Marc Cucurella kehrt an den Tatort Stuttgart zurück
Es war die Aufregerszene der Fußball-EM 2024: Das Handspiel von Marc Cucurella gegen Deutschland. Jetzt spielt der Spanier in der Nations League bald wieder in Stuttgart.

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Nach einem Schuss von Jamal Musiala (li.) bekommt Spaniens Marc Cucurella den Ball im Strafraum an die Hand.
Von Heiko Hinrichsen
Stuttgart - Dem Einzug der deutschen Fußball-Nationalelf ins Halbfinale der Nations League sei Dank: Nicht mal ein Jahr nach den Spielen der EM 2024 bekommt der Standort Stuttgart wieder großen internationalen Fußball auf Länderspielebene serviert. Denn das Final Four wird in der MHP-Arena im Neckarpark sowie in München ausgetragen.
Dass die schwäbischen Fußballfreunde im Duell mit dem bayerischen Nachbarn häufiger den zweiten Sieger stellen, ist ja nichts Ungewöhnliches. Und so ist die Allianz-Arena in Fröttmanning auch im Final Four nach dem Willen der Uefa der Schauplatz der beiden großen Spiele, nämlich der Semifinalpartie der Deutschen (Mittwoch, 4. Juni um 20.45 Uhr) gegen Portugal mit dem inzwischen 40-jährigen Weltstar Cristiano Ronaldo – sowie des Endspiels der Nations League (Sonntag, 8. Juni um 20.45 Uhr). Nur für den Fall, dass die Deutschen ihr Halbfinale gegen Portugal verlieren sollten, wären sie am Sonntag, 8. Juni (15 Uhr) in Stuttgart zu Gast. Doch das will unter den heimischen Fußballfans aus sportlicher Sicht niemand.
Aber auch das zweite Halbfinale der Nations League, dass am Donnerstag, 5. Juni (20.45 Uhr) in Stuttgart angepfiffen wird, kann sich mehr als sehen lassen: Schließlich trifft in dieser Partie der Europameister Spanien auf den WM-Zweiten Frankreich – viel mehr geht nicht im weltweiten Fußball. Schließlich bieten beide Nationen angeführt von ihren Topstars Kylian Mbappé (Frankreich) und Lamine Yamal (Spanien) Weltklassespieler en masse auf. So werden die Spielerkader beider Nationen beim Portal „Transfermarkt.de“ jeweils bei rund 1,2 Milliarden Euro gelistet.
Eine besondere Note hat obendrein der Auftritt der Spanier am Neckarufer. Schließlich war es das Team von Trainer Luis de la Fuente, das am 5. Juli 2024 eben in Stuttgart mit dem 2:1-Erfolg nach Verlängerung im EM-Viertelfinale das DFB-Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann aus dem Weg räumte – was für viele Beobachter der entscheidende Schritt zum Europameistertitel der Iberer gewesen ist.
Emotional hoch her ist es auch im Nachklapp dieses EM-Viertelfinales vom 5. Juli 2024 gegangen, was vor allem an der Szene in der 106. Spielminute lag: Hier bekam der Spanier Marc Cucurella den Ball beim Stand von 1:1 nach einem Schuss von Jamal Musiala im eigenen Strafraum eindeutig an die Hand – doch der englische Schiedsrichter Anthony Taylor pfiff nicht, weil der Spieler des FC Chelsea nach seiner Sichtweise „die Körperfläche nicht unnatürlich vergrößert“ habe. Auch der Video Assistant Referee (VAR) reagierte nicht. Mikel Merino köpfte Spanien letztlich in der 119. Spielminute zum 2:1-Sieg.
Letztlich dauerte es bis Ende September, ehe endlich auch die Uefa in Bezug auf die Cucurella-Szene von einer Fehlentscheidung sprach. „Gemäß den neuesten Uefa-Richtlinien sollte ein Hand-Ball-Kontakt, der einen Torschuss verhindert, strenger bestraft werden und in den meisten Fällen ein Elfmeter verhängt werden“, heißt es im Bericht. Und weiter: „In diesem Fall hat der Verteidiger den Torschuss mit seinem Arm gestoppt, der nicht sehr nah am Körper ist, wodurch er sich selbst vergrößert hat, sodass ein Strafstoß hätte verhängt werden müssen.“
Linksverteidiger Cucurella war in der Folge vom deutschen Publikum bei seinen weiteren EM-Auftritten im Halbfinale in München gegen Frankreich sowie im Endspiel in Berlin gegen England vom deutschen Publikum gnadenlos ausgepfiffen worden, was wiederum vielerorts auch bei deutschen Fans für Stirnrunzeln sorgte. „Ich bin nicht schuld an irgendwas“, sagte der Spanier anschließend. Tatsächlich ist es nicht die Aufgabe eines Spielers, sein eigenes Handspiel zu ahnden – sondern die der Schiedsrichter.