Galerienrundgang Art Alarm in Stuttgart
Galerienrundgang Art Alarm: Zwei Lange Kunst-Tage in Stuttgart
Die Lange Nacht ist Geschichte, nun kommen am 5. und 6. April Zwei Lange Tage in Stuttgart – Lange Tage der Kunst. 22 Galerien laden zum Rundgang. Lohnt er sich?

© Martin-Jan van Santen/Galerie Thomas Fuchs
Eröffnung am 4. April: Bilder von Martin-Jan van Santen in der Galerie Thomas Fuchs
Von Nikolai B. Forstbauer
Die Lange Nacht der Museen bleibt ein Magnet in Stuttgart. Mehr als 20 000 Menschen waren am 22. März unterwegs, um Kultureinrichtungen in Stuttgart zu erkunden. An diesem Samstag und Sonntag, 5. (11 bis 20 Uhr) und 6. April, wird Stuttgart erneut stadtweit zur Kulturbühne. Mit dem Galerienrundgang Art Alarm rufen 22 Privatgalerien mit weit offenen Türen zum Rundgang – Online-Navigationssystem inklusive. Der Rundgang ist kostenlos – und fünf Führungen locken auf unterschiedlichen Wegen zum vertieften Sehen.
Mit 21 Galerien konnte die Initiative Stuttgarter Galerien zeitgenössischer Kunst als Rundgang-Veranstalter im Herbst 2024 das 25-jährige Bestehen des Rundgangs feiern, nun sind beim Frühjahrs-Art-Alarm 22 Galerien am Start. Neu dabei ist die Galerie Sammlung Amann des Unternehmers und Sammlers Karl Amann im Stuttgarter Westen (Schwabstraße 69/1). Kay Kromeier, Vorsitzender der Initiative und Geschäftsführer der Galerie Schlichtenmaier, freut sich über den Zuwachs: „In den Räumen von Karl Amann ist in den vergangenen zwölf Monaten viel passiert“, sagt er mit Blick auf das Bemühen Amanns, die Ausstellungsräume immer wieder auch für Vermittlungsangebote zu nutzen. Die Galerie als Ort der Debatte über Kunst – „das ist“, sagt Kromeier, „ein ganz wichtiger Aspekt“. Zur Galerienrundgang-Premiere setzt die Galerie Sammlung Amann bewusst auf Zwischentöne – die ganz aus der Zeichnung gedachten Werke von Monika Supé.
Ein Art-Alarm-Ausrufezeichen setzt die Galerie Abt Art in Stuttgart-Möhringen (Rembrandtstraße 18). Zum Neustart in den nach einem Wasserschaden aufwendig sanierten Räumen hat Karin Abt-Straubinger den Foto-Experten Klaus Honnef eingeladen, nicht weniger als einen Rückblick auf das Schaffen von Anna & Bernhard Blume zu wagen. Schon immer für ihre Hintersinnigkeit bekannt, bekommen die Werke der Fotokunst-Stars der 1960er Jahre inmitten einer scheinbaren Auflösung alles bisher Gültigen verblüffende Aktualität. Eröffnung ist an diesem Freitag um 19.30 Uhr, zum Galerienrundgang führt Klaus Honnef an diesem Samstag um 11 Uhr selbst durch die Schau.
Eröffnungen bereits am Freitag
Man kann also bereits an diesem Freitag, 4. April, in den Galerienrundgang starten – auch etwa in der Exo-Gallery im Stadtzentrum (Silberburgstraße 145A) und einer ganz eigenen Interpretation von Malerei im digitalen Zeitalter von Joeggu Hossmann. Auch in der Exo-Gallery geht es um 19 Uhr los. Erzählstark wiederum geht es in den Bildern der Wienerin Bettina Patermo zu – sehen kann man sie im Ausstellungsraum Jo21 der Galerie Z (Johannesstraße 21). Mit einem Doppelschlag geht gar von 18 Uhr an die Galerie Thomas Fuchs an den Galerienrundgang-Start: Feiert der Maler Martin-Jan van Santen in seinen Bildern den Zauber der Jugend (zu sehen in den Räumen in der Reinsburgstraße 68A), spürt der Maler Jochen Hein in seinen neuen Arbeiten anderer Magie nach – der des Wasserfalls. Die Schau „Water falling“ ist in den Galerieräumen in der Augustenstraße 63 zu finden (Eingang durch den Hinterhof).
Auch zum Rundgang selbst gibt es Eröffnungen – und für viel Interesse dürften nicht nur die neuen Arbeiten des Schweizer Videokünstlers Daniel Cherbuin in der nach ihrem Auszug aus der Rotebühlstraße nun in Vaihingen (Kupferstraße 40-46) zu findenden Galerie von Braunbehrens sorgen. Mit Fotografie malerisch umzugehen – dies scheint für Andrea Grützner immer wichtiger zu werden. Seit einem Jahrzehnt arbeitet sie an ihrer Serie „Erbgericht Polenz“ (über den gleichnamigen Landgasthof in Ostsachsen), nun stellt sie ein Panorama der Serie in den Räumen von Hartmann Projects (Liststraße 28/1) vor. Von 12 Uhr an ist Andrea Grützner an diesem Samstag, 5. April, auch selbst bei Angelika und Markus Hartmann zu Gast.
Christian Wulffens Frühwerk bei Michael Sturm
Scheinbar zurück geht der Blick in der Galerie Andreas Henn (Wagenburgstraße 4). Die Arbeiten aber – allen voran der „Vogelflug“ (2005) – des 2014 gestorbenen Bildhauers Ulrich Henn haben eine eigenwillige Aktualität. Die Würdigung zum 100. Geburtstag Ulrich Henns wird um 11 Uhr an diesem Samstag eröffnet. Darf man schließlich die Eröffnung in der Galerie Michael Sturm (Christophstraße 6) an diesem Samstag, 5. April, um 11 Uhr verpassen? Auf keinen Fall, gibt es doch einerseits Neues aus der Werkstatt des Künstlerkollektivs atelierJAK und gibt andererseits der ganz und gar dem Konzept vertrauende Objektkünstler und Zeichner Christian Wulffen Einblicke in sein ungemein spannendes Frühwerk.
Was macht eine Galerie aus? „Ganz sicher doch, den Künstlerinnen und Künstlern auch die Möglichkeiten ungewöhnlicher Präsentationsformen zu geben“, sagt Kay Kromeier. Eben dies nutzt denn auch die Malerin Anna Bittersohl, wenn sie mit ihrer aktuellen Schau Teile der Galerie Schlichtenmaier (Kleiner Schlossplatz 11) in ein begehbares Atelier verwandelt. „Und ebenso die konsequente Begleitung einer künstlerischen Entwicklung“, fügt Kromeier hinzu. Hierfür steht etwa das hoch konzentrierte Julio-Rondo-Panorama jüngster Lichträume in der Galerie Elisabeth und Reinhard Hauff (Paulinenstraße 47).
Nicht verpassen: Esther Hagenmaier bei Klaus Braun
„Ab wann sind gemalte Fassaden konstruktive Kunst?“, fragt Marko Schacher – und lässt in seinem Raum für Kunst (Blumenstraße 15) Bilder von Jan Jansen antworten. Zudem bei Schacher zu sehen: Werke von Klaus Fischer. Buchstäblich um die Ecke gedacht sind die fotografischen Architekturen von Esther Hagenmaier in der Galerie Klaus Braun (Charlottenstraße 14). Diese Bild gewordene Gedankenwelt darf getrost als Pflichttermin bei diesem Galerienrundgang gelten.
Apropos Pflichttermin: Man muss national schon sehr weit umherschauen, um eine solche Ballung von Konzeptkunst erleben zu können wie sie Brigitte March mit der Ausstellung „Under Construction – Mobing Scenes II“ zeigt. Allein Patrick Raynauds „Cousin’s Travel“ und „Ville Réelle, virtuelle ou mentale?“ von Concha Jerez lohnen die Fahrt nach Stuttgart-Weilimdorf (Solitudestraße 254). Zurück in der Stadtmitte locken noch der Blick René Staudts auf die Welt (bei Dengler und Dengler, Rosenbergstraße 102A), Max Kuwertz’ systematische Überschreitung unserer Vorstellungswelten (Kernweine, Cottastraße 4-6), die Reliefs von Matthias Hornung, in denen Zeichnung und Skulptur sowie Raum und Fläche ständig miteinander zu ringen scheinen (Galerie Strzelski, Rotebühlplatz 30) und die nicht weniger rätselhaften Gewächse, die Katrin Greiner erst Skulptur werden lässt, um sie dann in den eigentlichen Zustand der fotografischen Erinnerung zu überführen (in Ute Nolls Uno Art Space, Liststraße 27). Solche Kippmomente begründeten auch den frühen Höhenflug für die Bildwelt von Adam Lude Döring. Eine Hommage zum 100. Geburtstag des ewigen Tänzers in der Galerie Keim in Stuttgart-Bad Cannstatt (Markstraße 31 A) zeigt nun, dass mit Dörings Traumwelten noch zu rechnen ist.
Träume werden Figur – in der Galerie Lauffer
Zur Feier in der Feier der Kunst wird das Jubiläum 25 Jahre Kunsthaus Frölich (Stuttgart-Feuerbach, Oswald-Hesse-Straße 98). 25 künstlerische Positionen sind zum Geburtstag versammelt – von Michael Lauterjung über Rudolf Schoofs und Anton Stankowski bis hin zu Peter Vahlefeld. Ist jetzt alle Puste verbraucht? Das wäre schade – denn mit den vielfach in sich verschränkten Skulpturen von Franziska Klotz in der Galerie Imke Valentien (Liststraße 28/1) wartet noch fein Rätselhaftes. Volle Figuren- und Erzählkraft voraus heißt es dafür in der Galerie Lauffer (Reinsburgstraße 178A). Dort lässt Leandro Cultraro, aktuell noch Studierender an der Kunstakademie Stuttgart (bei Reto Boller), Traumtiere Traumgefährte steuern – um auf den zweiten und dritten Blick den immer drohenden Abgrund preiszugeben.
Viel Lust zu neuem Antritt
Dieser Frühjahrsrundgang der Stuttgarter Galerien hat es fürwahr in sich. Umso schöner, dass auch das Kunstmuseum Stuttgart (bei freiem Eintritt mit der Querschnittsschau „Doppelkäseplatte“) und die Staatsgalerie Stuttgart (mit der Sammlungsneupräsentation „This is Tomorrow“ sowie der Fotoschau „Stand Up!“) viel Gegenwartskunst zu bieten haben. Und so passt es perfekt, dass mit Bertram Kaschek ein Kurator der Staatsgalerie Stuttgart an diesem Sonntag, 6. April, eine der fünf Galerienrundgang-Führungen übernimmt. In der ersten Auflage nach dem 25-Jahr-Jubiläum im Herbst 2024 zeigt sich der Galerienrundgang Stuttgart mit viel Lust zu neuem Antritt – da ist, keine Frage, noch einiges zu erwarten. Und für alle, die auch draußen nicht genug bekommen können von Malerei und mehr – auf der Königstraße, auf dem Schlossplatz und im Dorotheenquartier (zwischen Karlsplatz und Marktplatz) findet an diesem Samstag, 5. April, das Street Art Festival 2025 statt. Das Motto: Die Stadt wird zur Bühne.
Führungen zum Rundgang
Tour 1Galerie Thomas Fuchs, Galerie Sammlung Amann, Strzelski Galerie, Galerie Schlichtenmaier. Treffpunkt: Samstag 5. April 11 Uhr – Galerie Thomas Fuchs (Reinsburgstraße 68A, 70178 Stuttgart). Dauer ca. 3 Stunden, zu Fuß, 15–20 Teilnehmer:innen. Guide: Sara Dahme, Kunst- und Kulturvermittlung
Tour 2 Galerie Lauffer, Dengler und Dengler – Galerie für Schöne Künste, JO 21 by Galerie Z, EXOgallery, Galerie Elisabeth & Reinhard Hauff. Treffpunkt: Sonntag 6. April 14 Uhr – Galerie Lauffer (Reinsburgstraße 178A, 70197 Stuttgart). Dauer ca. 3–4 Stunden, zu Fuß, 15–20 Teilnehmer:innen. Guide: Meike Gatermann, Kulturagentur
Tour 3 Galerie von Braunbehrens, Vaihingen (14 Uhr), Galerie ABTART, Möhringen (15 Uhr), Brigitte March International Contemporary Art, Weilimdorf (16 Uhr), Kunsthaus Frölich, Feuerbach (17 Uhr). Treffpunkt: Sonntag, 6. April 14 Uhr –
Tour 4 Andreas Henn Kunsthandel Galerie, Schacher – Raum für Kunst, Galerie Klaus Braun, Galerie Keim. Treffpunkt: Sonntag, 6. April, 14 Uhr – Andreas Henn Kunsthandel Galerie (Wagenburgstraße 4, 70184 Stuttgart). Dauer ca. 3 Stunden, zu Fuß & Bahn (VVS Gruppenticket wird gestellt), 15–20 Teilnehmer:innen. Guide: Bertram Kaschek, Staatsgalerie Stuttgart; Anmeldung unter kontakt@art-alarm.de oder bertram.kaschek@staatsgalerie.bwl.de
Tour 5 Galerie Michael Sturm, Galerie Kernweine, Uno Art Space – Ute Noll, Galerie Imke Valentien, Hartmann Projects. Treffpunkt: Sonntag, 6. April, 14 Uhr – Galerie Michael Sturm (Christophstraße 6, 70178 Stuttgart). Dauer ca. 3 Stunden, zu Fuß 15–20 Teilnehmer:innen. Guide: Gudrun Ruetz, kunstkontaktet. Anmeldung unter kontakt@art-alarm.de oder office@kunstkontaktet.de

© © Leandro Cultraro/© Leandro Cultraro
Bei Lauffer: Leandro Cultraro, An dich glauben

© © Galerie von Braunbehrens/© Galerie von Braunbehrens
Bei Braunbehrens: Daniel Cherbuin, La Habanera, 2024

© Copyright: Christian Muhrbeck/Photographer: Christian Muhrbeck
Bei Imke Valentien: Friederike Klotz, Interieur (Bad),

© Galerie Schlichtenmaier /Galerie Schlichtenmaier
Bei Schlichtenmaier: Blick in die Ausstellung von Anna Bittersohl

© Katrin Greiner/Katrin Greiner
Bei Ute Noll: Katrin Greiner, Broken Flowers, Anthurium,

© © René Staud/© René Staud
Bei Dengler und Dengler: René Stauds „All Time Heroe“

© © Max Kuwertz/© Max Kuwertz
Max Kuwertz, Hyperfeel, 2024

© Peter Hoiss/Peter Hoiss
In der Galerie Z: Bettina Patermo, Mitten ins Gesicht

© Klaus Fischer/Klaus Fischer
Klaus Fischer, Spätes Licht

© Julio Rondo und Galerie Elisabeth & Reinhard Hauff/Tina Berning
Bei Hauff: Julio Rondo, Session Man, 2024 (Ausschnitt)

© © Galerie Braun | Esther Hagenmaier/© Galerie Braun | Esther Hagenmaier
Bei Klaus Braun: Esther Hagenmaier, Kaunas_folded, 2023,

© Mathias Hornung/Mathias Hornung
Bei Mario Strzelski: Mathias Hornung: Efficiency, 2024

© © Galerie Keim, Nachlass Adam Lude Döring/© Galerie Keim, Nachlass Adam Lude Döring
In der Galerie Keim: Adam Lude Döring 2009 beim Signieren der Grafik „Rothaarig“

© © atelier JAK/© atelier JAK
Bei Michael Sturm: atelier JAK, Soul Blindness, 2022,

© Anna Bittersohl/Anna Bittersohl
Bei Schlichtenmaier: Anna Bittersohl, just something that does not feel lonely (Ausschnitt)

© © Galerie ABTART | Doris Graf/© Galerie ABTART | Doris Graf
Bei Abt Art: Doris Graf, Castles, 2024/25

© © Galerie Sammlung Amann / Monika Supé/© Galerie Sammlung Amann / Monika Supé
Bei Amann: Monika Supé, Enigma 3 (Ausschnitt)

© © Stankowski Stiftung/© Stankowski Stiftung
Im Kunsthaus Frölich: Anton Stankowski, Agieren-reagieren, 1988

© © EXOgallery, Joeggu Hossmann/© EXOgallery, Joeggu Hossmann
In der Exo Gallery: Joeggu Hossmann, Besides the Angels (Ausschnitt)