Sinti und Roma wollen öffentlich erinnern

Am Montag findet im Rahmen des Roma-Tag-Festivals des Theaters am Olgaeck eine Kundgebung statt: Vor dem Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Karlsplatz wird ein Kranz niedergelegt.

Eine Filmbiografie über Django Reinhardt wird beim Roma-Festival in Stuttgart zu sehen sein.

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Eine Filmbiografie über Django Reinhardt wird beim Roma-Festival in Stuttgart zu sehen sein.

Von Armin Friedl

Stuttgart - Viele Mythen und mindestens genauso viele Vorurteile gibt es, was sowohl die Herkunft der Sinti und Roma betrifft wie auch deren aktuelle Zugehörigkeit. Deren Geschichte ist ja durchaus auch kompliziert, unabhängig von den politischen und gesellschaftlichen Vorgängen haben sie parallel dazu auch hier in Mitteleuropa ihre eigene Geschichte entwickelt und gepflegt, oft auch aus schlechten Erfahrungen heraus.

Dabei haben sie durchaus ein Stück Heimat, und die ist sogar mitten in Stuttgart: am Olgaeck im Theater am Olgaeck. Denn seit sieben Jahren gibt es dort jedes Jahr das Roma-Tag-Festival. Die Theaterleiterin Nelly Eichhorn hat ein gutes Gespür dafür, wie sich Menschen aus anderen Ländern hier wohlfühlen, insbesondere Künstler aus den verschiedensten Kulturen. Und sie bietet mit ihrer Bühne den passenden Rahmen dafür, dass hier auch Musiker, Tänzer und Schauspieler auftreten, die sonst viel mehr Publikum gewohnt sind bei ihren Auftritten. Nach Stuttgart aber kommen sie, weil sie hier eine künstlerische Heimat gefunden haben. Das gilt auch für das aktuelle Roma-Tag-Festival. Einige Konzerte haben bereits stattgefunden, doch am Montag, 7. April, findet um 18.45 Uhr auf dem Karlsplatz am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus eine öffentliche Kundgebung und Gedenkveranstaltung statt. „Es ist wichtig, dass die Künstler im Theater zeigen, was sie können“, sagt Eichhorn, „genauso wichtig ist es aber auch, rauszugehen in die Öffentlichkeit und dort Präsenz zu zeigen.“

Erinnert wird an die halbe Million Sinti und Roma, die Opfer des Holocausts wurden. Dazu wird ein Kranz niedergelegt und an die Geschichte erinnert. Organisiert wird das mit Unterstützung der Anstifter und dem Verein Interculturelle Initiativen. Die Veranstaltung ist auch ein Appell an die Verbesserung der aktuellen Situation der Sinti und Roma.

Eichhorn hat Gespräche mit jenen Sinti und Roma geführt, die heute viel Zeit vor allem in den Fußgängerzonen verbringen. Sie kennt genauso auch viele von jenen, die sich längst hierzulande integriert haben und sich nicht mehr unterscheiden von den Menschen in Geschäfts- oder Freizeitkleidung. Es sind Feinheiten, welche den Unterschied ausmachen, die man freilich erst bei näherem Kennen beobachtet. So haben Roma etwa für ihre eigene Sprache kein einheitliches Schriftbild, was daher kommt, dass sie aus den verschiedensten Kulturen kommen. Eine eigene Sprache kultivieren, gar ein eigenes Schriftbild zu pflegen, ist da ein schwieriges Unterfangen. Eichhorn weiß darum: „Der Handschlag zählt. Es gibt deshalb mit keinem Künstler hier einen schriftlichen Vertrag.“ Dafür begegnet man ihr mit Unverständnis: „Ich weiß, das ist ungewöhnlich. Aber bisher haben auch in der Vergangenheit alle Künstler ihre Zusagen zu hundert Prozent eingehalten“, sagt Eichhorn.

Der zweite Teil des Festivals gehört bis zum 26. April vor allem Filmen. Etwa „Gipsy Queen“ (10. April, 19.30 Uhr), die Geschichte einer einst berühmten Boxerin in Osteuropa, die sich jetzt als alleinerziehende Mutter in Hamburg behaupten muss. „Nadeshda“ (22. April, 19.30 Uhr) erzählt vom Leben in einem Roma-Ghetto in Bulgarien, „Papusza“ (23. April, 19.30 Uhr) beschreibt das wahre Leben einer Poetin der polnischen Roma. „Cobra Gypsies“ (26. April, 19.30 Uhr) beschreibt das Leben der Nomadenstämme in Nordindien.

„Django“ (13. April, 18.30 Uhr) ist ein Musikfilm über den legendären Jazzer Django Reinhardt. Und Theater gibt es auch noch: In dem Stück „Vom Boxring ins KZ“ (9. April, 19 Uhr) begeben sich Schüler des Stuttgarter Wilhelms-Gymnasiums auf Spurensuche nach dem Leben des Boxers Rukeli Trollmann. Das Theaterstück von Silke Stürmer thematisiert die bis heute aktuelle antiziganistische Verfolgung und Diskriminierung der Sinti und Roma.

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Erstellt:
3. April 2025, 22:10 Uhr
Aktualisiert:
3. April 2025, 23:57 Uhr

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