TVB Stuttgart beim 1. VfL Potsdam
So sieht Jens Bürkle seine Rolle und die Abstiegsgefahr für den TVB
Jens Bürkle hätte beim 1. VfL Potsdam Cheftrainer werden können. Doch er entschied sich für eine Rückkehr zum TVB Stuttgart. Wie schätzt er die Lage im Kampf gegen den Abstieg vor dem Duell am Donnerstag ein?

© Baumann
Jens Bürkle (li.) und Jürgen Schweikardt (re.) bilden bis zum Saisonende ein Trainerduo beim TVB Stuttgart.
Von Jürgen Frey
Jens Bürkle hatte einige Optionen nach der Trennung vom HBW Balingen-Weilstetten im April 2024. Es gab Angebote aus dem In- und Ausland und auch eines von Bob Hanning, der ihn als Chefcoach zum Bundesliga-Aufsteiger 1. VfL Potsdam lotsen wollte. Der 44-jährige entschied sich aber für eine Rückkehr in seine Heimat. Aus familiären und persönlichen Gründen schloss er sich dem TVB Stuttgart an. Mit dem Tabellen-15. (10:32 Punkte) gastiert Bürkle nun an diesem Donnerstag (19 Uhr/MBS Arena) beim 1. VfL Potsdam, dem abgeschlagenen, mit 0:38 Zählern noch immer punktlosen Schlusslicht.
Kein Selbstläufer, aber absolutes Muss-Spiel
In seinem letzten Heimspiel war das von Emir Kurtagic trainierte Team aus der Hauptstadt Brandenburgs ganz nah dran am ersten Erfolgserlebnis – 21:22 gegen den TBV Lemgo Lippe. Das zeigt, dass die Aufgabe kein Selbstläufer wird, ändert aber wiederum nichts daran, dass es in die Kategorie absolutes Muss-Spiel für den TVB fällt. „Uns würden wichtige Punkte fehlen, wenn wir dieses Spiel nicht ziehen“, sagt auch Bürkle.
Schon bei seinem Einstieg beim TVB hatte er prophezeit, dass es bis zum Schluss ein schwieriges Jahr wird. Nach zuletzt vier Rückrunden-Niederlagen und erst recht nach dem jüngsten Lebenszeichen des Tabellen-Vorletzten HC Erlangen (6:34 Punkte) mit dem 33:33 gegen den Tabellendritten TSV Hannover-Burgdorf fühlt er sich darin bestätigt. „Wir haben aber genügend Qualität, um sowohl in Potsdam zu gewinnen, als auch danach, alles selbst zu klären – ohne auf die anderen Clubs schauen zu müssen“, sagt Bürkle.
Hoffnung bei beiden Spielmachern
Was ihm kurzfristig Hoffnung macht, sind die besseren personellen Aussichten. Die beiden Spielmacher Max Häfner (muskuläre Probleme) und Torben Matzken (Bänderverletzung im Sprunggelenk) dürften in dem wichtigen Auswärtsspiel am Donnerstag wieder am Ball sein. Auch Rückraum-Allrounder Ante Ivankovic stieg nach seinen Patellasehnen-Problemen Anfang der Woche ins Mannschaftstraining ein.
Die genauen Details, den Matchplan, wird Bürkle wie immer mit Jürgen Schweikardt diskutieren. Beide sind unterschiedliche Typen, haben von Natur aus eine unterschiedliche Herangehensweise, beide bekamen im Laufe ihrer Karrieren unterschiedlichen Input. Das ergänzt sich gut, beide profitieren gegenseitig voneinander und teilen sich die Trainingsarbeit. „Jürgen ist eher für den Angriff zuständig, ich eher für die Abwehr“, sagt Bürkle. Sprachrohr nach außen ist Schweikardt, der Trainer und Geschäftsführer in Personalunion.
Wunsch von Jürgen Schweikardt
Zur Erinnerung: Dass Bürkle überhaupt wieder im Trainergeschäft auftauchte, lag an der Trennung von Michael Schweikardt im vergangenen November. Eigentlich war der ehemalige Kreisläufer mit seiner bewusst gewählten Rolle als Jugendkoordinator und Mitglied der Sportlichen Leitung rundum glücklich, doch den Wunsch von Jürgen Schweikardt, ihn bis zum Saisonende zumindest zu unterstützen, wollte er nicht ausschlagen. „Es geht um den Verein, da gilt es vielleicht auch, eigene Befindlichkeiten hinten anzustellen“, sagt Bürkle.
Wobei das mit den eigenen Befindlichkeiten in seinem Fall verständlicherweise seine Grenzen hat. Denn die Rolle als Interims-Chefcoach, die ihm Schweikardt am liebsten übertragen hätte, kam nicht in Frage. Dies schloss Bürkle nach zwei Eingriffen am Herzen aus gesundheitlichen Gründen aus. Der Ehemann und Vater eines achtjährigen Sohnes muss auf sich achten, deshalb ist er auch froh, wenn er sich – trotz des ärztlichen Okays – am Saisonende wieder komplett auf seine eigentliche Aufgabe konzentrieren kann.
Vorbild MT Melsungen
Mit dem neuen Trainerduo Misha Kaufmann/Danijel Grgic wird er dann weiterhin eng zusammenarbeiten. Zumal Grgic nicht nur Co-Trainer der ersten Mannschaft sein wird, sondern auch die U19 übernehmen soll. „Diese Verzahnung ist uns sehr wichtig“, betont Bürkle, der mit dazu beitragen möchte, den TVB mittelfristig in die obere Tabellenhälfte zu bringen. „Manchmal wächst Gras aber nicht schneller, wenn man dran zieht“, sagt er und nennt ein Beispiel aus der Branche: „Auch bei der MT Melsungen war es ein langer Prozess, bis der Club oben angekommen ist.“
Rückrunde
Bundesliga VfL Gummersbach – TVB 36:29, TVB – TSV Hannover-Burgdorf 27:35, MT Melsungen – TVB 35:29, TVB – TBV Lemgo Lippe 23:26, 1. VfL Potsdam – TVB (6. März, 19 Uhr), TVB – ThSV Eisenach (23. März, 15 Uhr), HSG Wetzlar – TVB (4. April, 19 Uhr), SC Magdeburg – TVB (16. April, 20 Uhr), SG Flensburg-Handewitt – TVB (26. April, 20 Uhr), TVB – THW Kiel (4. Mai, 16.30 Uhr), HSV Hamburg – TVB (15. Mai, 19 Uhr), TVB – HC Erlangen (18. Mai, 18 Uhr), TVB – SG BBM (24. Mai, 19 Uhr), Rhein-Neckar Löwen – TVB (29. Mai, 19 Uhr), TVB – Füchse Berlin (1. Juni, 16.30 Uhr), Frisch Auf Göppingen – TVB (5. Juni, 19 Uhr), TVB – SC DHfK Leipzig (8. Juni, 15 Uhr). (jüf)