Stuttgarter Liederhalle
Sozialkritik und Liebeslieder – so war es bei Helge Schneider
Helge Schneider hat in der Stuttgarter Liederhalle die „singende Herrentorte“ gegeben und sein Publikum mit Anekdoten über den Papst und Frank Sinatra überrascht.

© Lichtgut/Christoph Schmidt
Helge Schneider (links) zeigt sich in Stuttgart gut gelaunt.
Von Thomas Morawitzky
Das zweite Lied, das Helge Schneider in der Liederhalle singt, am Mittwochabend, erzählt von einem älteren Herrn, der per Annonce nach einer Frau sucht. Ein bisschen gebrechlich ist er schon, der Herr, und schön wäre es, wenn sie für ihn kochen würde: „Du sollst die Frau meiner Träume sein!“, singt Helge, so weich, mit viel Gefühl. Liebeslieder und Sozialkritik kündigt er an für diesen Abend, und als er das Publikum dazu gebracht hat, fröhlich in die Hände zu klatschen und zu singen: „Politiker sind doof, überall auf der Welt“, ist eines dieser Themen schon erledigt. Helge ist, ganz offenkundig, in hochromantischer Stimmung. Mit einer Träne im Knopfloch wird er zuletzt von der Bühne gehen. Er trägt auch einen hellblauen Anzug, der ihm jugendliche Frische verleiht, und, man sollte es nicht glauben, er hat sich rasiert.
Seit mehr als 35 Jahren ist Helge Schneider die „singende Herrentorte“. Bald wird er 70 Jahre alt sein. Tags zuvor war er in München und weiß nichts Gutes über diese Stadt zu sagen, tags darauf wird er in Freiburg sein, ihm graust – aber Stuttgart liebt er: „Hier tut sich etwas, baustellenmäßig!“
Helge Schneider hat mit dem Papst telefoniert und glaubt nicht, dass der noch einmal auf die Beine kommt. Er hält den Kardinal, der jeden Tag an Papstes Seite sitzt und ihm aus der „Praline“ vorliest, für einen Erbschleicher. Helge erinnert sich daran, wie er 1994 in Köln auf Frank Sinatra traf. Sinatras Frau wollte ihnen ein Essen zubereiten, Spiegeleier auf Toast, aber daraus wurde nichts. Da sagte Sinatra zu Schneider: „Komm, wir gehen Pommes essen.“
Helge Schneider spielt Klavier und Saxofon
In Stuttgart wird Helge Schneider begleitet von Sandro Giampetro an der Gitarre, Willy Ketzer am Schlagzeug mit Solo und fliegendem Stock, Reinhard Glöder am Bass – ein Trio, das versunken in seine Instrumente auf der Bühne lagert. Jedermann würde zuletzt wetten, dass sich die Spitze von Reinhard Glöders sehr steilem Cowboyhut um keine fünf Zentimeter bewegte, währen des ganzen Abends. Nur seine Finger rührten die Saiten an auf wunderbare Weise.
Und Helge Schneider spielt das Klavier, das Saxofon, so komisch, so gekonnt, zupft meisterhaft lapidar an der akustischen Gitarre, singt: „Komm zurück zu mir!“ Er spielt den Wüstenblues mit langsamer Gitarre oder setzt seinem Publikum mit der Orgel einen Wurm ins Ohr. „Da könnt man stundenlang zuhören, nee“, sagt er selbst, „aber es geht weiter, das Leben.“

© Lichtgut/Christoph Schmidt
Weitere Impressionen aus der Stuttgarter Liederhalle mit Helge Schneider und seiner Band.

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