„With Love, Meghan“ auf Netflix

Ich habe Meghans Serie geschaut – und jetzt fühle ich mich schlecht

In „With Love, Meghan“ arrangiert die Herzogin von Sussex Crudité-Platten, mischt Badesalz, gießt ihre eigenen Kerzen. Unsere Autorin hat’s geguckt – und hat jetzt Minderwertigkeitskomplexe. Na toll.

Noch eine letzte Himbeere auf den Kuchen: Herzogin Meghan mit ihrem Freund Daniel Martin.

© COURTESY OF NETFLIX/With Love, Meghan

Noch eine letzte Himbeere auf den Kuchen: Herzogin Meghan mit ihrem Freund Daniel Martin.

Von Theresa Schäfer

In den 1960er und 70er Jahren gab es in den USA eine Kochsendung: „The French Chef“ mit Julia Child. Darin kochte eine große, laute, zupackende Frau aus Pasadena, Kalifornien, französische Haute Cuisine: Coq au Vin, Quiche Lorraine, Boeuf Bourguignon. Dabei ging auch manchmal etwas schief – aber Julia Child lachte diese Momente weg. Es machte den Charme der Sendung aus.

Bei Herzogin Meghan geht nichts schief. Im Gegenteil. Perfekt ist das Wort, das einem in den Kopf kommt, wenn man der Herzogin von Sussex zusieht, wie sie in einer makellos durchdesignten Landhausküche (nicht ihre eigene) steht und eine Crudité-Platte anrichtet. „With Love, Meghan“, die Serie, die am Dienstag auf Netflix startete, schwappt über einen hinweg wie eine hochwertig produzierte Dauerwerbesendung: Meghan im Imkeranzug, Meghan, die Arme voller Wildblumen, Meghan, wie sie selbstgemachte Badezusätze und Trüffel-Popcorn zubereitet. Es soll Wohlfühlfernsehen sein, aber zwei Folgen drin kann ich Ihnen sagen: Ich fühle mich schlecht.

Meghan und Harry – makelloses Leben in der Villa

Diese Serie macht Minderwertigkeitskomplexe: Bekommen Meghan und Harry Gäste, stattet sie das Gästezimmer mit selbstgemachtem Badesalz, sorgsam arrangierter Blumendeko und Snacks in Zelophantütchen mit handgeschriebenen Etiketten aus – welche normale Frau mit Beruf und Kindern hat dazu die Zeit? Und muss sie sich schlecht fühlen, wenn sie lediglich die Ausziehcouch bezieht? Genauso, wenn nicht der Duft selbstgemachter Marmelade durch Haus zieht, wenn die Kinder von der Schule nach Hause kommen? Wenn man dem Nachwuchs bloß schnell ein Spiegelei vorsetzt?

Ihre Gäste, alte Freundinnen und Freunde wie die Schauspielerin Mindy Kaling, die sie sich in jede Folge einlädt, sind vor allem dazu da, Meghan zu loben: „Oh mein Gott“ und „Wow“ hauchen sie, während Meghan Kerzen (natürlich aus dem Wachs der eigenen Bienen) gießt oder One-Pot-Pasta kocht. Das wird Folge für Folge ein bisschen nervtötender. Eine makellos arrangierte Rohkost-Platte, komplett mit Wildblumen-Deko und Meghan sagt: „Das ist nicht perfekt.“ Doch, doch, beschwichtigt ihr Sidekick. Jede Zutat ist natürlich in einem dekorativen Weck-Glas verpackt, ein Tetrapack würde die Optik stören.

„With love, Meghan“ als Dauerwerbeserie füs Lifestyle-Label

Die Villa, in der die Serie gedreht wurde, ist nicht das Haus der Sussexes. Ihre Kinder Archie und Lilibet tauchen aber in den Geschichten auf, die ihre Mutter erzählt, während sie in irgendwelchen Töpfen rührt. Es müssen Wunderkinder sein – welcher U-14-Jähriger isst bitteschön Mangold?

Diese Serie stellt Ansprüche, denen keine Frau, die nicht in Montecito in einer Villa lebt, wahrscheinlich über einen Stab an Nannys und ein sehr dickes Bankkonto verfügt und obendrein noch einen Prinzen geheiratet hat, entsprechen kann. Und das wird noch nicht einmal thematisiert. Im Gegenteil: Permanent erzählt Meghan, wie einfach und schnell das alles geht – einen Früchteteller im Regenbogen-Design anlegen, eine dreistöckige Torte backen. Man sollte diese Serie nicht ernst nehmen, sondern als das verstehen, was sie ist: Eine Dauerwerbesendung für Meghans neues Lifestyle-Label, die mit dem echten Leben nichts zu tun hat.

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Erstellt:
4. März 2025, 11:51 Uhr
Aktualisiert:
5. März 2025, 09:19 Uhr

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