Handelskonflikt
Amerikaner protestieren gegen Trump - Musk für Freihandel
Das Börsenbeben nach Trumps Zollankündigung treibt viele Amerikaner auf die Straße. Der Präsident bittet: «Haltet durch!» Doch auch im eigenen Team gibt es jetzt einen prominenten Abweichler.

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Tausende Amerikaner gehen gegen Trumps Politik auf die Straßen.
Von dpa
Washington/Florenz - Massenprotest auf den Straßen, die Wirtschaft in Sorge und offener Dissens im eigenen Team: Donald Trumps Zollpaket hat die USA und die Weltwirtschaft in schwere Turbulenzen gestürzt. Elon Musk, sein prominentester Berater, rückte öffentlich vom US-Präsidenten ab: Er sprach sich für eine Freihandelszone ohne Zölle mit Europa aus. In vielen US-Städten demonstrierten Menschen gegen die Regierung, weil sie um ihre Ersparnisse fürchten und um ihre Demokratie. Vom Präsidenten, der sich zum Golfspielen in Florida verabschiedet hatte, kamen Durchhalteparolen.
"Haltet durch - es wird nicht leicht, aber das Endergebnis wird historisch", schrieb Trump. "Dies ist eine wirtschaftliche Revolution, und wir werden siegen." Während Trumps Zollpaket Anlegervermögen in Milliardenhöhe vernichtete und Handelspartner brüskierte, sprach sich sein einflussreicher Berater Elon Musk für freien Handel mit Europa aus.
Musk für "Null-Zoll-Situation" mit Europa
Er hoffe, dass sich die USA und Europa auf eine noch engere Partnerschaft als bisher einigen könnten, sagte Musk bei einem Parteitag der rechten italienischen Regierungspartei Lega am Samstag in Florenz, zu dem er per Video zugeschaltet wurde. "Und was die Zölle anbelangt, hoffe ich, dass wir uns auf eine Null-Zoll-Situation zubewegen mit einer Freihandelszone zwischen Europa und Nordamerika", sagte Musk laut italienischer Simultanübersetzung.
Der Unternehmer Musk hat eine zentrale Rolle im Trump-Team. Er soll die Staatsausgaben kürzen. Die Politik der neuen US-Regierung lobt der Tech-Milliardär meist überschwänglich - oder prägt sie gleich mit.
Nach Medienberichten steht aber ein Rückzug Musks im Raum. Er wolle sich wieder stärker um seine Unternehmen kümmern, darunter der Autobauer Tesla und das Raumfahrtunternehmen SpaceX. Laut Weißem Haus darf Musk als "besonderer Regierungsbeschäftigter" jedoch ohnehin nur höchstens 130 Tage pro Jahr für die Regierung tätig sein.
Zehn-Prozent-Zoll greift
Infolge des am Mittwoch verkündeten Zollpakets gelten auf Importe aus allen Ländern in die USA nun pauschale Zölle in Höhe von zehn Prozent. Am 9. April will Trump noch höhere Zölle folgen lassen für Länder, mit denen die USA aus seiner Sicht ein besonders großes Handelsdefizit haben. Auf Importe aus EU-Staaten würden demnach Strafabgaben in Höhe von 20 Prozent fällig. Andere Strafabgaben auf Einfuhren in die USA, die bereits zuvor galten, bleiben.
Die USA hätten sich lange ausnutzen lassen, doch damit sei jetzt Schluss, versprach Trump. Jobs, Unternehmen und Geschäfte kämen durch den Schritt zurück in die USA "wie nie zuvor". Doch die Erfolgsaussichten seines radikalen Rundumschlags sind bestenfalls ungewiss.
"Trump ist am Golfen, während die Börse abstürzt"
Mit seinem gewaltigen Zollpaket schickte Trump die Börsen weltweit auf Talfahrt - und radierte damit auch Vermögen von Privatanlegern in Milliardenhöhe quasi über Nacht aus; viele Amerikaner haben an der Börse investiert. Landesweit gab es am Wochenende Proteste gegen Trumps Regierung. Die Veranstalter sprachen von Millionen Teilnehmern bei mehr als 1.300 Kundgebungen, offizielle Zahlen oder Schätzungen gab es nicht.
"Ich habe gestern Geld verloren wegen des Wahnsinns, dem uns dieser Mann aussetzt", schimpfte eine 74 Jahre alte Demonstrantin in Chicago, die vom "Wall Street Journal" zitiert wurde. "Ihm ist nicht klar, dass Rentner in meinem Alter von diesem Geld leben." Auf dem Plakat einer empörten Frau stand: "Trump ist am Golfen, während die Börse abstürzt."
Amerikaner zahlen die Zeche
Ein Importzoll funktioniert ähnlich wie eine Steuer. Die Abgabe muss vom importierenden Unternehmen gezahlt werden - in diesem Fall also von Firmen in den USA. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass die importierenden Firmen die höheren Kosten nicht einfach selbst tragen, sondern an die Verbraucher weitergeben - und die so steigenden Preise die Inflation wieder anheizen.
Erste Unternehmen überprüfen ihre Lieferstrategie in die USA. Nintendo verschiebt Vorbestellungen für die Spielekonsole Switch 2. Spekuliert wird über Preiserhöhungen. Der britische Autobauer Jaguar Land Rover verkündete für April eine Lieferpause. Beide Unternehmen wollen erst die neuen Marktbedingungen besprechen.
Folgenschwerer Rundumschlag: Rezession und Handelskrieg?
Ökonomen warnen vor einer aufziehenden Rezession in den USA und betrachten Trumps Zollpolitik eher als strategisches Eigentor, das letztlich auch den Vereinigten Staaten schaden wird. Auch der Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, erwartet eine höhere Inflation und langsameres Wachstum für die USA. Ein globaler Handelskonflikt könnte zudem die gesamte Weltwirtschaft in eine tiefe Krise stürzen. China hat schon mit Gegenzöllen reagiert. Die EU zeigte sich zu drastischen Gegenmaßnahmen bereit. Am Montag treffen sich die Handelsminister der Gemeinschaft in Luxemburg.

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Mit Durchhalteparolen versucht Präsident Trump empörte Landsleute zu besänftigen. (Archivbild)

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Tech-Milliardär Musk hofft auf eine transatlantische Freihandelszone. (Archivbild)

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Im ganzen Land zogen Demonstranten gegen Trumps Regierung auf die Straße.