Tel Aviv/Gaza

Hamas-Geisel berichtet über schwerste Misshandlung

Der junge Mann wurde in einer winzigen unterirdischen Zelle festgehalten, immer wieder geschlagen und gedemütigt. Den schlimmsten Moment seines Lebens erlebte er ausgerechnet an seinem Geburtstag.

Die israelische Geisel Omer Wenkert (Mitte) zwischen vermummten und bewaffneten Mitgliedern der Terrororganisation Hamas bei seiner Freilassung.

© dpa/Abdel Kareem Hana

Die israelische Geisel Omer Wenkert (Mitte) zwischen vermummten und bewaffneten Mitgliedern der Terrororganisation Hamas bei seiner Freilassung.

Von red/dpa

Die freigelassene Hamas-Geisel Omer Wenkert hat über zutiefst traumatische Erlebnisse am 7. Oktober 2023 und während der Geiselhaft berichtet. Während des Hamas-Massakers im israelischen Grenzgebiet habe er sich mit anderen jungen Menschen in einem Schutzraum versteckt, erzählte der 23-Jährige dem israelischen TV-Sender N12. Terroristen hätten immer wieder Handgranaten in den bunkerartigen Raum geworfen. „Ich sehe Leichen, schreiende Menschen.“

Die Angreifer hätten auch in den Raum geschossen und ein Feuer gelegt. „Ich habe mich mit Leichen zugedeckt, um mich zu schützen.“ Seine Freundin Kim, mit der er am Nova-Musikfestival teilgenommen hatte, wurde getötet. Nachdem Wenkert den Bunker verlassen hatte, um nicht zu verbrennen, wurde er von Bewaffneten verschleppt. 

Nach der Entführung in den Gazastreifen sei er nur mit Unterhose bekleidet durch dicht bevölkerte Wohngebiete gefahren worden, erzählte Wenkert. „Um mich herum war eine Menschenmasse, die mich mit Ziegelsteinen und Eisenstangen angegriffen hat, mit allem, mit dem man zuschlagen kann“, berichtete Wenkert. Unter den mehreren Hundert zivilen Angreifern seien auch Kinder gewesen. Ein etwa dreijähriges Kind auf den Schultern seines Vaters habe sich an den Schlägen beteiligt. Es seien Momente schlimmster Demütigung gewesen. 

Schläge mit einer Eisenstange am Geburtstag

Während der Geiselhaft hätten die Terroristen ihn in einen winzigen unterirdischen Raum mit etwa einem Meter Durchmesser gesperrt. Dort hätten sie ein Loch gegraben, in dem er seine Notdurft verrichten musste. Immer wieder sei es zu Demütigungen und Misshandlungen gekommen. Er habe etwa vergammeltes Essen bekommen und sei mit Parasitenspray eingesprüht worden. „Sie sprühten auf mein Gesicht, meinen Körper, mein Geschirr und meine Zahnbürste.“

„An meinem Geburtstag wurde ich mit einer Eisenstange auf den Kopf geschlagen“, erzählte er. „Ich sagte mir, dies ist der schlimmste Moment meines Lebens.“ Weinend habe er sich dann selbst zum Geburtstag gewünscht, „dies zu überleben“. Nach 505 Tagen Geiselhaft war Wenkert im vergangenen Monat im Rahmen einer Waffenruhe-Vereinbarung mit der Hamas freigekommen.

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Erstellt:
13. März 2025, 10:44 Uhr

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