Irans Atomprogramm
Iran zu indirekten Atomgesprächen bereit
Nach massiven Drohungen des US-Präsidenten sucht die iranische Regierung, die auch zuhause unter Druck steht, einen gesichtswahrenden Ausweg.

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Irans Präsident Masoud Peseschkian schickte vor wenigen Tagen eine Botschaft an das Sultanat Oman, das als Vermittler zwischen dem Iran und den USA fungiert.
Von Thomas Seibert
Die iranische Führung will im Streit um ihr Atomprogramm keine Angriffe der Amerikaner riskieren, zugleich aber auch den Eindruck vermeiden, vor Donald Trump einzuknicken. Deshalb wies Teheran zunächst Trumps Angebot direkter Atomverhandlungen zurück, erklärte sich dann aber zu indirekten Gesprächen bereit. Wenn die Taktik scheitert, könnte das katastrophale Folgen für das Regime haben. Trump droht mit Luftangriffen auf den Iran. Die USA verstärken bereits ihre Militärpräsenz in der Region. „Teheran wandelt auf einem sehr schmalen Grat“, sagt der Iran-Experte Arman Mahmoudian. „Das ist wie ein Tango auf der Rasierklinge.“
Revolutionsführer Ali Khamenei, der mächtigste Mann im Iran, hatte Trumps Gesprächsangebot ausgeschlagen. Der 85-jährige Ajatollah hat in seinen mehr als 30 Jahren an der Macht noch keinem US-Präsidenten über den Weg getraut. Besonders misstrauisch ist er gegenüber Trump, der in seiner ersten Amtszeit das damals geltende Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt hatte. Vor wenigen Wochen schlug Trump dann neue Gespräche mit Teheran vor. Khamenei lehnte dies als „weder klug noch weise oder ehrenhaft“ ab.
Manöver als Warnung
Doch auch Khamenei weiß, dass Angriffe der USA und Israels auf iranische Atomanlagen und Regierungseinrichtungen das Ende der Islamischen Republik bedeuten könnten. Anfang März hatte die US-Luftwaffe mit israelischen Jets einen gemeinsamen Kriegseinsatz trainiert. Bei dem Manöver wurden US-Langstreckenbomber des Typs B-52 eingesetzt – zur Vorbereitung „auf eine Reihe von Szenarien“, wie die israelischen Streitkräfte damals mitteilten. Die israelische Presse wertete das Manöver als Warnung an Teheran. Vorige Woche verlegten die USA moderne Tarnkappen-Bomber des Typs B-2 auf einen Stützpunkt im Indischen Ozean. Von dort aus wäre der Iran in Reichweite.
Der Iran werde sich niemals mit vorgehaltener Waffe zu Verhandlungen zwingen lassen, sagen Regimevertreter in Teheran – aber Präsident Masoud Peseschkian schickte vor wenigen Tagen eine Botschaft an das Sultanat Oman, das als Vermittler zwischen dem Iran und den USA fungiert. Es war die Antwort des Iran auf einen Brief von Trump und machte deutlich, dass „der Weg indirekter Verhandlungen offen bleibt“, wie Peseschkian sagte.
Trump will verhindern, dass der Iran eine Atombombe baut. Seit dem Scheitern des ersten Abkommens vor sieben Jahren hat Teheran die Urananreicherung so weit vorangetrieben, dass der Iran heute näher an der Bombe ist als je zuvor. Peseschkian strebt ein neues Atomabkommen an, weil im Gegenzug westliche Sanktionen gegen die iranische Wirtschaft abgebaut werden könnten. Der Iran will aber nicht über Beschränkungen seines Raketenprogramms reden, das Israel und andere Länder der Region als Bedrohung empfinden.
Keine Gesten der Unterwerfung
Mit dem Angebot indirekter Gespräche will der Iran die Gefahr eines Angriffes der Amerikaner und Israelis vorerst bannen. „Wenn sie keine Vereinbarung schließen, wird bombardiert, und es wird ein Bombardement, wie sie es noch nicht erlebt haben“, so Trump im US-Sender NBC. Offen ist, wie die indirekten Kontakte zwischen Teheran und Washington in Gang kommen sollen.
Iran-Experte Mahmoudian von der Universität Süd-Florida wies im Gespräch mit unserer Zeitung darauf hin, dass der Iran außenpolitisch durch die Niederlage der Hisbollah im Krieg gegen Israel und den Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad geschwächt sei. Innenpolitisch wachse die Kritik an der schlechten Wirtschaftslage. „Das legt nahe, dass die Zeit gegen den Iran läuft. Beim Thema Atomgespräche auf Zeit zu spielen, könnte für das Regime alles noch schlimmer machen.“
Iranische Politiker suchen einen Mittelweg, meint Mahmoudian: „Sie wollen Verhandlungen, aber sie wollen international und im eigenen Land nicht schwach aussehen.“ Deshalb ziehe Teheran indirekte Gespräche vor – ein Ja zu Trumps Vorschlag direkter Verhandlungen hätte „verzweifelt oder unterwürfig“ wirken können. Nun wartet die iranische Führung, ob der US-Präsident den indirekten Gesprächen zustimmt.