Projektidee der Uni Tübingen

Bürgerrat fordert mehr Mitbestimmung bei KI-Forschung

Ein Rat aus 40 Bürgern hat neun Empfehlungen zur stärkeren Einbindung der Gesellschaft in die KI-Forschung formuliert. Diese wurden am Montag Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne) überreicht.

Der Bürgerrat „KI und Freiheit“ bespricht während einer Sitzung Ideen zur Beteiligung der Menschen an der KI-Forschung.

© Universität Tübingen

Der Bürgerrat „KI und Freiheit“ bespricht während einer Sitzung Ideen zur Beteiligung der Menschen an der KI-Forschung.

Von Laureta Nrecaj

Wie funktioniert Künstliche Intelligenz (KI) genau, und welche Auswirkungen hat die Technologie auf die Gesellschaft? Mit diesen Fragen hat sich der Bürgerrat „Künstliche Intelligenz und Freiheit“ an der Uni Tübingen in den vergangenen Monaten beschäftigt. Das Gremium aus 40 zufällig ausgelosten Bürgerinnen und Bürgern hat gemeinsam mit Wissenschaftlern, Ethikern und KI-Experten neun konkrete Empfehlungen formuliert, um die Menschen stärker in die Entwicklung von KI einzubinden. Am Montag überreichten sie ihre Ergebnisse an Wissenschaftsministerin Petra Olschowski in Stuttgart.

Neun Vorschläge des Bürgerrats

Ein zentrales Anliegen ist die transparente und verständliche Vermittlung von KI-Forschung. Projekte sollen in klarer Sprache und verschiedenen Formaten präsentiert werden, etwa durch Webseiten, Messen, Diskussionsrunden und Tage der offenen Tür.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Beteiligung der Bürger an der KI-Forschung. Dafür empfiehlt der Bürgerrat, eine Sammelstelle für Vorschläge zur KI-Forschung einzurichten, in der Vorschläge ab einer bestimmten Unterstützerzahl von Fach- und Ethikexperten auf die Realisierbarkeit geprüft und mit öffentlichen Mitteln gefördert werden.

Die sichere und verantwortungsvolle Nutzung von Daten ist ein weiteres Kernanliegen. Der Bürgerrat spricht sich für den Aufbau einer Infrastruktur für anonyme Datenspenden, insbesondere im Gesundheitsbereich aus. Der ethische Umgang mit den Daten soll durch ein unabhängiges Kontrollorgan überprüft werden. Darüber hinaus sollen gezielte Aufklärungsmaßnahmen, wie Werbespots, Gespräche mit Ärzten oder öffentliche Veranstaltungen, die Bürger dazu motivieren, ihre anonymisieren Gesundheitsdaten einfach und trotzdem sicher der KI-Forschung zur Verfügung zu stellen.

Zudem rät das Gremium zu einer besseren Vernetzung zwischen KI-Forschenden, Patienten und Hausärzten, um den Austausch und die Anwendung von KI im Gesundheitswesen zu verbessern. Darüber hinaus soll die KI-Forschung zum Thema Gesundheit und Medizin einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert einnehmen – ebenso der KI-Einsatz im Bereich der Medien, insbesondere im Hinblick auf Falschinformationen und Manipulation.

Datenspenden könnten nach den Empfehlungen auch zur Erforschung von Verkehrs- und ÖPNV-Problemen zum Einsatz kommen. Die Teilnehmenden fordern einen dauerhaften Bürgerrat zur KI im Verkehrswesen, der Entwicklungen in Bereichen wie autonomes Fahren, Verkehrssicherheit, CO2-Reduktion und der Optimierung des öffentlichen Nahverkehrs begleitet. Auch eine offene Kommunikation über Unsicherheiten bei KI-Anwendungen, insbesondere im Verkehrs- und Gesundheitssektor, sei essenziell, um falsche Sicherheitsgefühle zu vermeiden.

Der Bürgerrat: Ein vielfältiges Gremium für die Zukunft der KI-Forschung

Die Vorschläge des Bürgerrats werden neben dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst auch an das Exzellenzcluster „Maschinelles Lernen für die Wissenschaft“ und das Cyber Valley Public Advisory Board weitergegeben, einem unabhängigen Beirat, der ethische und gesellschaftliche Implikationen von intelligenten Systemen bewertet.

Der Bürgerrat wurde im Januar 2024 vom Zentrum für rhetorische Wissenschaftskommunikationsforschung zur Künstlichen Intelligenz (RHET AI Center) der Universität Tübingen ins Leben gerufen. Er setzt sich aus Bürgern verschiedener Altersgruppen, Geschlechter, Bildungsniveaus und Migrationsgeschichten zusammen, um eine breite gesellschaftliche Perspektive abzubilden. Die Teilnehmenden stammen aus vier baden-württembergischen Kommunen (Reutlingen, Waiblingen, Hemsbach und Kleines Wiesental), um sowohl städtische als auch ländliche Sichtweisen zu berücksichtigen.

Zwischen September und Dezember 2024 diskutierte der Rat in vier Sitzungen über die gesellschaftliche Verantwortung von KI sowie Möglichkeiten der aktiven Beteiligung der Bürger an der Forschung. Dabei kamen auch Fragen auf, wie Politik und Wissenschaft die Bürger in die rasante Entwicklung von KI einbeziehen können. Daraus erarbeiteten die Teilnehmenden neun konkrete Empfehlungen für die Wissenschaftspolitik. Auch wenn die Umsetzung dieser Vorschläge noch offen ist, wurde deutlich: Die Bürgerinnen und Bürger möchten in die Zukunft der Künstlichen Intelligenz einbezogen werden.

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Erstellt:
10. März 2025, 14:40 Uhr

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