Vom Vorstand bis zum Teamleiter
Führungskräfte von Mercedes müssen deutliche Einbußen hinnehmen
In Fußballmetaphern schwört Mercedes-Chef Ola Källenius seine „Mannschaft“ auf magerere Zeiten ein. Neben einem geringeren Gehalt wird das Management „überproportional“ vom Personalabbau betroffen sein.

© Imago/Political-Moments
Bis hin zum Vorstand: Mercedes-Chef Ola Källenius macht klar, dass „alle“ ihren Beitrag fürs Unternehmen leisten müssen.
Von Veronika Kanzler
Die Sparmaßnahmen beim Stuttgarter Automobilhersteller Mercedes treffen die Führungskräfte deutlich stärker als die Tarifbeschäftigten. Während bei den Tarifbeschäftigten die Gehälter weiter steigen, wenn auch langsamer als ursprünglich gedacht, müssen die Führungskräfte damit rechnen, dass ihre Einbußen durch das Programm höher ausfallen werden.
In einem Video an seine Mitarbeiter, über das unsere Zeitung exklusiv berichtete, schlägt Konzernchef Ola Källenius einen ernsten Ton an: Man könne in dieser Situation nicht weitermachen wie bisher. Zwar spiele Mercedes-Benz in der automobilen „Champions League“, aber dort gebe es gleich eine ganze Reihe neuer Teams. Die Wettbewerber seien hungrig, greifen den schwäbischen Hersteller an, und „laufen bis zum Umfallen“, lauten seine Fußballmetaphern.
Mehr zum Sparprogramm bei Mercedes lesen Sie hier.
Källenius ist überzeugt, dass er „die richtige Mannschaft“ habe, lobt er seine Mitarbeiter. Doch die Mannschaft kann in der heutigen Formation nicht bestehen bleiben. „Wir müssen uns anpassen, um weiter vorne mitzuspielen“, lautet sein Fazit. Und: „Alle werden ihren Beitrag leisten müssen.“
Deutliche Einschnitte für das Mercedes-Management
Bei Mercedes gibt es mehrere Hierarchieebenen: Als E1 wird intern die Ebene direkt unter dem Vorstand bezeichnet. E2 sind die Bereichsleiter, E3 die Abteilungsleiter, und die Teamleiter sind E4. Bei der niedrigsten Stufe gibt es eine Besonderheit. Einerseits gibt es Teamleiter, die nach Tarif bezahlt werden (E4 Tarif). Andererseits gibt es die E4 Executive, deren Vergütung außerhalb des Tarifs geregelt ist.
Diese Einbußen kommen nun auf die außertariflichen Führungskräfte vom E4 Executive bis hin zum Vorstand zu:
- Keine Gehaltserhöhungen für das Jahr 2025
- Variable Gehaltsbestandteile werden angesichts der Geschäftsentwicklung voraussichtlich deutlich sinken im Vergleich zu den vergangenen Jahren
- Überproportional viele Stellen werden im Management abgebaut
Wie setzt sich das Gehalt von Mercedes-Führungskräften zusammen?
Das Gehalt von Führungskräften Mercedes besteht aus mehreren Teilen:
- Fixes Basisgehalt
- Variable Vergütung in Form eines Jahresbonus, der nach Abschluss des Geschäftsjahres ausgezahlt wird
- Aktienorientierte Vergütung in Form eines Vier-Jahresplans
Bei dem Bonus steht mittlerweile nicht mehr die individuelle Leistung im Vordergrund, sondern vielmehr die kollektive Leistung des Unternehmens. Die finanziellen Ziele sind von großer Bedeutung, da sich bei Top-Managern das Grundgehalt verdreifachen kann, wenn sie vollständig erreicht werden. Von entscheidender Bedeutung ist es, die Ziele zur Steigerung des Unternehmensgewinns und des Cashflows zu erreichen.
Von Bedeutung ist auch die Art und Weise, wie dem Unternehmen die Transformation mit Blick auf Umweltziele, Soziales und gute Unternehmensführung gelingt und welche Fortschritte es in Bereichen wie Elektrifizierung, Nachhaltigkeit und autonomem Fahren erzielt. Auch Ziele wie die Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeitern sowie der Fortschritt des Unternehmens in Bezug auf Diversität, einschließlich der Steigerung des Frauenanteils ist für die variable Vergütung relevant. Die Hälfte des Bonus wird sofort ausgezahlt, die andere Hälfte ein Jahr später – die Höhe hängt dann von der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens im Folgejahr ab.
Mercedes-Management erhält Phantomaktien
Phantomaktien von der Mercedes-Benz AG werden den Führungskräften jedes Jahr neu zugeteilt und sie umfassen jeweils einen Vierjahresplan. Drei Jahre lang werden die Mitarbeiter so gestellt, als würden sie die zugeteilten virtuellen Aktien tatsächlich halten; sie beziehen somit auch eine Zahlung, die der Dividende entspricht. Danach wird ermittelt, wie sich Aktienkurs und Umsatzrendite im Vergleich zu einer Gruppe von Wettbewerbern entwickelt haben. Bei guter Entwicklung steigt die Zahl der Phantomaktien auf das bis zu Dreifache. Im vierten Jahr wird deren Wert dann ausgezahlt, sodass die Führungskräfte nicht nur von der Dividende, sondern auch vom Aktienkurs profitieren.
Die Führungskräfte sollen durch ihr persönliches Interesse an der langfristigen Kursentwicklung der Aktien dazu motiviert werden, nicht ausschließlich kurzfristige Optimierungen anzustreben.
Dass der variable Gehaltsbestandteil sinkt, ist keine Entscheidung, die innerhalb des Sparprogramms getroffen wurde. Dies passiert aufgrund der Berechnungslogik des Bonus automatisch, wenn Gewinn und Mittelzufluss (Free Cash Flow) zurückgehen, wie es das Management für 2025 prognostiziert hat.