Schlaglichter eines rauschenden Abends

Dank des Siegs gegen RB Leipzig steht der VfB Stuttgart zum siebten Mal im Pokalfinale – ein Blick auf sieben besondere Fakten dazu.

Von Dirk Preiß, David Scheu

Stuttgart - Der VfB Stuttgart hat dank der Tore von Angelo Stiller, Nick Woltemade und Jamie Leweling mit einem 3:1-Heimsieg im Halbfinale gegen RB Leipzig das Endspiel im DFB-Pokal erreicht. Am 24. Mai geht es – bei der siebten Finalteilnahme der Vereinsgeschichte – im Berliner Olympiastadion gegen den Drittligisten Arminia Bielefeld um den ersten Pokalsieg seit 28 Jahren.

1 Angelo Stiller macht’s wie einst Hitz the Hammer im Mai 2007

Dieser Hammer wird in Erinnerung bleiben. Den Fans des VfB im Allgemeinen und Angelo Stiller im Besonderen. Schon nach fünf Minuten nahm sich der Mittelfeldspieler nach einem Eckball an der Strafraumkante ein Herz – und traf volley zur 1:0-Führung. Der Treffer öffnete das Tor zum Finale. Und nach dem 3:1-Erfolg gegen RB Leipzig meinte Stiller: „No risk, no fun. Der Schuss kann natürlich auch über das Stadion gehen.“

Doch es war ein Volltreffer. Mit rechts, Stillers schwächerem Fuß – und sogleich wurden Vergleiche gezogen mit einem ebenfalls fulminanten Direktschuss nach einem Eckball. Damals zog Thomas Hitzlsperger („Hitz the Hammer“) ab, am 19. Mai 2007 gegen Energie Cottbus. Das Ding mit links gilt beim VfB als Meisterschuss, da er im letzten Saisonspiel die Wende einleitete und am Ende nach einem Sieg der überraschende Meistertitel gefeiert wurde.

Knapp 18 Jahre ist das her – und seit Hitzlsperger hat im Stuttgarter Stadion niemand mehr so schön aus ähnlicher Position getroffen, bis Stiller im Pokalhalbfinale kam. „Kann man so machen“, schickte Hitzlsperger direkt über den sozialen Kanal X Grüße an seine alte Wirkungsstätte, wo er als Spieler, Manager und Vorstandschef tätig war.

2 Fabian Wohlgemuth bekommt zum Geburtstag den Finaleinzug geschenkt

Womöglich hätte er sich auch über ein Paar Socken gefreut. Oder über eine gute Flasche Wein. Aber das, was Fabian Wohlgemuth dann am Mittwochabend zu seinem Geburtstag bekommen hat, war doch noch ein bisschen besser als Fußmode oder edle Getränke. Die Mannschaft des VfB Stuttgart beschenkte ihren Sportvorstand zu dessen 46. Geburtstag mit dem 3:1-Erfolg gegen RB Leipzig und dem Einzug ins Endspiel um den DFB-Pokal. Und weil Wohlgemuth darüber besonders glücklich war, wertete er den eigenen Ehrentag am späten Mittwochabend nur noch als „Randnotiz“.

Als „Brustlöser nach den schwierigen vergangenen Wochen, in denen wir viel einstecken mussten“ empfand der Sportvorstand des VfB diesen Erfolg gegen „starke“ Leipziger und freute sich über „eine grandiose Willensleistung“. Diese soll den VfB nun auch durch den Rest der Bundesligasaison tragen – ehe dann am 24. Mai der nächste Feiertag ansteht. In Berlin, Wohlgemuths Geburtsstadt, ist es dann „das klare Ziel, das Finale zu gewinnen, wir wollen den Titel holen“. Danach könnte man im Stuttgarter Lager wieder feiern. Allerdings: Lediglich den Pokalsieg, Geburtstag hat an jenem Tag im Mai nämlich keiner aus dem VfB-Team.

3 Keine Party für die Mannschaft – weil der Blick bereits Richtung Bochum geht

Es gab zwar kein offizielles Feierverbot, die Spieler des VfB hielten sich beim Bejubeln des Halbfinalsiegs gegen RB Leipzig aber aus freien Stücken zurück. „Wir spielen am Samstag in Bochum und wollen drei Punkte holen“, sagte Stürmer Nick Woltemade, „da brauchen wir die Kraft.“

In der Kabine hatte es ein Bier gegeben, danach strömten die meisten Spieler nicht etwa in die Stuttgarter City, sondern zu ihren Familien und Freunden in den Businessbereich des Stadions. Zum Vergleich: Bei Drittligist Arminia Bielefeld war am Dienstagabend nach dessen Sensationssieg über Bayer Leverkusen noch die große Partynacht ausgerufen worden.

4 Maximilian Mittelstädts emotionales Finale in der Heimatstadt Berlin

Mit Abpfiff brachen die Emotionen aus Maximilian Mittelstädt heraus. Völlig aufgelöst kniete der Linksverteidiger des VfB auf dem Rasen, konnte seine Freudentränen kaum zurückhalten, hatte das Trikot weit über das Gesicht gezogen. Zum einen, klar, war und ist der Einzug ins Finale des DFB-Pokals eine besondere Sache, die man in einer Profikarriere nicht täglich erlebt. Für Mittelstädt aber ist das Ganze noch ein Stück spezieller: Die große Finalbühne im Berliner Olympiastadion ist für ihn nichts weniger als ein Stück Heimat.

Fast sein gesamtes Leben verbrachte der gebürtige Berliner in der Hauptstadt und spielte bis zu seinem Wechsel zum VfB 2023 jahrelang für Hertha BSC. Erst in der Jugend, dann bei den Profis. Der Traum vom Endspiel im eigenen Wohnzimmer blieb dabei stets unerfüllt. „Der Ort hat eine besondere Bedeutung für mich“, betonte Mittelstädt bereits vor dem Halbfinale gegen RB Leipzig im Stadionmagazin des VfB. Schon als kleiner Junge sei er oft im Stadion gewesen, er habe viele Erinnerungen an das Olympiastadion. Mittelstädt ist übrigens nicht der einzige gebürtige Berliner beim VfB. Neben dem Linksverteidiger und dem Sportvorstand Fabian Wohlgemuth hat auch Torhüter Fabian Bredlow Wurzeln in der Hauptstadt.

5 Der VfB trifft im Endspiel wie 1997 auf einen Drittligisten – und ist gewarnt

Gegner am 24. Mai in Berlin ist Arminia Bielefeld. Wie 1997, als der VfB zum bislang letzten Mal den Pokal gewonnen hat, also ein Drittligist. Damals siegten die Stuttgarter um den zweifachen Torschützen Giovane Elber 2:0 gegen Energie Cottbus. Ist diesmal der Pokalsieg gegen den Außenseiter von der Alm also schon ausgemachte Sache? „Von Außen wird es sicher so dargestellt werden, dass wir das Spiel gewinnen müssen“, ahnte schon am Mittwoch Nick Woltemade, dass die Bürde des Favoriten klar beim VfB-Team liegen wird. Aber der Stürmer, der gegen RB in der 57. Minute das 2:0 erzielt hatte, sprach auch eine deutliche Warnung aus. „Da wartet eine sehr gute Mannschaft auf uns“, sagte er, „die Jungs können kicken, haben einen spielerischen Ansatz.“ Und somit vier Bundesligisten rausgekegelt.

Natürlich hatte sich Woltemade den Sieg der Arminia am Dienstag gegen Bayer Leverkusen (2:1) im TV angeschaut, aber allein darauf basierte seine Einschätzung nicht. Denn er hat eigene Erfahrungswerte. In der Saison 2022/2023 war der Angreifer von Werder Bremen an die SV Elversberg ausgeliehen gewesen, nun sagte er: „Ich kenne die meisten Jungs der Bielefelder aus der dritten Liga.“ Der Arminia-Coach Mitch Kniat trainierte damals den SC Verl – auch dessen fußballerischer Ansatz ist für Woltemade also kein Geheimnis. Er weiß: Auch in den Pokalduellen dieser Saison „sind sie nicht nur über den Kampf gekommen“.

6 Wer hat eigentlich schon Endspiel-Erfahrung von den Stuttgarter Spielern?

Das Pokal-Endspiel in Berlin wird für den VfB eine besondere Erfahrung – und für viele Akteure eine neue. Die allermeisten Spieler aus der Stuttgarter Mannschaft kennen den Finalabend im Olympiastadion bislang bestenfalls aus einer passiven Perspektive, auch der Trainer zählt dazu. „Ich war oft beim Pokalfinale als Zuschauer und war jedes Mal begeistert von der Atmosphäre“, sagte Sebastian Hoeneß. Mit der Teilnahme erfülle sich nun für ihn ein kleiner Traum.

Völlig ohne Final-Erfahrung aber geht der VfB nicht ins Endspiel gegen Arminia Bielefeld. Vor drei Jahren standen in Person von Stürmer Ermedin Demirovic und Mittelfeldspieler Yannik Keitel gleich zwei heutige Stuttgarter Profis mit dem SC Freiburg im Endspiel. Mit höchst unterschiedlichen Rollen: Während Keitel aufgrund eines Zehenbruchs nicht mitwirken konnte und vor Ort moralische Unterstützung leistete, erlebte Demirovic einen bitteren Abend mit viel Aluminium-Pech: Erst köpfte er in der Verlängerung an den Pfosten, dann traf er im Elfmeterschießen beim letzten Schuss nur die Latte. RB Leipzig bejubelte den Titel, Demirovic war untröstlich.

7 Das Traumfinale von VfB-Legende Günther Schäfer gegen die Arminia

Er verließ die Arena im Grunde wie immer. Den Rucksack auf dem Rücken, grüßte VfB-Teambetreuer Günther Schäfer nett und verabschiedete sich vom Sicherheitspersonal. Dabei schwang ein besonderes Glücksgefühl mit. „Für mich ist das ein Traumfinale“, sagte der Stuttgarter Meisterspieler von 1984 und 1992 mit Blick auf das Duell mit seinem Ex-Club Arminia Bielefeld – und betonte: „Mein Herz schlägt für den VfB Stuttgart. Die meiste Zeit meiner Karriere habe ich für diesen Club gespielt.“ Genauer gesagt: von 1975 bis 1996. Aber: Schäfer hat auch zwei Jahre lang für Arminia Bielefeld gekickt (1996 bis 1998) – und dort derart Eindruck hinterlassen, dass ihn die Fans einst in die Jahrhundert-Elf gewählt haben. Dieser gehört er auch beim VfB an. „Dass man gleich in zwei solcher Mannschaften steht, ist nicht alltäglich“, sagte der 62-Jährige nun ganz bescheiden. Weil es aber so ist, darf sich der frühere Abwehrspieler am 24. Mai auf ein ganz besonderes Pokal-Endspiel freuen: „Wir haben eine super Truppe, wir holen den Pokal.“

Zum Artikel

Erstellt:
3. April 2025, 22:04 Uhr
Aktualisiert:
3. April 2025, 23:59 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!