Amokfahrt in Mannheim
Tatverdächtiger hatte Medikamente „nicht vollständig eingenommen“
Der mutmaßliche Amokfahrer von Mannheim hat sich bei der Tat offenbar in einem psychischen Ausnahmezustand befunden. Zur Tatzeit habe er auf verschriebene Medikamente verzichtet, teilt der zuständige Staatsanwalt mit.

© dpa/Dieter Leder
Bei der Amokfahrt in Mannheim am Rosenmontag starben zwei Menschen. Der mutmaßliche Täter raste durch die Fußgängerzone und fuhr gezielt Passanten an.
Von Florian Dürr
Der mutmaßliche Amokfahrer von Mannheim war bei der Tat mit zwei Toten am 3. März offenbar in einem psychischen Ausnahmezustand, wie Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) in einer öffentlichen Sitzung des Innenausschuss im Landtag am Mittwoch mitteilte. Der 40-jährige Deutsche aus Ludwigshafen habe seit vielen Jahren an einer psychischen Erkrankung gelitten und wurde deshalb auch in verschiedenen Einrichtungen in Baden-Württemberg behandelt – sowohl ambulant als auch stationär.
Innenminister Strobl verteidigt sich und die Ermittler
„Wir wissen, dass er Medikamente verschrieben bekommen hat, die er aber zur Tatzeit nicht vollständig eingenommen hat“, berichtete der leitende Oberstaatsanwalt Romeo Schüssler am Mittwoch. Eine genaue Diagnose nannte Schüssler mit Verweis auf die Rechte des Tatverdächtigen nicht.
Bisher deuten die Ermittlungen daraufhin, dass die Amokfahrt mit dieser Erkrankung zu begründen ist. Es gebe weiterhin keine Anhaltspunkte, dass ein extremistisches oder politisches Motiv ausschlaggebend für die Tat gewesen sei, sagte Strobl und verteidigte sich und die Ermittler gegen Vorwürfe, man habe ein mögliches rechtsextremistisches Motiv generell oder zu früh ausgeschlossen.
Die Hinweise auf mögliche Verbindungen von Alexander S. ins rechtsextreme Milieu – etwa durch die von linken Aktivisten betriebene Rechercheplattform Exif – seien den Behörden bekannt und würden weiter überprüft. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, wiederholte Strobl eindringlich. Auch der anwesende Staatsanwalt wehrte sich gegen Vorwürfe, er habe ein politisches Motiv zu schnell abgehakt.
Gutachter soll Schuldfähigkeit des Tatverdächtigen prüfen
„Ich habe nicht ausgeschlossen, dass eine politisch motivierte Tat stattgefunden haben könnte“, verteidigte sich Schüssler mit Bezug auf die Pressekonferenz am Abend des Tattags. „Ich habe darauf hingewiesen, dass wir zu diesem Zeitpunkt konkrete Anhaltspunkte für eine psychische Erkrankung des Täters haben – und keine Hinweise auf eine politisch motivierte Tat.“ Das bedeute aber nicht, dass man einen extremistischen Hintergrund generell ausschließe oder nicht in diese Richtung ermittle.
Inzwischen habe man mit Blick auf die psychische Erkrankung des mutmaßlichen Amokfahrers einen Sachverständigen beauftragt, um die Frage der Schuldfähigkeit zu klären. „Der wird uns dann in seinem Gutachten eine Diagnose mitteilen“, so Schüssler. Alexander S. äußert sich weiterhin nicht zur Tat.