In einem Land vor unserer Zeit
Forscher entdecken Urzeit-Friedhof riesiger Amphibien
Im US-Bundesstaat Wyoming haben Paläontologen das 230 Millionen Jahre alte Massengrab riesiger Amphibien freigelegt. Sie waren so groß wie ein ausgewachsener Alligator. 19 Individuen der Spezies Buettnererpeton bakeri kamen dort einst zu Tode. Aber wie?

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230 Millionen Jahre alt: Metoposauridae (links unten) konnten so groß wie moderne Alligatoren werden und zeichneten sich durch annähernd dreieckige flache Köpfe mit an deren Oberseite liegenden Augen aus.
Von Markus Brauer
In früheren Zeitaltern war vieles größer als heute – auch die Amphibien. Vor allem in der Frühzeit der Dinosaurier waren riesige lurchartige Amphibien in Süßwasserlebensräumen weit verbreitet.
Diese Metoposauridae konnten so groß wie moderne Alligatoren werden und zeichneten sich durch annähernd dreieckige flache Köpfe mit an deren Oberseite liegenden Augen aus. Die fossilen Überreste dieser Riesenamphibien wurden bereits in Nordamerika, Nordafrika, Madagaskar, Indien und Europa entdeckt.
Kriminalfall der Urzeit
Jetzt haben Paläontologen um Aaron Kufner von der University of Wisconsin-Madison ein Massengrab dieser riesigen Amphibien in Dubois im US-Bundesstaat Wyoming freigelegt.
Es handelt sich dabei um die fossilen Überreste von 19 Individuen der alligatorgroßen Spezies Buettnererpeton bakeri aus der Zeit vor 230 Millionen Jahren. Der Fund verdoppelt damit auf einen Schlag die bisher bekannten Exemplare dieser Spezies.
Die Studie ist im Fachmagazin „Plos One“ erschienen.
holy shittttt ARCHOSAURIA WAS ANCESTRALLY FUZZY "Exquisite integument preservation of a triassic stem-archosaur reveals valuable insight in the origin and evolution of feathers" (2025): https://t.co/rw4hQNg2rupic.twitter.com/bEQSBybmm7 — Literally Miguel (@LiterallyMiguel) April 1, 2025
Wie starben die Riesenamphibien?
Wie kamen die Riesenamphibien einst in dieser großen Menge zu Tode? Um das herauszufinden, analysierten Kufner und sein Team sowohl die Zusammensetzung des umgebenden Sediments als auch die Muster der über die Grabungsfläche verteilten Knochen.
Zum Teil waren die Skelette noch in ihrer ursprünglichen Struktur verbunden, zum Teil weit verstreut. Aus diesen Indizien ließen sich das Geschehen und der Tatort zumindest teilweise rekonstruieren.
Gemeinsam in einem ruhigen Gewässer verendet
Wie die Paläontologen feststellten, waren die gefundenen Knochen nicht in einem Muster angeordnet, das auf starke Strömungen schließen lässt. Darüber hinaus sind selbst kleine, empfindliche Teile der Skelette noch erhalten, die sonst bei dem Transport leicht hätten verloren gehen können.
Da sich das Sediment am Fundort außerdem als sehr feinkörnig und dünn geschichtet erwies, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Tiere gemeinsam in einem ruhigen Gewässer – etwa einem Teich oder Altarm – gestorben sind.
„Diese Ansammlung ist eher eine Momentaufnahme einer einzelnen Population als eine Ansammlung im Laufe der Zeit“, resümiert Kufner. Aber wieso kam eine komplette Population gleichzeitig zu Tode?
Paarung oder Dürre?
Die Forscher halten verschiedene Szenarien für plausibel. So könnte es zum Beispiel sein, dass die Buettnererpeton anlässlich der Paarungszeit in dem Teich zusammenkamen und dann aus bislang ungeklärtem Grund gemeinsam starben. Womöglich gehörte dies zum Lebenszyklus der urzeitlichen Amphibien, ähnlich wie auch einige Lachse nach dem Laichen sterben.
Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass die Riesenamphibien sich aufgrund einer Dürre in dem Teich zusammengefunden hatten – dem womöglich letzten Wasserkörper der Region. Als dieser schließlich ebenfalls austrocknete, war somit auch das Schicksal der Buettnererpeton besiegelt, wie die Forscher schreiben.