Kiss of Life

Kulturelle Aneignung? K-Pop-Stars sorgen für Empörung

Die K-Pop-Gruppe Kiss of Life steht nach einem Livestream in der Kritik: Fans werfen den Sängerinnen kulturelle Aneignung und das Bedienen rassistischer Stereotype vor. Nun hat sich das Management entschuldigt.

Mitglieder der K-Pop-Band "Kiss of Life" im März 2025 bei einem Konzert in Hamburg.

© IMAGO / xim.gs

Mitglieder der K-Pop-Band "Kiss of Life" im März 2025 bei einem Konzert in Hamburg.

Von Katrin Jokic

Die südkoreanische Girlgroup Kiss of Life sieht sich derzeit mit massiver Kritik konfrontiert. Auslöser ist ein Livestream, den die vier Mitglieder am Mittwoch (02.04.2025) veranstalteten, um den Geburtstag der Sängerin Julie zu feiern – und der inzwischen wegen des Vorwurfs kultureller Aneignung wieder offline genommen wurde.

Das Thema des Livestreams lautete „Old-School Hip-Hop“, was laut Agentur auf Julies Wunsch zurückging. Die Mitglieder trugen dabei unter anderem Cornrows, Bantu Knots, überdimensionierte Goldketten und dunklen Lippenstift – stilistische Merkmale, die eng mit der afroamerikanischen Hip-Hop-Kultur verbunden sind. In kurzen Clips waren zudem freestyleartige Rap-Versuche und Imitationen von Rap-Gesten zu sehen. Eine der Sängerinnen wurde dabei scherzhaft „Lil Taco Bell“ genannt – ein Spitzname, der ebenfalls für Irritation sorgte.

Reaktionen in den sozialen Medien: „Du solltest dich entschuldigen“

In den sozialen Medien reagierten viele Fans mit Unverständnis und warfen der Gruppe vor, ästhetische Elemente der Hip-Hop-Kultur für Unterhaltungszwecke zu trivialisieren. Auf YouTube war laut Korea Times in Kommentaren zur aufgezeichneten Sendung von einer „Verhöhnung einer anderen Kultur“ die Rede. Einzelne Nutzerinnen und Nutzer kündigten an, sich enttäuscht vom Fandom abzuwenden.

Auch nach der Löschung des Livestreams zeigen sich Fans enttäuscht. „Ich liebe dich, aber du solltest dich entschuldigen“, heißt es dort etwa an Sängerin Julie gerichtet. Andere forderten Entschuldigungen von den einzelnen Mitgliedern der Band: „Es ist Zeit, Verantwortung zu übernehmen.“

Wieder andere wunderten sich, dass niemandem aufgefallen sei, dass es sich bei diesem Motto um eine schlechte Idee handeln könnte: „Wie viele Leute planen und organisieren so einen Mist? Niemand hat auch nur eine Minute lang gedacht: „Mmm, vielleicht könnte das beleidigend sein“? Was für eine Enttäuschung!“

S2 Entertainment entschuldigt sich

Am Donnerstag veröffentlichte S2 Entertainment, das Label von Kiss of Life, eine offizielle Entschuldigung und löschte den Livestream sowie alle zugehörigen Inhalte. In dem Statement heißt es:

"Wir entschuldigen uns aufrichtig dafür, dass wir bei unseren Zuschauern für Unmut gesorgt haben. Der eigentliche Anlass für die Aufnahmen war, die Hip-Hop-Kultur zu feiern, aus der die musikalische Inspiration für Kiss of Life stammt. […] Unsere Mitglieder und unser Team versprechen, in Zukunft vorsichtiger und respektvoller mit kulturellen Bezügen umzugehen, und alle entsprechenden Inhalte wurden von allen unseren Kanälen entfernt.“

Die Agentur entschuldigte sich demnach für ihre Versäumnisse bei der Erkennung der negativen kulturellen Implikationen, als die diese Inhalte wahrgenommen werden könnten.

Alte Vorwürfe gegen Julie werden erneut laut

Für Julie, die 24-jährige Sängerin aus Hawaii, bringt der Vorfall eine alte Kontroverse zurück ins öffentliche Bewusstsein. 2023 war ein Video aufgetaucht, in dem sie als Trainee das Lied „Strange Clouds“ von B.o.B und Lil Wayne sang – inklusive eines rassistischen Schimpfworts. Auch damals entschuldigte sie sich öffentlich und erklärte, sie habe sich seitdem intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt.

Internationale Fanbase irritiert

Kiss of Life, bestehend aus Julie, Natty, Belle und Haneul, debütierte im Juli 2023 mit dem Song „Shhh“. Weitere Veröffentlichungen wie „Bad News“ (2023), „Sticky“ (2024) und „Igloo“ (2024) festigten ihre Fanbase – auch im Ausland. Doch wiederholte Vorwürfe der kulturellen Unsensibilität könnten den internationalen Erfolg der Gruppe langfristig gefährden. Insbesondere im Westen ist das Bewusstsein für kulturelle Aneignung in den vergangenen Jahren stark gewachsen.

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Erstellt:
3. April 2025, 14:18 Uhr

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