Neue Kräfteverhältnisse im VfB-Sturm?

Im Stuttgarter Angriffszentrum findet Deniz Undav seit Wochen nicht zu seiner Topform, während sich neue Optionen auftun.

Könnte das Spiel beleben: El Bilal Touré

© Baumann

Könnte das Spiel beleben: El Bilal Touré

Von David Scheu

Stuttgart - Es besteht Aufarbeitungsbedarf beim VfB Stuttgart. Generell mit Blick auf die nicht zufriedenstellende erste Hälfte bei Holstein Kiel (2:2) – aber auch konkret im Fall einzelner Spieler und Leistungskurven. Wie bei Deniz Undav, der im hohen Norden nicht zum ersten Mal in der jüngeren Vergangenheit kaum Bindung zum Spiel fand und wenige Aktionen verbuchen konnte. „Darüber werden wir diskutieren müssen und die Gründe mit ihm besprechen“, kündigte Fabian Wohlgemuth an. Zwar sei die Trainingswoche gut gewesen, „aber im Spiel wirkt er in den letzten Wochen nicht so überzeugend“, so der Sportvorstand.

Nun hat sich auf Stuttgarter Seite insbesondere im ersten Durchgang im Holstein-Stadion kaum jemand durch Glanztaten hervorgetan. Bei Undav aber sprechen die Zahlen eine besonders deutliche Sprache. Niemand beim VfB gewann weniger Zweikämpfe (einen) und führte insgesamt weniger direkte Duelle mit den Gegenspielern (drei) als der 28-Jährige, kein Spieler auf dem Platz hatte bis zur Halbzeit-Pause weniger Ballkontakte (13). „Er hat sich heute in keine aussichtsreichen Situationen gebracht und auch keine eingeleitet“, resümierte Sportchef Wohlgemuth. Das sah auch der Trainer Sebastian Hoeneß ähnlich – und nahm den Stürmer nach 45 Minuten vom Feld.

An sich hat Hoeneß in den vergangenen Wochen ja oft auf Undav gesetzt, der in den vergangenen fünf Pflichtspielen stets in der Anfangsformation gestanden hatte. Starke Aktionen aber – wie jene, als er bei der TSG Hoffenheim (1:1) den Ball handlungsschnell auf den Torschützen Nick Woltemade durchließ – blieben die Ausnahme. Spitzigkeit und Spielwitz aus der Vorsaison fehlen, ein Tor oder eine Vorlage steuerte der Nationalspieler in den besagten fünf Partien nicht bei.

Nun könnten sich neun Spieltage vor dem Saisonende die Kräfteverhältnisse im Stuttgarter Angriffszentrum verschieben – durch neue Optionen. Strafraumstürmer Ermedin Demirovic hat sich in Kiel mit seinem ersten Tor seit Januar zurückgemeldet und Selbstvertrauen getankt, zudem ist El Bilal Touré nach seiner viermonatigen Verletzungspause wegen eines Mittelfußbruchs wieder zurück. Am Wochenende reichte es zwar nur für einen Sieben-Minuten-Kurzeinsatz – in dem der Malier aber mit seiner ersten Aktion direkt zwei Gegenspieler abhängte und erahnen ließ, dass er das Stuttgarter Angriffsspiel beleben und diesem mit seiner Geschwindigkeit ein zusätzliches Element verleihen kann.

Natürlich kommt El Bilal aus einer langen Verletzung und wird in nächster Zeit eher nicht reihenweise über die volle Distanz auflaufen. Aber: Impulse, auch mal den einen oder anderen Startelf-Einsatz oder zumindest frühere Einwechslungen als in Kiel sind fraglos denkbar im Saisonfinale. „Ich bin sicher“, sagt Wohlgemuth, „dass er uns in der einen oder anderen Phase helfen kann.“ Und auch Sturmkollege Nick Woltemade, zuletzt noch der formstärkste und konstanteste Stuttgarter Angreifer, hebt die Qualitäten von Rückkehrer El Bilal hervor: „Er bringt Tiefe und Athletik mit und kann Tore schießen. Das hilft jeder Mannschaft.“

Stichwort Tore: Hier war der Beitrag der Mittelstürmer beim VfB zuletzt ein überschaubarer. Drei Treffer kamen in den vergangenen sieben Bundesliga-Spielen zusammen, zwei von Woltemade und zuletzt jener von Demirovic in Kiel. Dass hier für internationale Ambitionen und eine erfolgreiche Saison andere Werte nötig sind, liegt auf der Hand, was auch der Blick zurück zur Vorsaison zeigt, als Serhou Guirassy und Deniz Undav zusammen mit 46 Stürmertoren und damit durchschnittlich 1,4 Treffern pro Spiel zu den Erfolgsgaranten zählten.

Von solchen Zahlen ist man im Hier und Jetzt ein großes Stück entfernt, an personellen Optionen aber mangelt es inzwischen immerhin nicht mehr. Mit Demirovic, El Bilal, Undav und Woltemade stehen vier Spieler zur Verfügung, die Hoeneß auf den beiden Positionen im Angriffszentrum aufbieten kann. Als Doppelspitze oder in einer Kombination mit einem Stoßstürmer und einem hängenden Angreifer dahinter. Einiges spricht für wechselnde Formationen, von Spiel zu Spiel oder auch innerhalb einer Partie. Fest steht dabei: Das Quartett wird gefordert sein auf dem Weg zu besseren Ergebnissen, den der VfB einschlagen will. Mit mehr Stürmertoren als zuletzt.

Zum Artikel

Erstellt:
10. März 2025, 22:08 Uhr
Aktualisiert:
11. März 2025, 21:57 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen