Kurioses Phänomen
Holleri du dödl di, diri diri dudl dö: Warum Affen einfach besser jodeln
Nicht nur in den Alpen wird gejodelt. Im Dschungel Boliviens kommunizieren Affen auf ähnliche Weise, schreiben Forscher. Doch wie erzeugen die Tiere die extremen Tonsprünge?

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Ein Haubenkapuzineraffe (Sapajus apella) oder gehaupter Kapuziner,beim Jodeln im Pantanal, Brasilien.
Von Markus Brauer/dpa
Trösten Sie sich. Es ist noch kein Jodler vom Himmel gefallen! „Hodl-o-uu-dii. Hodl-je-ii-dii. Hodl—o-uuh-dii—Hodl-je-ii-dii—Jodl. Je—ii–dii –jei–ho.“ Lautmalerische Juchitzer wie diese mit wechselnder Brust- und Falsettstimme stimmakrobatisch in Töne zu verwandeln, ist eine große Kunst.
Begnadete Tonleiter-Akrobaten
Ausgerechnet Affen sind nicht nur begnadete Baum-Akrobaten, sondern auch zu spektakulären Sprüngen auf der Tonleiter fähig. Ein internationales Forscherteam hat herausgefunden, dass südamerikanische Affen zwischen sehr hohen und sehr tiefen Lauten wechseln können. Ähnlich, aber noch ausgeprägter als menschliche Jodel-Sänger in den Alpen.
In einem Schutzreservat in Bolivien studierten die Forscher die Rufe von verschiedenen Arten von Neuweltaffen. Außerdem führten sie Computersimulationen sowie anatomische Untersuchungen durch, um dem Affen-Jodeln auf den Grund zu gehen.
Wie ein Tarzan-Schrei
Auf der Aufnahme eines Haubenkapuzineraffen (Sapajus apella) ist für das menschliche Ohr nur eine hohe Stimmlage erkennbar. Werden die Laute jedoch stark verlangsamt abgespielt, hört sich der Ruf des Äffchens etwa an wie ein Tarzan-Schrei.
Während Menschen nur etwa im Tonumfang einer Oktave jodeln können, sind es bei den untersuchten Neuweltaffen bis zu dreieinhalb Oktaven, wie das Team im Fachblatt „Philosophical Transactions of the Royal Society B: Biological Sciences“ berichtet. Laut der Studie liegt das an der unterschiedlichen Anatomie: Fast alle Primaten außer dem Menschen haben im Kehlkopf kleine Membranen auf den Stimmlippen.
Schwingende Membranen gingen mit der Evolution verloren
„Je mehr Gewebsstrukturen im Kehlkopf bei der Tonproduktion mitschwingen, umso eher wird diese Schwingung instabil“, erklärt Erstautor Christian Herbst von der Universität Wien. So tragen die Membranen der Affen an den Stimmlippen zum raschen Umschlagen zwischen hohen und tiefen Frequenzen bei.
Dass der Mensch diese Membranen im Zuge der Evolution verloren hat, hat aus Sicht der Forscher wohl mit der Entwicklung der Sprache zu tun. „Für die Sprache brauchen wir im Hals eine sehr stabile Klangquelle“, erläutert der Stimmforscher Herbst.
Entschlüsselung der Affen-Jodler
Während Menschen komplexe Informationen durch die Anordnung verschiedener Sprachelemente vermitteln, können Affen komplexe Signale von sich geben, indem sie die Membranen einsetzen. Bislang haben Verhaltensforscher nicht entschlüsselt, was die Affen mit ihrem Jodeln kommunizieren. „Das wäre der nächste logische Schritt“, sagt Herbst.