So soll Stuttgart leiser werden

Mehr als jeder zehnte Stuttgarter wohnt so laut, dass es der Gesundheit schadet. Die Stadt will das ändern. Doch um unter die kritischen Werte zu kommen, bräuchte es mehr.

Von Judith A. Sägesser

Stuttgart - An vielen Stellen in Stuttgart ist es viel zu laut. Lärmmessungen sagen: Jeder Zehnte ist einem Lärmpegel ausgesetzt, der krank machen kann. Tagsüber liegt der Grenzwert bei 65 Dezibel (dB), nachts bei 55 dB. In Stuttgart wird er an vielen Orten überschritten. Hier steigt die Gefahr für Herz-Kreislauf-Beschwerden. Bis Juli muss die Stadt einen Plan vorlegen, was sie dagegen zu tun gedenkt. Wir erläutern die Vorschläge, die auf dem Tisch liegen, und wie man sich dazu äußern kann.

Die Situation in Stuttgart

Mehr als jeder Zehnte in Stuttgart weiß, was Lärm bedeutet. Messungen zufolge sind tagsüber 71 000 und nachts 76 000 Menschen einem zu hohen Pegel durch den Straßenverkehr ausgesetzt. Dieser ist damit die Hauptursache dafür, dass die Grenzwerte in Stuttgart an einigen Stellen deutlich gerissen werden, beispielsweise an der Heilbronner Straße, der Hohenheimer Straße oder der Charlottenstraße.

Der Lärm, der von Stadtbahnen in Stuttgart ausgeht, betrifft demnach tags 8000 Menschen und 13 000 in der Nacht. Bei der Eisenbahn sind es tags 5000 und nachts 9000 Leute.

Nachts Tempo 30

Um den Geräuschpegel möglichst rasch zu senken, möchte die Verwaltung Tempo 30 in der Nacht ausweiten. In den Hauptverkehrsstraßen in Hedelfingen, Möhringen und Zuffenhausen sei dies bereits in der Umsetzung. Für die Hauptverkehrsstraßen in Feuerbach, Obertürkheim, Untertürkheim und Vaihingen laufen Gutachten, die Ergebnisse werden 2025 erwartet.

Gerade begonnen habe laut Stadt eine Gutachtenerstellung für die Hauptverkehrsstraßen in Degerloch (mit Sonnenberg), Sillenbuch, Stammheim und Weilimdorf.

Schallschutz und Schienenschmiere

Wer sich mit Schallschutzfenstern ausstatten will und kann, soll künftig einen Zuschuss dafür bekommen. Die Stadtverwaltung kündigt an, im Sommer einen Vorschlag für ein Förderprogramm zu machen.

Um den Stadtbahnlärm zu dimmen, sollen zudem beispielsweise die Schienen öfters geschmiert werden und Gleise in tiefer liegende Grasebenen eingebaut werden.

Ruhige Gebiete

Was die Stadt mit den ruhigen Gebieten vorhat, klingt spannend, weil neu. Demnach sollen gewisse Gebiete als „ruhige Gebiete“ ausgewiesen werden. Welche das sind, steht derzeit noch nicht fest. Man könnte das Ziel auch so deuten: Dort zumindest soll es ruhig bleiben. Das habe dann auch Auswirkungen darauf, was in der Gegend künftig gestattet ist und was nicht. Ein ruhiges Gebiet lasse sich aber auch wieder aufheben, erläuterte Thomas Schene vom Amt für Umweltschutz unlängst im Ausschuss für Klima und Umwelt.

„Diese Gebiete sind oft durch eine geringe Lärmbelastung und eine hohe Lebensqualität gekennzeichnet und dienen der Erholung der Bevölkerung“, heißt es in dem Entwurf des Lärmaktionsplans. Lärmgrenzwerte seien allerdings vom Bundesgesetzgeber nicht definiert.

Wie es weitergeht

Der Beschluss, den seit 2009 bestehenden Lärmaktionsplan nun fortzuschreiben, legitimiert nicht gleichzeitig die vorgeschlagenen Maßnahmen. Diese werden laut Stadt gesondert erläutert und beschlossen. Bis zum 10. Juli muss die Meldung beim Umweltbundesamt ergehen. Der Gemeinderat entscheidet voraussichtlich am 3. Juli.

Die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegen bei maximal 55 dB tags und 45 dB nachts. Dies „kann mit den Mitteln, die der Lärmminderungsplanung aktuell zur Verfügungen stehen, nicht erreicht werden“, erklärte die Stadt in Person von Thomas Schene im Ausschuss. Dafür sei „eine deutlich geänderte Mobilität als heute notwendig“.

Meinung äußern

Die Stadt hatte bereits 2024 vier Veranstaltungen für die Öffentlichkeit gemacht. Nun können sich die Stuttgarterinnen und Stuttgarter einbringen. Der Lärmaktionsplan liegt zwischen dem 7. April und 7. Mai in Papierform im Amt für Umweltschutz (Gaisburgstraße 4, Zimmer 16) aus. Online findet sich die Fortschreibung auf der städtischen Homepage sowie jener der Stadtklimatologie www.stadtklima-stuttgart.de.

Zum Artikel

Erstellt:
4. April 2025, 22:10 Uhr
Aktualisiert:
4. April 2025, 23:57 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen