Filmemacher Duc-Thi Bui

Stuttgarter gewinnt Deutschen Drehbuchpreis

Der renommierte Deutsche Drehbuchpreis, der während der Berlinale verliehen wird, ging in diesem Jahr an die beiden Filmschaffenden Duc-Thi Bui und Duc Ngo Ngoc. Ihr Drehbuch ist remote zwischen Stuttgart und Berlin entstanden.

Duc Ngo Ngoc (links) und Duc-Thi Bui erzählen in ihrem Drehbuch die Geschichte einer unerwarteten Freundschaft.

© BKM / Chiara Lang

Duc Ngo Ngoc (links) und Duc-Thi Bui erzählen in ihrem Drehbuch die Geschichte einer unerwarteten Freundschaft.

Von Ina Schäfer

Zwei Männer mit vietnamesischen Wurzeln treffen sich bei einer Mitfahrgelegenheit. Jurastudent Nam nimmt den illegal eingereisten Viet mit. Aus einer Zufallsbekanntschaft wird eine unerwartete Freundschaft – die Jurastudent Nam schließlich in ein moralisches Dilemma bringt. Für ihre gemeinsam erarbeitete Geschichte haben der Stuttgarter Filmemacher Duc-Thi Bui und sein Berliner Kollege Duc Ngo Ngoc am ersten Freitag der Berlinale den Deutschen Drehbuchpreis verliehen bekommen, die höchstdotierte und renommierteste Auszeichnung für Drehbuchautorinnen und -autoren in Deutschland.

„’Ha-Neu/Berlin‘ von Duc-Thi Bui und Duc Ngo Ngoc kommt leicht und humorvoll daher, als eine wunderbar lebenssatte und authentische Komödie“, heißt es in der Jurybegründung. „Doch Filme, genauso wie das Leben, werden vom Ende her gelesen. Und da lauert ein Abgrund, der der Erzählung ihre schmerzhafte Tiefe verleiht und die Jury restlos für dieses Drama eingenommen hat.“

Mit einem Drehbuch, das zu achtzig Prozent aus vietnamesischen Dialogen besteht, den Deutschen Drehbuchpreis zu gewinnen, sei ein gutes Signal, sagt Duc-Thi Bui. Was kulturelle Vielfalt angeht, finde ein Wandel in der Filmbranche statt, so der Filmemacher: „Wir bekommen die Möglichkeit in die Hand, dass nicht über uns erzählt wird, sondern, dass wir unsere Geschichten selbst erzählen. Nur so können Narrative verändert werden und nur so wird es aufhören, dass Stereotypen reproduziert werden.“ Der Blick von außen beinhalte Elemente wie Illegalität, Schleuserbanden, Geld. „Aber das ist nicht unsere Perspektive, wir möchten die Beweggründe erforschen, weshalb Menschen diesen Weg der Flucht eingehen“, so Duc-Thi Bui.

Solche Geschichten seien darüber hinaus wichtig, um sich international behaupten zu können. „Das sind deutsche Geschichten, die über das Deutsche hinaus gehen. Das sind europäische und weltweit gültige Migrationsgeschichten. Unser Drehbuch könnte auch eine Community in den USA oder in Polen nachvollziehen - und dadurch international sein Publikum finden“, so der 46-Jährige.

Das Drehbuch wurde remote zwischen Stuttgart und Berlin geschrieben

Das Drehbuch zu „Ha-Neu/Berlin“ basiere auf biografischen Elementen. Duc Ngo Ngoc habe einen Mann mit seinem Auto mitgenommen, der gerade aus Vietnam nach Deutschland kam, um Geld zu verdienen, während seine Frau in der Heimat das gemeinsame Kind zur Welt gebracht hat. Die Geschichte habe ihn an die seines Vaters erinnert, der als ehemaliger Vertragsarbeiter aus der DDR in den Westen kam, während seine Frau mit Duc Ngo Ngoc schwanger war. „Das hat uns total inspiriert, weil es sich angefühlt hat, als würde sich seine Familiengeschichte noch einmal wiederholen. Das war unsere filmische Herangehensweise – im Grunde nimmt er gerade seinen eigenen Vater mit! Das hatte dramaturgischen Sprengstoff“, so Duc-Thi Bui.

Der ursprünglich als Hörbuch geplante Stoff wurde schließlich zum Filmdrehbuch, das remote zwischen Berlin und Stuttgart geschaffen wurde. Inzwischen sind mit dem BR und dem SWR zwei Sender an Bord, sowie mit Ostlicht auch eine Filmproduktion. Spätestens Anfang nächsten Jahres könnten die Dreharbeiten unter der Regie von Duc Ngo Ngoc beginnen. Dann wird Duc-Thi Bui schon mit dem nächsten Projekt beschäftigt sein, einem Langfilm, für den er das Drehbuch geschrieben hat und für den er auch als Co-Regisseur hinter der Kamera stehen wird.

Die Autoren

Duc-Thi BuiDer Filmemacher ist in Vietnam geboren und an der Nordsee aufgewachsen. Neben seiner Arbeit in der Filmbranche, produziert Duc-Thi Bui auch Musikvideos, etwa für die Stuttgarter Musikerin Laima Adelaide. Mit dem Kulturformat „Playtime Album Sessions“ lädt er zu Vinyl-Hörabenden in Kinos, Museen, Kulturzentren und Clubs ein. 2024 gründete er gemeinsam mit der Künstlerin Mayha Suaysom das „Zebras Collective“, das Kulturveranstaltungen von und mit Menschen mit südostasiatischen Wurzeln organisiert.

Duc Ngo NgocDer Regisseur wurde 1988 in Hanoi geboren und kam im Alter von 5 Jahren nach Berlin. Sein in Vietnam gedrehter Abschlussfilm „Trading Happiness“ wurde unter anderem mit dem Max Ophüls Preis ausgezeichnet. Als Regisseur und Autor realisiert er Radiofeature und Filme für öffentlich-rechtliche Sender.

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Erstellt:
7. März 2025, 13:32 Uhr
Aktualisiert:
7. März 2025, 17:59 Uhr

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