Autofahrer mit Handy am Steuer im Visier
KI-Blitzer gegen Smartphone-Sünder – bald auch in Baden-Württemberg?
Trotz Verbots greifen viele Autofahrer während der Fahrt zum Handy – mit teils fatalen Folgen. In Rheinland-Pfalz soll nun eine neue KI-gestützte Kameratechnik Verkehrssünder entlarven. Zieht Baden-Württemberg nach?

© dpa/Harald Tittel
Handy am Steuer? Die Monocams entlarven Verkehrssünder aus erhöhter Position.
Von Jannis Jäger
Hinter dem Steuer eines Autos sollte man nicht gleichzeitig das Handy bedienen – das dürfte allgemein bekannt sein. Die meisten werden sich noch daran erinnern, dass sie diese Regel irgendwann einmal in der Fahrschule gelernt haben – und irgendwo erscheint es ja naheliegend, zu erkennen, dass die Ablenkung durch das Smartphone im Straßenverkehr potenziell tödliche Folgen haben kann.
Und dennoch: Ein kurzer Griff. Kurz schauen, wie es in der Bundesliga steht. Vielleicht nur schnell Spotify öffnen? Und wer hat da in die Familiengruppe geschrieben? Derlei dürfte mehr Menschen bekannt vorkommen als zu wünschen wäre.
KI analysiert das Verhalten der Autofahrer
In Rheinland-Pfalz hat es die Polizei bald mit innovativer Kameratechnik auf genau solche bislang unbeobachtete Verkehrssünder abgesehen. Sogenannte Monocams registrieren von Brücken aus die Körperhaltung eines Fahrers oder einer Fahrerin.
In einer Pressemitteilung der rheinland-pfälzischen Polizei heißt es dazu: „Dabei achtet eine angeschlossene Software unter Nutzung künstlicher Intelligenz auf Mobiltelefone im Bereich des Fahrers und auf eine entsprechende Handhaltung. Werden beide Kriterien erfüllt, löst die Kamera aus, um dies fotografisch zu dokumentieren.“
Die Testphase war zufriedenstellend
Die Kamera erkennt also selbstständig, ob ein Fahrer oder eine Fahrerin gleichzeitig den Wagen und das Handy bedient – und löst gegebenenfalls aus. Speziell geschulte Beamte sollen im Anschluss die festgestellten Verstöße bewerten, erklärt die Polizei.
Unabhängig vom Einsatz der neuen Kameratechnik verbietet die Straßenverkehrsordnung auch bisher schon die Handynutzung am Steuer. Verstöße werden mit einem Bußgeld von 100 Euro und einem Punkt in Flensburg geahndet.
Nach einer Testphase – zwei Jahre lang wurde die Monocam an der A602 bei Trier erprobt – wird Rheinland-Pfalz laut Medienberichten nun das erste Exemplar anschaffen. Perspektivisch will das Innenministerium in Mainz alle Polizeipräsidien des Bundeslandes mit Monocams ausstatten.
Eine Option für Baden-Württemberg?
Ob sich die Polizei in Baden-Württemberg an ihren Kollegen aus dem Nachbarbundesland ein Beispiel nimmt, bleibt vorerst noch offen. „Wir beobachten die Entwicklung und Rechtsprechung in Rheinland-Pfalz sehr genau und stehen durch die Arbeitsgemeinschaft Verkehrspolizeiliche Angelegenheiten im Rahmen der Innenministerkonferenz im engen Austausch mit Rheinland-Pfalz und den anderen Ländern“, heißt es aus dem Landesinnenministerium in Stuttgart auf Nachfrage unserer Zeitung. Derzeit sei in Baden-Württemberg noch kein Test der Monocams vorgesehen.
Ob es dabei bleibt? In Baden-Württemberg gelte: „Ablenkung, auch durch die Nutzung von Mobiltelefonen am Steuer, ist eine der Hauptunfallursachen für tödliche Verkehrsunfälle“, erklärt ein Sprecher des Innenministeriums des Landes. Als Resultat der Überwachung des Straßenverkehrs führt die Polizei in der Verkehrsunfallstatistik für 2024 über 87.000 Handyverstöße auf. Der Einsatz von Monocams scheint wohl damit gerechtfertigt.
Für Aufregung bei Autofahrern in Frankreich sorgte im vergangenen Jahr laut Angaben der Deutschen Presseagentur (dpa) die Ankündigung, dass dort ein Teil der neuen Blitzer künftig Abstand, Gurtpflicht und Handyverbot überwachen sollen.