Börse
„Trump-Crash“? Zölle erschüttern die Märkte
Die globalen Finanzmärkte stehen Kopf wegen der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump. Milliardenverluste, Rezessionsängste und weltweite Unsicherheit prägen die aktuelle Lage. Wie geht es weiter?

© dpa/AP/Richard Drew
Nervöse Broker an der Wall Street in New York.
Von Michael Maier
Die globalen Finanzmärkte erleben einen Schockmoment, ausgelöst durch die drastischen Zollmaßnahmen von Präsident Donald Trump. Die Einführung umfassender Importzölle hat teilweise Panik ausgelöst und zu einem Ausverkauf an den Börsen geführt. Der „Trump-Crash“ markiert einen der schlechtesten Moment für die US-Märkte seit dem Tief der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020.
Trump hatte den 2. April zum „Liberation Day“ erklärt und kündigte Zölle auf nahezu alle Importe in die USA an. Diese Maßnahmen umfassen allgemeine Zölle von mindestens 10 Prozent sowie spezifische Zölle für über 60 Länder, darunter 20 Prozent für die Europäische Union, 26 Prozent für Japan und bis zu 34 Prozent für China.
Börsencrash wegen Trump?
Ziel der Politik ist es, die US-Wirtschaft zu stärken und angebliche Handelsungerechtigkeiten zu beseitigen. Doch die unmittelbaren Auswirkungen auf die Märkte und die globale Wirtschaft sind zunächst verheerend.
Die Reaktion der Märkte war schnell und brutal. Der S&P 500 verlor über 2 Billionen US-Dollar an Wert – der größte Einbruch seit Juni 2020. Der Dow Jones Industrial Average fiel um fast 1700 Punkte, während der Nasdaq einen Rückgang von über 6 Prozent verzeichnete. Besonders betroffen waren Technologieunternehmen wie Apple, dessen Aktien um 8 Prozent fielen, sowie Einzelhändler wie Nike und Ralph Lauren, deren Aktien jeweils zweistellige Verluste hinnehmen mussten.
Dax am Freitagnachmittag tiefrot
Auch internationale Märkte leiden stark unter den neuen Zöllen. Der Nikkei 225 in Japan sank am Freitag knapp 3 Prozent, während europäische Indizes wie der DAX in Deutschland sogar um mehr als 5 Prozent zurückgingen. Die weltweite Abwärtsspirale spiegelt die Unsicherheit wider, die durch Trumps Maßnahmen ausgelöst wurde.
Drohende Rezession in den USA
Die neuen Zölle haben nicht nur unmittelbare Auswirkungen auf Aktienmärkte, sondern könnten auch langfristige wirtschaftliche Schäden verursachen. Analysten warnen vor einer möglichen globalen Rezession, da Handelskriege potenziell eskalieren und die Inflation angeheizt wird.
Laut JPMorgan könnten die Zölle amerikanische Verbraucher jährlich mit zusätzlichen Steuern von rund 660 Milliarden US-Dollar belasten und den Verbraucherpreisindex um etwa 2 Prozent erhöhen.
Darüber hinaus drohen Vergeltungsmaßnahmen von Handelspartnern, was die ohnehin fragile Weltwirtschaft weiter destabilisieren könnte. Branchen wie Energie und Technologie sind besonders gefährdet, da sie stark von internationalen Lieferketten abhängig sind.
Trump-Zölle (Auswahl)
- Europäische Union: 20%
- China: 34% (zusätzlich zu bestehenden 20% – effektiv 54%)
- Japan: 24%
- Vietnam: 46%
- Südkorea: 26% (laut erster Trump-Liste) oder 25% (laut Südkorea)
- Taiwan: 32%
- Indien: 27%
- Großbritannien: 10%
- Schweiz: 31%
- Israel: 17%
- Iran: 10%
- Russland: 10%
- Mexiko: 0% für Lieferungen nach Freihandelsabkommen NAFTA/USMCA
Hoher Schaden für Wirtschaft und Verbraucher
Während Trump seine Zollpolitik als notwendigen Schritt zur Stärkung der US-Wirtschaft verteidigt, sehen viele Experten darin einen riskanten Alleingang mit potenziell katastrophalen Folgen. Die Business Roundtable, eine Organisation führender CEOs in den USA, warnte vor schwerwiegenden Schäden für amerikanische Unternehmen und Verbraucher.
Ist Trump verhandlungsbereit?
Die Unsicherheit bleibt hoch: Werden die Zölle langfristig bestehen bleiben oder könnte Trump angesichts eines möglichen Crashs seine Politik noch überdenken? Zumindest teilweise hat er Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Am Samstag, 5. April, endet ein Ultimatum zum Verkauf des Video-Netzwerks TikTok.
Der chinesische Betreiber soll zumindest den US-Teil seines Geschäfts abtreten, heißt es. Dann könnte Trump China auch seinerseits entgegenkommen. Am Freitagnachmittag europäischer Zeit eröffneten die US-Märkte zunächst nicht ganz so pessimistisch wie Deutschland und Europa.