Noch zehn Monate bis zu den Winterspielen 2026
Diese Stars sind die größten deutschen Olympia-Hoffnungen
Von Francesco Friedrich bis Franziska Preuß, von Emma Aicher bis Andreas Wellinger: Wir zeigen, welche deutschen Athletinnen und Athleten bei den Olympischen Spielen 2026 in Italien die besten Perspektiven auf einen Podestplatz haben – weil sie Weltspitze sind.

© Imago//Mario Buehner-Weinrauch
Skifahrerin Emma Aicher auf der Piste in Cortina, auf der im nächsten Februar die olympischen Frauen-Rennen stattfinden werden. Weitere deutsche Olympia-Hoffnungen finden Sie in unserer Bildergalerie – klicken Sie sich durch!
Von Jochen Klingovsky
Kalendarisch hat der Frühling längst begonnen, am letzten März-Sonntag werden auch die Uhren auf Sommerbetrieb umgestellt. Höchste Zeit also, dass mit dem Skifliegen in Planica an diesem Wochenende die Wintersport-Saison zu Ende geht. Zugleich ist es der richtige Moment, um nach vorne zu blicken. Im Februar 2026 finden im Norden Italiens die nächsten Olympischen Spiele statt. Wir zeigen, welche Athletinnen und Athleten aus Deutschland auf Eis und Schnee die besten Perspektiven haben.
Von Francesco Friedrich bis Franziska Preuß, von Vinzenz Geiger bis Julia Taubitz, von Andreas Wellinger bis Selina Freitag: Viele deutsche Stars haben im vergangenen Winter bewiesen, dass sie Weltspitze sind – und folglich stark genug, um auch bei den Olympischen Spielen in Mailand, Cortina, Val di Fiemme, Bormio oder Livigno auf dem Podest zu stehen. Wir haben in unserer Bildergalerie 15 schwarz-rot-goldene Wintersportler aufgelistet, die Medaillen holen können. Klicken Sie sich durch – es lohnt sich!

© dpa/Martin Schutt
<b>Franziska Preuß (31)</b>: Die Biathletin hat erstmals den Gesamtweltcup gewonnen, dazu gleich vier WM-Medaillen – darunter Gold in der Verfolgung. Die Olympia-Wettkämpfe in Antholz könnten zum Höhepunkt ihrer Karriere werden. Zuvor fliegt sie mit ihrem Freund Simon Schempp für zwei Wochen in den Urlaub nach Thailand, um Kraft zu tanken für die nächste Saison, auch mental: „Dort interessiert sich keiner für Biathlon.“

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<b>Francesco Friedrich (34)</b>: Doppelter Doppel-Olympiasieger ist der Bob-Pilot bereits, und zudem die klare Nummer eins der Welt. Auch bei der WM in Lake Placid gewann der Kufen-Dominator im Zweier und Vierer, es waren seine Titel 17 und 18. Nun strebt er das olympische Triple an, mit zwei weiteren Goldmedaillen im neuen Eiskanal von Cortina d’Ampezzo. „Wir nutzen jede Sekunde, um mit vollem Einsatz zu arbeiten“, sagte Friedrich, „das Ziel bleibt, immer das Beste aus uns herauszuholen.“ Für die Konkurrenz muss sich das anhören wie eine Drohung.

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<b>Andreas Wellinger (29)</b>: Es war ein harter Winter für die deutschen Skispringer, die viele Abstürze erlebten. Aber auch erstaunliche Höhenflüge. Bei der WM in Trondheim holte der deutsche Überflieger Silber von der Normalschanze, hinter dem Norweger Marius Lindvik, der später mit einem manipulierten Anzug erwischt wurde. Auch Andreas Wellinger, der Doppel-Olympiasieger von 2014 (Team) und 2018 (Einzel), kritisierte die Norweger scharf, gab aber zudem auf der Schanze Antworten – und gewann die Raw-Air-Tour. „Es war eine zähe Saison“, sagte er danach, „aber jetzt fühlt es sich wieder leicht und selbstverständlich an.“ Start frei zum nächsten Olympia-Höhenflug?

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<b>Vinzenz Geiger (27): </b>Doppel-Olympiasieger ist der Kombinierer bereits, 2018 (Team) und 2022 (Einzel) holte er je einmal Gold. Dazu kamen in diesem Winter sein erster Sieg im Gesamtweltcup und eine Nachricht aus Norwegen: Der elfmalige Weltmeister Jarl Magnus Riiber, auch bekannt als nordischer Dominierer, hat seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen beendet und den Weg frei gemacht – für Vinzenz Geiger?

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<b>Julia Taubitz (29)</b>: Die Rodlerin hat acht WM-Titel eingefahren, mit Olympischen Spielen allerdings eine Rechnung offen: 2022 stürzte sie in Yanqing im zweiten Lauf und verpasste eine Medaille. Just auf dieser Bahn in China sicherte sie sich vor vier Wochen ihren vierten Sieg im Gesamtweltcup. Die Konkurrenz? War sich schon vorher bewusst, dass 2026 im Eiskanal von Cortina nicht noch einmal mit einem Ausrutscher der weltbesten Rodlerin zu rechnen sein wird.

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<b>Laura Nolte (26)</b>: Das deutsche Bob-Team, zu dem auch Lisa Buckwitz (30) und Kim Kalicki (27) gehören, ist jederzeit für einen Dreifachsieg gut – wie zuletzt bei der WM 2025 in Lake Placid im Zweierbob. Dort holte Laura Nolte auch noch Silber im Monobob, zudem gewann sie vor ihren beiden Kolleginnen auch den Gesamtweltcup. „Am Start bin ich noch nicht an meinem Maximum“, sagte Laura Nolte, „wenn alles zusammenpasst, ist in Cortina eine Medaille drin.“ Mindestens.

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<b>Tobias Müller (34): </b>Der Oberstdorfer war schon ein Weltklasse-Athlet, bevor er zum Skicross wechselte. Im Telemark-Wettbewerb gewann er sieben WM-Titel und 46 Weltcup-Rennen. Trotzdem suchte er eine neue Herausforderung – und war dabei erfolgreich. Bei der WM 2025 im Engadin holte sich der Skicrosser gleich bei seiner Premiere Silber – obwohl er zuvor nach einer Hüft-OP mehrere Rennen verpasst hatte. In Tobias Müller und dem bei der WM enttäuschenden Florian Wilmsmann (29), der in dieser Saison aber drei Weltcup-Rennen für sich entschied und vor dem Finale an diesem Wochenende in Idre Fjäll die Gesamtwertung anführt, gibt es nun gleich zwei Olympia-Hoffnungen.

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<b>Coletta Rydzek (27): </b>Eine Familie mit dem Gewinner-Gen: Kombinierer Johannes Rydzek (33) ist Doppel-Olympiasieger sowie siebenmaliger Weltmeister – und nun ist auch seine Schwester in der Spur. Die Langläuferin holte sich am Wochenende in Lahti ihre ersten beiden Siege im Weltcup (Sprint, Teamsprint mit Laura Gimmler) und konnte ihr Glück kaum fassen. „Ich könnte weinen“, sagte sie, „es ist nicht zu fassen.“ Aber zu toppen. Vielleicht sogar im Olympia-Winter.

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<b>Max Langenhan (26): </b>Rasante Talfahrten sind sein Ding: Max Langenhan ist aktuell der beste Rodler der Welt. 2024 und 2025 holte er in sechs WM-Wettbewerben fünf Gold- und eine Silbermedaille, dazu zweimal den Gesamtweltcup. Als einer der Ersten durfte er diese Woche Probefahrten im neuen Eiskanal in Cortina absolvieren, und er fühlte sich sofort wohl: „Von der Szenerie her wird das eine der schönsten Bahnen, da kann keine andere mithalten.“ Die Konkurrenz abhängen – das ist auch der Olympia-Plan von Langenhan.

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<b>Emma Aicher (21): </b>Es war zwar Linus Straßer (32), der als Dritter im Slalom in Saalbach die einzige deutsche WM-Medaille holte, der neue Alpin-Star des DSV aber heißt zweifelsohne Emma Aicher. Sie ist nicht nur hochbegabt und vielseitig, sondern nun auch eine Siegfahrerin. Am Ende der Saison gewann sie eine Abfahrt (in Kvitfell) und einen Super-G (in La Thuile). Ihre Trainer trauen ihr zu, irgendwann im Gesamtweltcup zu triumphieren. Und bei Olympia? Sowieso!

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<b>Johannes Lochner (34)</b>: Gibt es einen Dominator, gibt es oft einen ewigen Zweiten. Bei den Winterspielen in Peking holte Bob-Pilot Johannes Lochner im Zweier und im Vierer Silber – jeweils hinter Francesco Friedrich. Den Superstar mal wieder zu schlagen, wie zuletzt bei der Zweier-WM 2023 in St. Moritz, ist das große Ziel von Johannes Lochner. Zuletzt, bei den Titelkämpfen in Lake Placid, ist ihm das nicht gelungen. Als Friedrich mal wieder an ihm vorbeigekurvt war, wirkte der Geschlagene während der TV-Liveübertragung fast schon ein bisschen ratlos: „Wie macht er das nur immer wieder?“

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<b>Daniela Maier (29)</b>: Der Ritt der Skicrosserin zu Olympia-Bronze 2022 ist unvergessen – weil sie die Medaille erst nach einem sportjuristischen Hickhack sieben Monate später sicher hatte. Doch das ist Geschichte, neue Kapitel schrieb Daniela Maier in dieser Saison. Sie gewann nicht nur WM-Bronze, sondern auch zwei Weltcup-Rennen, dazu kamen weitere vier Podestplätze. „Das“, sagte sie, „kann ich jetzt erst mal genießen.“

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<b>Selina Freitag (23)</b>: Eigentlich war Katharina Schmid (28), die Triple-Weltmeisterin von 2023, die unangefochtene Nummer eins der deutschen Skispringerinnen. Doch in diesem Winter gab es die Wachablösung. Selina Freitag flog nicht nur als Zweite im Gesamtweltcup an ihrer Teamkollegin vorbei, sondern holte zudem bei der WM in Trondheim drei Medaillen (2x Silber, 1x Bronze). Ihr gehört fraglos die Zukunft, während Katharina Schmid ins Grübeln geriet: „Ich werde alles überdenken. Und dann entscheiden, ob ich Olympia noch mache.“

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<b>Ramona Hofmeister (28)</b>Bei der WM im Engadin ging die Snowboarderin im Gegensatz zu Stefan Baumeister (31), der im Parallel-Riesenslalom Silber holte, zwar leer aus, dafür aber hat Ramona Hofmeister mal wieder eine starke Weltcup-Saison hingelegt. Sie siegte in sechs Rennen und wurde einmal Zweite, in der Gesamtwertung, die sie schon viermal gewonnen hat, war nur die Japanerin Tsubaki Miki noch besser. Ein Erfolgsgeheimnis von Hofmeister sind die harten Einheiten mit Athletikcoach Marcus Hirschbiel – erst im Training mit ihm erfuhr sie, was ihr „Körper überhaupt alles leisten kann“.

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<b>Christopher Grotheer (32): </b>Im Gesamtweltcup und bei der WM 2025 in Lake Placid bremste den Olympiasieger im Skeleton eine Verletzung aus, beim Blick auf die Olympia-Rennen in Cortina aber ist der siebenmalige Weltmeister ziemlich zuversichtlich – dass bei den Winterspielen in einem neuen Eiskanal gefahren wird, sei für die Deutschen durchaus ein Vorteil: „Wir sind bahntechnisch am besten ausgebildet, können uns eine neue Bahn sehr schnell erarbeiten.“