Handball-Bundesliga

Darum wird der Klassenverbleib für den TVB Stuttgart zur Zitterpartie

Der TVB Stuttgart ermöglicht dem 1. VfL Potsdam nach 0:38 Punkten das erste Erfolgserlebnis und geht schweren Zeiten entgegen. Was sind die Gründe für die Blamage? Wie groß ist die Gefahr, abzusteigen?

TVB-Abwehrchef Samuel Röthlisberger ist bitter enttäuscht, im Hintergrund jubeln Spieler und Fans des 1. VfL Potsdam.

© //Jan Huebner

TVB-Abwehrchef Samuel Röthlisberger ist bitter enttäuscht, im Hintergrund jubeln Spieler und Fans des 1. VfL Potsdam.

Von Jürgen Frey

Der 1. VfL Potsdam ist so etwas wie das Baby von Bob Hanning. Er führte das Außenseiterteam als Trainer vergangene Saison in die Handball-Bundesliga, auch jetzt unterstützt der Geschäftsführer der Füchse Berlin den Neuling noch als Mentor. Auch beim historischen ersten Bundesligasieg der Vereinsgeschichte war der 57-jährige in der Halle. „Ich freue mich unglaublich für die Spieler, dass wir nicht wie Tasmania Berlin im Fußball absteigen, sondern dass wir uns einfach wehren“, sagte Hanning nach dem 28:25 (11:11) gegen den TVB Stuttgart.

„Existenzkampf nicht auf die Platte gebracht“

Das Team mit dem Mini-Etat von 1,8 Millionen Euro (TVB rund 6,5 Millionen Euro) ist nach zuvor 0:38 Punkten seit Donnerstagabend nicht mehr das Synonym für Erfolglosigkeit. Möglich machte dies neben einer eigenen Energieleistung eine ziemlich blamable Vorstellung der TVB-Spieler. „Sie haben es nicht geschafft, den Existenzkampf auf die Platte zu bringen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie die Bereitschaft haben, sich der Aufgabe zu stellen“, fand Hanning deutliche Worte über den Gegner.

Jürgen Schweikardt wehrte sich gegen den Vorwurf, die Einstellung seines Teams hätte nicht gestimmt: „Das ist vollkommen falsch. Die Mannschaft hat selbstverständlich den Ernst der Lage erkannt. Sie konnte vielmehr die Verkrampfung nicht lösen. Ihr ist es nicht gelungen, die Verunsicherung aus dem Spiel zu bekommen.“

Fünfte Pleite in Folge

Wie auch immer: Dass es ein äußerst enttäuschender Auftritt war, der an das Pokal-Aus bei Zweitligist Coburg erinnerte, dass die Mannschaft ein richtig schlechtes Spiel hingelegt hat, daran ließ auch der TVB-Trainer keinen Zweifel. Es kam einiges zusammen bei der fünften Niederlage im fünften Spiel des Jahres 2025. Die Torhüter hielten unterm Strich zu wenig. Einzelne Spieler wie Kreisläufer Lukas Laube stecken im Tief. Kapitän Patrick Zieker leistete sich schon nach gut 20 Minuten ein überflüssiges Foul und sah Rot. Torjäger Lenny Rubin läuft seit der WM seiner Form hinterher und spielte nach einem Autounfall Anfang der Woche nur sporadisch in der Abwehr.

Der für den Schweizer im linken Rückraum eingesetzte Ante Ivankovic konnte nach achtwöchiger Verletzungspause keinerlei Akzente setzen. Hinzu kommt: Ex-Nationalspieler Kai Häfner (35), mit sechs Toren bester Werfer, wirkte am Ende völlig ausgelaugt, ihm hätte eine frühere Pause im Spiel gutgetan.

Patrone Trainerwechsel verschossen

Wie es jetzt weitergeht? Die Patrone Trainerwechsel hat Jürgen Schweikardt durch die Übernahme des Amts von seinem Bruder Michael vergangenen November verschossen. Bei nur vier Pluspunkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz zwölf Spieltage vor Schluss muss das Thema Klassenverbleib in der aktuellen Konstellation geregelt werden. „Wir sind uns alle bewusst, dass es bis zum Schluss eng bleiben wird“, sagt Schweikardt.

23. März kommt der ThSV Eisenach

Erst einmal steht die Länderspielpause an. Sieben TVB-Spieler sind für ihre Nationalmannschaften auf Reisen. Das erschwert die Vorbereitung auf das extrem wichtige Heimspiel am 23. März (15 Uhr/Porsche-Arena) gegen den ThSV Eisenach. Dann kommt es zum pikanten Aufeinandertreffen mit dem Team des künftigen TVB-Trainers Misha Kaufmann.

Der ist mit dem ThSV (21:19 Punkte) zwar längst schon gesichert und verspürt garantiert keine große Lust, in der kommenden Saison einen Zweitligisten zu übernehmen, doch die Punkte dürfte er nicht grußlos dem TVB überlassen. „Im Gegenteil“, sagt Schweikardt, „dafür kenne ich ihn zu gut. Misha ist Sportsmann durch und durch und wird seine Aufgabe in Eisenach bestmöglich zu Ende bringen.“

Hinspiel macht Mut

Was inmitten der tristen Lage Mut macht? Am ehesten noch die Erinnerungen ans Hinspiel. Im Dezember nahm der TVB die Hürde in Eisenach souverän mit 29:25. „Wenn wir so spielen, gewinnen wir auch das Heimspiel“, ist sich Schweikardt sicher. Wenn nicht, rückt der Abstieg immer näher.

Termine

Bundesliga VfL Gummersbach – TVB 36:29, TVB – TSV Hannover-Burgdorf 27:35, MT Melsungen – TVB 35:29, TVB – TBV Lemgo Lippe 23:26, 1. VfL Potsdam – TVB 28:25, TVB – ThSV Eisenach (23. März, 15 Uhr), HSG Wetzlar – TVB (4. April, 19 Uhr), SC Magdeburg – TVB (16. April, 20 Uhr), SG Flensburg-Handewitt – TVB (26. April, 20 Uhr), TVB – THW Kiel (4. Mai, 16.30 Uhr), HSV Hamburg – TVB (15. Mai, 19 Uhr), TVB – HC Erlangen (18. Mai, 18 Uhr), TVB – SG BBM (24. Mai, 19 Uhr), Rhein-Neckar Löwen – TVB (29. Mai, 19 Uhr), TVB – Füchse Berlin (1. Juni, 16.30 Uhr), Frisch Auf Göppingen – TVB (5. Juni, 19 Uhr), TVB – SC DHfK Leipzig (8. Juni, 15 Uhr). (jüf)

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Erstellt:
7. März 2025, 13:54 Uhr

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