Amokfahrt mit zwei Toten in Mannheim

Augenzeuge am Tag danach: „Man spürt diese Energie von Angst und Tod“

Enes Yildiz war in unmittelbarer Nähe, als am Rosenmontag ein Mann mit einem Auto durch die Mannheimer Innenstadt rast und zwei Menschen tötet. Am Tag danach merkt er, wie die Amokfahrt das Sicherheitsgefühl in der Stadt erschüttert hat.

Enes Yildiz ist in Mannheim geboren und aufgewachsen – und hat am Rosenmontag die Amokfahrt in unmittelbarer Nähe miterlebt.

© STZN/Dürr

Enes Yildiz ist in Mannheim geboren und aufgewachsen – und hat am Rosenmontag die Amokfahrt in unmittelbarer Nähe miterlebt.

Von Florian Dürr

Mit ungewohnter Vorsicht bewegt sich Enes Yildiz am Dienstagmorgen durch die Mannheimer Innenstadt. Nicht, weil er paranoid ist oder hinter jeder Ecke die nächste Gefahr vermutet, er sagt selbst: „Die Wahrscheinlichkeit, dass direkt am folgenden Tag wieder etwas passiert, geht Richtung null Prozent.“ Und trotzdem ist da diese gefühlte Unsicherheit einen Tag nach der Amokfahrt, die zwei Menschen mit ihrem Leben bezahlten. „Man schaut eher mal nach links und rechts, ob da ein Auto kommt“, sagt der 24-Jährige.

Plätze im Herzen Mannheims erinnern an schreckliche Ereignisse

Die abscheuliche Tat eines 40-jährigen Deutschen am Rosenmontag hat Spuren hinterlassen in der Stadt, in der vor weniger als einem Jahr der Polizist Rouven Laur Opfer eines mutmaßlich islamistischen Anschlags wurde. Warum schon wieder Mannheim? Diese Frage haben sich nach der Amokfahrt des offenbar psychisch kranken Tatverdächtigen viele gestellt, auch Enes Yildiz.

„Wir wollten uns eigentlich Gedanken machen, wie wir mit Blick auf den 31. Mai an Rouven gedenken können“, sagt der 24-Jährige. Stattdessen müssen die Mannheimer jetzt eine weitere tödliche Tat verarbeiten – eine, die am Montagmittag nur wenige hundert Meter entfernt vom Tatort des vergangenen Jahres geschehen ist. Erst der Marktplatz, jetzt der Paradeplatz – belebte Orte im Herzen Mannheims, die von nun an auch für die Erinnerung an schreckliche Ereignisse stehen. „Das ist ein Desaster und tut uns extrem weh“, sagt Yildiz, der in Mannheim geboren und aufgewachsen ist.

Die Bilder des leblosen Mannes hat Yildiz im Kopf

Am Morgen nach der Amokfahrt macht sich der 24-Jährige erneut auf den Weg zum Tatort, legt Blumen am Paradeplatz nieder. „Sobald man den Platz betritt, spürt man diese Energie von Angst und Tod. Ich wollte schnell wieder weggehen“, sagt er. Auch die Stelle, an dem er am Montag eines der Todesopfer vor Augen hatte, besucht Yildiz am Dienstag. Ein dunkler Fleck, Blumen und der Brief eines Schulfreundes des 54-jährigen Opfers sind dort auf dem Boden zu sehen. „Das war emotional“, sagt er.

Die Bilder des leblosen Mannes hat Yildiz im Kopf. Es sei kein schöner Anblick gewesen, der Körper „verformt“ vom Aufprall. Als das Adrenalin am späten Montagabend nachlässt und er schlafen will, liegt er zwei Stunden wach und denkt über das Geschehene nach. Aber Mannheim wegen der Gewalttaten zu verlassen? Daran verschwendet der 24-Jährige keinen Gedanken: „Um Gottes Willen, nein.“

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Erstellt:
4. März 2025, 16:49 Uhr
Aktualisiert:
4. März 2025, 17:19 Uhr

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