Auf der Jagd nach neuen Glücksgefühlen

Seit zwei Jahren hat Sebastian Hoeneß beim VfB Stuttgart das sportliche Sagen – und den Verein in dieser Zeit in zuvor ungeahnte Höhen geführt. Am Ende der Entwicklung angekommen sieht der Cheftrainer den Verein aber noch nicht.

Von Dirk Preiß

Stuttgart - Für Sebastian Hoeneß geht es zurück zu den Anfängen. Bochum, Castroper Straße, Ruhrstadion. An dieser Stelle gab der Fußballlehrer vor zwei Jahren im April 2023 sein Bundesliga-Debüt auf der Trainerbank des VfB Stuttgart, den er damals auf dem letzten Tabellenplatz in höchster Not übernommen hatte.

Die Erinnerung daran ist bis heute präsent. „Da war schon richtig Druck drauf. Mit dem Sieg dort haben wir wichtige Weichen gestellt“, sagt Hoeneß im Hier und Jetzt, wo sich die Lage grundlegend geändert hat: Wenn der VfB an diesem Samstag (15.30 Uhr) beim VfL antritt, tut er das unter gänzlich anderen Voraussetzungen. Der Blick geht dabei nicht in den Rückspiegel, man möchte Boden gut machen und den Kontakt zum vorderen Tabellendrittel halten.

Der nämlich war zuletzt verloren gegangen: Sechs sieglose Bundesliga-Spiele in Folge haben den Abstand auf den Tabellensechsten RB Leipzig auf fünf Punkte anwachsen lassen – und eben dieser Tabellenplatz berechtigt in jedem Fall zur Teilnahme am Europapokal, was mittlerweile der Anspruch des langjährigen Abstiegskandidaten ist und die rasante Entwicklung in der Amtszeit von Sebastian Hoeneß verdeutlicht.

73 Punkte in der Vorsaison, Vizemeisterschaft, Champions League, jede Menge Nationalspieler. Teilnahme am Supercup, Siege in der Königsklasse, nun der Einzug ins Pokalfinale – die jüngeren unter den VfB-Fans kannten all das nur aus Erzählungen. Wer all das möglich gemacht hat? Auf diese Frage haben die meisten in der weiß-roten Gemeinde eine klare Antwort: Es ist der Chefcoach.

Der Vorstandschef Alexander Wehrle gibt den großen Rahmen vor, hat gemeinsam mit dem Marketingchef Rouven Kasper für finanzielle Spielräume gesorgt. Der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth hat bislang viel Geschick in Transferfragen bewiesen. Christian Gentner ist als Sportdirektor wichtiges Bindeglied zwischen Mannschaft und Führungsebene. Von der Arbeit dieses Quartetts profitiert Sebastian Hoeneß – und macht in diesen nun genau zwei Jahren fast das Maximale aus den Möglichkeiten.

Vor allem hat er den Stuttgartern den Glauben daran zurückgegeben, dass in diesem Fußballstandort tatsächlich diese Kraft steckt, von der immer alle reden, die aber in den vergangenen Jahren immer mal wieder nur aufblitzte, dann aber unter Querelen und Misserfolg wieder gut versteckt wurde. Hoeneß hat den Erfolg zurückgebracht, der wiederum hat vieles andere beruhigt – oder zumindest nicht komplett eskalieren lassen. „Fans, Stadt, Tradition und wirtschaftliches Umfeld machen den VfB Stuttgart zu einem der attraktivsten Clubs in Deutschland“, darf Wohlgemuth nun wieder guten Gewissens sagen.

Der Berliner, der während der erfolgreichen vergangenen zwei Jahre vom Sportdirektor zum Sportvorstand aufgestiegen ist, sagte das nicht irgendwann – sondern kürzlich, als Hoeneß nicht mit Siegen oder Punkten den Fans ein weiteres Glücksgefühl bescherte – sondern mit einer Unterschrift. Sein Vertrag gilt nun bis 2028, eine Ausstiegsklausel, die bis dahin Spekulationen geschürt hatte, gibt es nun nicht mehr.

„Man hat gesehen, was hier möglich ist“, sagt Hoeneß, „deswegen hatte ich das Gefühl, dass wir alle genau hier den nächsten Schritt machen können.“ Daraus leitet der Trainer aber auch Ambitionen und Ansprüche ab: „Es liegt wirklich vieles da. Es ist jetzt für uns alle die Aufgabe, die Dinge freizulegen, die Entwicklung fortzusetzen.“ Das übereinstimmende Ziel von Chefcoach und Club: die stete Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb.

Die ist mit Blick auf die nächste Saison zum Greifen nah. In der Liga durchlief der VfB zuletzt zwar die erste (Ergebnis-)Krise unter Hoeneß und rutschte ins Niemandsland der Tabelle ab. Das Pokalfinale gegen den Drittligisten Arminia Bielefeld macht die Qualifikation für die Europa League aber mit nur einem weiteren Sieg möglich.

Zweifelsohne eine große Chance, die für den Trainer indessen noch weit weg ist. Sieben Ligaspiele stehen bis dahin noch an, in denen die Stuttgarter wieder in die Erfolgsspur kommen wollen. „Wir nehmen die Bundesliga sehr ernst. Das ist der wichtigste Wettbewerb“, sagt Hoeneß. Es gebe keinen Grund, irgendetwas abzuschenken.

Vielmehr will der Trainer mit der Mannschaft die großen Emotionen des Pokal-Finaleinzugs vom vergangenen Mittwoch mit in den Schlussspurt nehmen, nutzen, in der Tabelle klettern. „Es ist eine Riesenchance, dort den Schwung mitzunehmen“, sagt Hoeneß, „wir wollen versuchen, eine Serie zu starten.“ Dafür unabdingbar: ein Sieg am Samstag in Bochum. Beim ersten Bundesliga-Spiel unter Hoeneß vor zwei Jahren gelang genau das durch ein knappes 3:2. Jetzt will der VfB das an gleicher Stelle wiederholen und zurück in die Erfolgsspur. Um den Weg nach zwei besonderen Jahren mit vielen Highlights fortzusetzen.

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Erstellt:
4. April 2025, 22:06 Uhr
Aktualisiert:
4. April 2025, 23:56 Uhr

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