Nordische Ski-WM

Das fatale Material-Doping der Norweger

Der Betrug der Gastgeber bei der nordischen Ski-WM in Trondheim bringt nach Meinung unseres Autors Jochen Klingovsky das Skispringen in Verruf. Nun muss der Weltverband reagieren.

Disqualifikation nach dem Wettbewerb von der Großschanze: Marius Lindvik

© dpa/Hendrik Schmidt

Disqualifikation nach dem Wettbewerb von der Großschanze: Marius Lindvik

Von Jochen Klingovsky

Bei nordischen Ski-Weltmeisterschaften scheinen die Gastgeber einen besonders großen Erfolgsdruck zu spüren. 2001 in Lahti verordneten finnische Trainer ihren Langläufern Blutdoping, 2019 in Seefeld flog bei der „Operation Aderlass“ ein Dopingnetzwerk auf, zu dem auch österreichische Langläufer gehörten – einer wurde mit der Nadel im Arm erwischt. Nun, in Trondheim, ging es nicht um Medikamentenbetrug, diesmal lautete die Anklage: Material-Doping. Im Fokus standen wieder die Gastgeber.

Im Skispringen und in der Kombination hatten die Norweger sieben WM-Titel und 15 Medaillen gewonnen, ehe vor dem abschließenden Männer-Wettbewerb von der Großschanze ein Video auftauchte, das zeigte, wie im norwegischen Teamhotel Sprunganzüge manipuliert worden sind. Nach dem Wettbewerb wurden drei der vier norwegischen Starter disqualifiziert, darunter der zweitplatzierte Marius Lindvik, der zuvor auf der kleinen Schanze Gold geholt hatte.

Kleinste Veränderungen können große Auswirkungen haben

Dass die Norweger bei ihren Anzügen verbotenerweise innen liegende Nähte verstärkt hatten, ist mehr als eine kleine Trickserei mit Faden und Nähmaschine. Schließlich ist Skispringen eine Sportart, in der schon kleinste Veränderungen am Material die Flugeigenschaften und damit die Weite erheblich beeinflussen können. Kein Wunder, dass von der Konkurrenz sofort von „systemischem Betrug“, „Verarschung“ und „dopingähnlicher Manipulation“ gesprochen wurde – zumal ja auf der Hand liegt, dass die Norweger nicht erst vor dem letzten WM-Wettkampf auf die fatale Idee gekommen waren, ihre Anzüge zu tunen.

Was daraus folgt? Der Ski-Weltverband, dessen Regelhüter bei der WM sichtlich überfordert waren, muss endlich ein Kontrollsystem finden, das transparent ist und Betrug verhindert. Solange dies nicht gelingt, wird es weiter Manipulationen, gegenseitige Anschuldigungen und Medaillengewinner geben, denen nicht zu trauen ist.

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Erstellt:
9. März 2025, 16:06 Uhr

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