Landeskriminalamts Baden-Württemberg (LKA) möglicherweise ein weiterer großer Schlag gelungen. Bei 19 Wohnungsdurchsuchen haben die Einsatzkräfte am Dienstag und Donnerstag sechs Schreckschuss- und Softairwaffen, neun Messer, drei Hiebwaffen, vier pyrotechnische Gegenstände, zwei Reizstoffsprühgeräte, Kleinstmengen an Betäubungsmitteln und über 50 elektronische Datenträger sowie mutmaßliche Tatkleidung sichergestellt.

Die Maßnahme, bei der es keine Festnahmen gab, steht im Zusammenhang mit einem Handgranatenwurf auf eine Trauergemeinde in Altbach im Sommer 2023. Der damals 23-jährige, rechtskräftig verurteilte Täter wurde auf der Flucht von Trauergästen gestellt und zusammengeschlagen. Anschließend behinderte die Gruppe die Erstversorgung durch den Rettungsdienst. Einzelnen Personen der Verfolgergruppe bedrohten die Sanitäter sogar mit dem Tode.

Mittlerweile konnten mehr als 60 Beschuldigte ermittelt werden, die unmittelbar Gewalt gegen den Handgranatenwerfer ausgeübt oder Beihilfe durch Anfeuern oder Aufwiegeln geleistet haben. Die Identifizierung der Tatverdächtigen erfolgte unter anderem durch Spezialisten für die Wiedererkennung von Gesichtern, so genannten Super Recognizern. Zwölf Männer wurden zwischenzeitlich zu Haftstrafen von bis zu vier Jahren und zehn Monaten verurteilt.

Die jüngsten Durchsuchungen wurden in zwei Wellen gefahren und fanden in Stuttgart, Esslingen, Plochingen, Fellbach, Freiberg am Neckar, Kirchheim und Weilheim an der Teck, Reichenbach, Altbach, Rohrdorf und Schramberg statt. Es handelt sich um Wohnungen von Personen im Alter von 18 bis 42 Jahren, die der Beihilfe zum versuchten Totschlag bezichtigt werden. Damit erhöht sich die Zahl der Durchsuchungen, die im Zusammenhang mit der Bekämpfung der rivalisierenden Banden stehen, auf 305. Insgesamt wurden 94 Haftbefehle gegen mutmaßliche Mitglieder vollstreckt.

Einmal mehr lobte der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) die Arbeit der Polizei. „Mit einer klugen Taktik hat sie schnell und erfolgreich zugeschlagen“, sagte er. Bei den Durchsuchungen hätten die Ermittler Beweismittel sichergestellt. „Wir stehen den kriminellen Gruppierungen weiter hart auf den Füßen. Die aktuellen Durchsuchungen sind auch ein glasklares Signal. Wir sind euch auf den Fersen und wiegt euch nicht in Sicherheit.“

Der Ermittlungserfolg sei ein weiterer Schritt auf „unserem Weg, den kriminellen Gruppierungen das Handwerk zu legen, sie im Keim zu ersticken“, so Strobl. „Die Straftäter werden bei uns keine ruhige Minute haben, bis wir alle Taten gerichtsfest aufgeklärt haben.“ Gemeinsam mit den Landkreisen und kommunalen Landesverbänden würden Polizei und Justiz alles tun, um „dieses neue Phänomen der subkulturellen Gewaltkriminalität zu beseitigen. Wir machen alles, was diesen Leuten weh tut. Und wir haben einen langen Atem.“

Die Gruppen seien schon entscheidend geschwächt worden. „Wir geben keine Ruhe, bis sie erledigt sind. Für Crime as a Lifestyle ist Baden-Württemberg ein ganz schlechtes Pflaster.“

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Erstellt:
13. März 2025, 22:04 Uhr
Aktualisiert:
14. März 2025, 21:59 Uhr

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