CSD ruft dazu auf, „nie wieder still“ zu sein
„Nie wieder ist jetzt“, hört man bei Demos gegen Rechtsextremismus oft. Daraus leitet der CSD sein Motto ab.
Von Uwe Bogen
Stuttgart - Als eine „Reaktion auf den Rechtsruck der Bundestagswahl“ hat das Organisationsteam des Stuttgarter CSD sein Pride-Motto für dieses Jahr am Montag verkündet: „Nie wieder still! Laut für Freiheit, stark für Vielfalt!“ Damit wollen queere Menschen klarmachen, dass sie keine Ruhe geben und stärker denn je sich für Freiheit und Vielfalt einsetzen wollen.
Die mögliche schwarze-rote Koalition sei sich uneins in der Queerpolitik, sagt das Vorstandsmitglied Betina Starzmann. Die Union habe im Wahlkampf gefordert, das Selbstbestimmungsgesetz der Ampelkoalition, das trans Menschen ermöglicht, die Vornamen und den Geschlechtseintrag selbstbestimmt auf dem Standesamt zu ändern, zurückzunehmen. Die SPD dagegen habe im Wahlprogramm, „ein Zurück wird es mit uns nicht geben“ erklärt. Darüber hinaus habe der kleinere, mögliche Koalitionspartner versprochen, sich für weitere rechtliche Verbesserungen für die queere Community einzusetzen, unter anderem für eine Reform des Abstammungsrechtes für Regenbogenfamilien und die Ergänzung des Artikels 3 Absatz 3 im Grundgesetz um die sexuelle Identität.
Wer sich innerhalb der Koalitionsverhandlungen durchsetzen werde, sei noch völlig unklar ist, erklärt der CSD-Vorstand. Realistisch sei, dass es in der kommenden Legislaturperiode zu keiner weiteren Verbesserung und Gleichstellung für queere Menschen kommen werde. „Das nehmen wir nicht hin“, unterstreicht Lars Lindauer vom Pride-Team. „Eine gerechte Gesellschaft ist nur möglich, wenn queere Menschen und andere marginalisierte Gruppen völlig gleichgestellt sind.“ Von 120 CSDs in Deutschland, erklärt Lindauer, hätten sich 45 dazu entschlossen, die gemeinsame Losung „Nie wieder still“ auszurufen.
Die CSD-Kulturwochen in Stuttgart finden vom 11. bis 27. Juli statt. Nach dem CSD-Empfang am 11. Juli bei Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) im Rathaus ist die Politdemo auf den 26. Juli terminiert mit einer Hocketse am 26. und 27. Juli auf dem Markt- und Schillerplatz. Schirmherr in diesem Jahr ist der VfB-Chef Alexander Wehrle.