Performance über gewählte Nicht-Mutterschaft

Heiraten, Kinder kriegen, sexy sein?

Das feministische Theaterlabel „Silent ladies¬_“ zeigt im Theaterhaus wieder ihre Performance über gewählte Nicht-Mutterschaft.

Szene aus „I choose – No!“

© Dominique Brewing

Szene aus „I choose – No!“

Von Petra Mostbacher-Dix

Mit Verve beschreibt Luise Leschik die „ganzen Kette“ an Zuschreibungen für ein Frauenleben: „Boyfriend, heiraten, Kinder kriegen – und noch sexy sein.“ Doch ist Frausein zwingend mit Mutterschaft verbunden? Fragen wie diese brachten die Regisseurin dazu mit der Schauspielerin Dawn Robinson die Performance „I choose – No! A story of non-motherhood“ zu konzipieren – für das feministische Theaterlabel „silent ladies¬_“, das Leschik 2020 ins Leben rief. Das Stück über gewählte Nicht-Mutterschaft und deren Stigmatisierung ist mehr als brisant angesichts demografischen Wandels, Wahlergebnissen, Weltereignissen, Rechtsruck.

Frauen seien unter Druck, Kinder zu kriegen, so Leschik – von Politik und Gesellschaft, von Familie und Freunden. Entmündigend sei der Paragraf 218, schockierend, dass er noch existiere und wie im Bundestag über Frauen diskutiert werde. „Da bestimmen jene über Körper, mit denen sie nichts zu tun haben“, nimmt Dawn Robinson den Faden auf. „Demografischer Wandel? Ist da die Lösung, Frauen unter Druck zu setzen? Oder sollten wir an unserer Gesellschaftsstruktur arbeiten, weil sie nicht mehr funktioniert?“ Die 37-Jährige interviewte mit Recherchestipendium Frauen und non-binäre Personen, die keine Mutterschaft anstrebten. Daraus und mit Material aus Studien, Wissenschaft, Filmen und Büchern – etwa „Die Uhr, die nicht tickt“ von Kulturwissenschaftlerin Sarah Diehl und „Regretting Motherhood“ der Soziologin Orna Donath – entwickelten sie und Leschik das Stück. In dem sprechen zwei Frauen über ihre Erfahrungen. Da geht es nicht nur biografisch, politisch und gesellschaftlich zur Sache, sondern auch historisch, ökonomisch, religiös und medizinisch. Gibt es den Mutterinstinkt? Warum ist Care Arbeit oft gratis? „Karrierefrau oder superperfekte Mutter? Alle Vorstellungen, Vorbilder und Zwänge von Frauen werden im Kapitalismus verstärkt“, so Leschik.

Derlei wird in „I choose - No!“ mit viel Augenzwinkern verhandelt. Britischen „Tongue in Cheek“-Humor, den die gebürtige Berlinerin schätzt. An der walisischen Aberystwyth University studierte sie Drama and Theatre Studies, absolvierte an der Universität Hamburg ihren Master in Performance Studies. Erfahrungen an Theatern sammelte sie etwa am Ohnsorg, Scharlatan und Thalia, arbeitete in Stuttgart am Alten Schauspielhaus, bevor sie freiberuflich wurde. „Ich wollte eigene Ideen verwirklichen, progressiv, politisch, in anderen Formaten – mit einem Team, das seine Sicht einbringt, mit einem Text, den man gemeinsam geschrieben hat“, so die 32-Jährige. Ihr erstes Stück 2020 „All the Silent Ladies Put Your Hands Up“ über sexuelle Gewalt und den Optimierungszwang des weiblichen Körpers führte zur Gründung des Labels: „Alle können Ladies sein, auch Männer oder non-binäre Personen.“

2021 stieß Robinson dazu, die Schauspiel und Performance in Österreich und England studierte, für die Matriarchatsparabel „Once Upon a Time ...“. Nun kollaboriert sie fest mit den Silent Ladies. „Im Studium merkte ich, klassische weibliche Rollen sind es nicht. Theater braucht politische Aspekte“, beschreibt die gebürtige Hamburgerin. So entstand 2022 „feminist dating“ über Liebe, Körper und Feminismus, 2024 mit „Nora: Breaking the Dollhouse” eine queer-feministische Version von Henrik Ibsens „Nora oder Ein Puppenheim“. Im September 2025 folgt ein Projekt zu geschlechterspezifischer Gewalt. Anliegen aller Performances: Jenseits von Stereotypen und Klischees, die im Theater zum Teil auch bedient würden, auf die Missverhältnisse zwischen Geschlechtern aufmerksam machen, patriarchal-geprägte Strukturen hinterfragen und aufbrechen. Da laufen auch mal Penis oder Klitoris über die Bühne. „Geschlechtsorgane haben alle, warum nicht die Dinge beim Namen nennen“, sagt Leschik lachend. „Unser Ansatz ist, humorvoll aufzuklären.“

I choose – No! Am 7. und 8. März, 19.30 Uhr, Theaterhaus

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Erstellt:
4. März 2025, 15:07 Uhr

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