Verbrechen im digitalen Zeitalter
Europol: Organisierte Kriminalität setzt stark auf KI
Europol warnt vor einem Wandel im organisierten Verbrechen durch KI und Internet. Banden nutzen neue Technologien für Drogenhandel, Menschenhandel und Cyber-Angriffe.

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„Das Internet ist das Rückgrat des organisierten Verbrechens“, heißt es im Bericht von Europol. (Symbolbild)
Von reb/dpa
Laut einer umfassenden Analyse von Europol, die in Den Haag präsentiert wurde, steht das organisierte Verbrechen vor einem grundlegenden Wandel. Dieser ist bedingt durch technologische Fortschritte und geopolitische Spannungen. Dem Bericht zufolge setzen kriminelle Organisationen zunehmend Künstliche Intelligenz (KI) und das Internet ein, um ihre illegalen Aktivitäten zu optimieren.
Die Experten sehen einen „grundlegenden Wandel“ bei Mittel, Taktik und Strukturen: „Das organisierte Verbrechen destabilisiert immer mehr Gesellschaften, nährt sich zunehmend durch das Internet und wird stark beschleunigt durch KI und andere neue Technologien.“ Der Bericht erscheint alle vier Jahre und analysiert die Entwicklungen und Bedrohungen durch das organisierte Verbrechen.
„Internet ist das Rückgrat“
„Das Internet ist das Rückgrat des organisierten Verbrechens“, stellen die Experten fest. Es werde sowohl für die Beschaffung von Mitteln genutzt, wie Waffen, Geld oder Technologie, als auch dafür Täter zu rekrutieren. „Verbrechen als Dienstleistung“, nennen das die Europol-Experten. Computerexperten würden engagiert für Cyber-Attacken, aber auch Auftragsmörder.
Ein Trend ist Europol zufolge die Rekrutierung von Jugendlichen - manche sind erst 14 Jahre alt. Sie würden etwa in den sozialen Medien angeworben, um Pakete von Kokain aus Containern in Häfen zu holen, aber auch für extreme Gewalttaten bis zum Auftragsmord.
Kindesmissbrauch mithilfe von KI
Das Internet ist dem Bericht zufolge auch Ort für illegalen Handel, Geldwäsche sowie Tatort. Immer mehr Menschen würden Opfer von Online-Betrug. Aber auch der sexuelle Missbrauch von Kindern werde durch das Internet beschleunigt.
Besorgniserregend ist Europol zufolge, dass KI zum sexuellen Missbrauch von Kindern genutzt wird. Fotos oder Filme würden verfälscht. Damit könnten Kinder erpresst werden. Mit Hilfe von KI könnten auch Stimmen und Gesichter täuschend echt gefälscht werden.
Feindliche Angriffe
Gefährlich ist Europol zufolge die Zusammenarbeit mit ausländischen Diensten, als Folge der geopolitischen Spannungen etwa mit Russland. Kriminelle würden gezielt eingesetzt, etwa für Sabotage von Datenkabeln, Cyber-Attacken, Desinformationskampagnen oder den Schmuggel von Migranten in die EU.
Das Ziel sei es, EU-Staaten zu destabilisieren. Europol spricht von „hybriden Tätern“, die politische Verantwortung verschleiern wollten. Verbrecher würden vom staatlichen Schutz profitieren und daran verdienen.