Artenschutz
Der Wolf soll in Europa leichter gejagt werden
Die EU will den Schutzstatus der Raubtiere herabsetzen. Landwirte begrüßen den Schritt, Umweltschützer sehen darin einen falschen Weg.

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Die Rückkehr des Wolfes in Europa ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte für den Artenschutz. Doch für die Landwirte ist das Raubtier ein eher ungebetener Gast.
Von Knut Krohn
Dem Wolf geht es an den Kragen. Sein Schutzstatus soll in Europa von „streng geschützt“ auf „geschützt“ herabgestuft werden. Damit wird es wesentlich leichter, die Tiere zu jagen. Am Freitag trat ein entsprechender Beschluss der EU-Kommission in Kraft. Allerdings gewährt die Bürokratie den Wölfen noch eine gewisse Schonfrist, denn zuerst muss noch eine entsprechende EU-Richtlinie geändert werden, die danach von der Bundesregierung und den Bundesländern umgesetzt werden muss. Damit soll aber nicht generell die Jagd auf den Wolf freigeben, sondern nur ein schnellerer Abschuss von „Problemtieren“ erleichtert werden.
Der Wolf ist eine Bedrohung für Weidetiere
Konservative Parlamentarier im Europaparlament feiern diesen Schritt als Erfolg. „Damit sind wir der Bekämpfung des Wolfes einen Schritt näher“, betont CDU-Politiker Peter Liese. Die Menschen machten sich große Sorgen wegen der zunehmenden Verbreitung des Raubtieres. „Er ist lange keine bedrohte Art mehr, sondern bedroht insbesondere Weidetiere“, sagt der Umweltpolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im Europaparlament. „Wolfsrisse haben in den letzten Jahren stark zugenommen und Landwirte mussten das bisher einfach hinnehmen, weil der Wolf in Deutschland nicht bejagt werden durfte.“
Umweltschützer halten die Herabstufung des Schutzstatus allerdings für den falschen Weg. „Für die Landwirte braucht es echte Lösungen“, unterstreicht die grüne Europaabgeordnete Jutta Paulus. Sie fordert etwa „bessere finanzielle Unterstützung beim Herdenschutz“. Sie ist auch überzeugt, dass weniger Wölfe zu mehr Schäden etwa durch Wildverbiss führen würden und dadurch zu höheren Kosten für die Waldbesitzer. „EU-Naturschutz wird jetzt vom persönlichen Pony-Dama Ursula von der Leyens bestimmt“, unkt Jutta Paulus und bezieht sich damit auf einen Vorfall im Hause der EU-Kommissionschefin. Im September 2022 wurde ein Pony der Politikerin von einem Wolf getötet. Der hatte in der Region schon länger sein Unwesen getrieben und mehrere Weidetiere gerissen. Einige Monate nach diesem Ereignis verkündete die EU-Kommission ziemlich überraschend die Entscheidung, den Schutzstatus des Wolfes herabstufen zu wollen.
Eine Erfolgsgeschichte für den Artenschutz
Eigentlich ist die Geschichte des Wolfes in Europa ein Erfolg. Nach Angaben der Artenschutzorganisation WWF war er in Westeuropa und damit auch in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Die Tiere überlebten demnach nur im Osten und Süden Europas. Die sächsische Fachstelle Wolf schreibt, dass in den 1970er und 1980er Jahren ein Umdenken erfolgte und der Wolf in vielen europäischen Ländern unter Schutz gestellt wurde.
Das Bundesamt für Naturschutz geht inzwischen von rund 1600 in Deutschland nachgewiesen Wölfen aus. In ganz Europa soll es knapp über 20 000 Tiere geben. Der Deutsche Bauernverband berichtet immer wieder von Angriffen auf Nutztiere. Für 2022 gibt die Lobbyorganisation mehr als 4300 getötete, verletzte oder vermisste Nutztiere an. 2018 lag diese Zahl den Angaben zufolge noch etwa halb so hoch.
Applaus vom deutschen Bauernverband
„Der Schutzstatus des Wolfes ist nicht mehr gerechtfertigt, die Probleme mit dem Wolf nehmen in Deutschland und Europa dramatisch zu“, erklärt der Präsident des Bauernverbandes, Joachim Rukwied. Die Herabsetzung des Schutzstatus hält er für folgerichtig. Jörg-Andreas Krüger kann diesen Schritt nicht nachvollziehen. „Leider wird immer noch versucht, gezielt Angst mit dem Wolf zu schüren“, kritisierte der Präsident der Umweltschutzorganisation NABU. Das werde der tatsächlichen Situation der Wölfe in Deutschland nicht gerecht.