Razzia in Tübingen
Rund 300 Arbeitskräfte eingeschleust – Paar aus Bett heraus festgenommen
Die Beamten kamen durch die Terrassentür: Ein Unternehmer-Paar soll Arbeiter aus der Türkei eingeschleust und auf Baustellen illegal beschäftigt haben. Bei einer Razzia klickten nun die Handschellen.

© dpa/Bernd Weißbrod
Die Polizei hat ein Ehepaar festgenommen (Symbolbild).
Von red/dpa/lsw
Im Kampf gegen Schwarzarbeit haben Zoll und Polizei die Wohn- und Geschäftsräume eines Bauunternehmens in Tübingen durchsucht. Ein Unternehmer-Ehepaar steht im Verdacht, über einen längeren Zeitraum rund 300 Arbeitskräfte aus der Türkei eingeschleust zu haben, wie das Hautzollamt Ulm mitteilte. Durch die nicht gezahlten Sozialbeiträge soll ein Schaden in Höhe von mindestens 2,5 Millionen Euro entstanden sein.
Das Ehepaar sei morgens um 6 Uhr direkt aus dem Bett heraus festgenommen worden, sagte ein Sprecher. Die Ermittler seien direkt durch die Terrassentür gekommen.
Über eine Scheinfirma in der Türkei seien die vermeintlichen Verträge mit den Bauarbeitern geschlossen worden. Auch ein Bekannter des Paares aus der Türkei soll beteiligt gewesen sein, auch ihn habe die Polizei festgenommen, erklärte der Sprecher. Das Anwesen des Ehepaars sei von Bargeldspürhunden durchsucht worden. 70.000 Euro und Gold seien gesichert worden. Auch Handys hätten die Beamten beschlagnahmt. Mehr als 200 Kräfte seien im Einsatz gewesen. Das Paar habe in ganz Deutschland Baustellen betrieben. Durchsuchungen habe es auch in Niedersachsen gegeben.
Gegen das Paar werde seit eineinhalb Jahren ermittelt. Es sei bereits vor ein paar Jahren wegen kleinerer Vergehen aufgefallen und nun wieder ins Visier der Ermittler geraten. Vorgeworfen wird den beiden unter anderem illegale Beschäftigung und Einschleusung von Ausländern.