Kommentar: In einer alternativen Realität

Kommentar: In einer alternativen Realität

Spricht sich für einen anderen Umgang mit Russland-Sanktionen aus: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer.

© AFP/JENS SCHLUETER

Spricht sich für einen anderen Umgang mit Russland-Sanktionen aus: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer.

Von Tobias Heimbach

Berlin - Manchmal scheinen sich Menschen in anderen Realitäten bewegen. Zu ihnen gehört offenbar Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Russland führt weiter Krieg in der Ukraine und Sicherheitsexperten warnen vor den Aufrüstungsplänen Putins. In dieser Lage fordert Kretschmer, dass man über eine Aufhebung der Wirtschaftssanktionen nachdenken müsse.

Dafür ist es viel zu früh. Wladimir Putin nachzugeben wäre das völlig falsche Signal. Von Zugeständnissen darf man sich ohnehin keine Änderung seines Kurses versprechen. Die Ukraine hat sich bereit gezeigt, für Sicherheitsgarantien auf Territorium zu verzichten. Doch Putin führt den Krieg fort. Wenn Kretschmer sagt, die Sanktionen würden Deutschland mehr schaden als Russland, hat er offenbar seine Fakten nicht beisammen. Schon vor dem Krieg fand sich Russland nicht einmal unter den zehn größten Handelspartnern Deutschlands. Öl und Gas kommen längst aus anderen Quellen.

Vielmehr sollte Europa über Wege nachdenken, Schlupflöcher im Sanktionsregime zu schließen – etwa die Schattenflotte, die Putin weiter gute Geschäfte mit dem Ölexport einbringt. Kretschmer gehört zum CDU-Team, das über eine Koalition mit der SPD verhandelt. Dass er sich mit seiner Meinung durchsetzt, ist zum Glück nicht zu erwarten. Besonders der wohl kommende Kanzler Friedrich Merz hat einen Blick auf Russland, der in der Wirklichkeit verankert ist.

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Erstellt:
30. März 2025, 22:12 Uhr
Aktualisiert:
31. März 2025, 21:59 Uhr

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