Nahost-Konflikt

Trump will Stärke gegen Huthis und Iran zeigen

Bei der größten US-Angriffswelle seit Donald Trumps Amtsantritt werden im Jemen mehr als 30 Menschen getötet – Huthis wollen Amerika in Kämpfe verwickeln.

Rauch steigt von einem Ort in Sanaa in Jemen auf, der Berichten zufolge von US-Luftangriffen in Sanaa getroffen wurde.

© dpa/Osamah Abdulrahman

Rauch steigt von einem Ort in Sanaa in Jemen auf, der Berichten zufolge von US-Luftangriffen in Sanaa getroffen wurde.

Von Thomas Seibert

Als der Angriff begann, standen Kameraleute der amerikanischen Militärs bereit. Die US-Armee verbreitete am Sonntag Videos von nächtlichen Raketenabschüssen von Kriegsschiffen im Roten Meer und von startenden Kampfjets auf Flugzeugträgern. Washington stellte damit klar, dass es bei den Bombardements auf Stellungen der schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen um eine Machtdemonstration ging. Mit der größten US-Angriffswelle seit seinem Amtsantritt wollte Präsident Donald Trump den Huthis und ihrem Unterstützer Iran zeigen, wer der Stärkere ist.

Die US-Angriffe töteten mindestens 31 Menschen und sollen in den kommenden Tagen weitergehen. Die Rebellen werden versuchen, Amerika in Kämpfe zu verwickeln – das wäre genau das Gegenteil von dem, was Trump will.

Die Huthis hatten nach US-Angaben zwischen November 2023 und Januar dieses Jahres 174 Angriffe auf US-Kriegsschiffe und 154 Angriffe auf amerikanische Handelsschiffe im Roten Meer verübt, um die Hamas im Krieg gegen Israel zu unterstützen. Auch viele andere westliche Kriegs- und Handelsschiffe gerieten unter Beschuss. Zwei Schiffe sanken.

Die Angriffe zwangen Reedereien, bei Transporten zwischen Europa und Asien den langen Umweg um Afrika zu nehmen. Westliche Bombardements konnten die Huthis nicht stoppen, doch die Rebellen stellten bei Inkrafttreten der Gaza-Waffenruhe am 19. Januar das Feuer ein. Vorige Woche kündigten sie neue Angriffe an, weil Israel keine Hilfsgüter mehr nach Gaza lässt. Die Huthis führen seit mehr als zehn Jahren einen Krieg gegen die arabisch unterstützte Regierung im Jemen und beherrschen große Landesteile, darunter die Hauptstadt Sanaa.

Die Angriffe sollten laut Trump auch eine Warnung an den Iran sein

Trump nickte nach US-Medienberichten am Freitag die neuen Luftangriffe auf die Huthis ab. „Eure Zeit ist abgelaufen“, schrieb der Präsident am nächsten Tag auf seiner Plattform Truth Social. Keine Terrorgruppe werde amerikanische Handels- oder Kriegsschiffe aufhalten. Die amerikanischen Bombardements zielten auf Bezirke der Hauptstadt Sanaa, in denen Büros der Huthis liegen, sowie auf den Westen des Jemen, wo in der Stadt Dahyan ein Kraftwerk getroffen wurde. Dahyan dient Rebellenchef Abdulmalik al-Huthi häufig als Residenz.

Die Angriffe sollten laut Trump auch eine Warnung an den Iran sein, der die Huthis seit Jahren ausrüstet. Amerika werde Teheran zur Rechenschaft ziehen, schrieb der Präsident. Trump hat dem Iran in den vergangenen Wochen neue Gespräche über ein Atomabkommen vorgeschlagen, zugleich aber mit Militärschlägen gedroht. Am Sonntag erklärte Teheran, Trump könne der Islamischen Republik nicht diktieren, welche Außenpolitik sie zu führen habe.

Militärisch dürfte Trumps Warnung an die Huthis verpuffen, sagen Experten. Eine saudisch geführte Kriegsallianz, die von 2015 bis 2022 im Jemen gegen die Huthis kämpfte, habe bis zu 75 000 Luftangriffe auf die Rebellen geflogen, schrieb der Nahost-Experte und frühere US-Regierungsberater Daniel Mouton von der Denkfabrik Atlantic Council auf der Internetseite des Instituts. Trotzdem seien die Huthis in der Lage gewesen, saudische Ölanlagen anzugreifen.

Im Krieg gegen die Saudis lernten die Huthis, ihre Waffenherstellung und -lagerung in Bunker zu verlegen und auf ihren Herrschaftsbereich im Jemen zu verteilen. Aus der Luft sind die Rebellen deshalb kaum zu besiegen. Zu einer Entsendung von Bodentruppen in den Jemen ist bisher aber kein Land bereit, auch die USA nicht. Trump hatte im Wahlkampf versprochen, keine neuen Kriege zu beginnen und das amerikanische Engagement in internationalen Konflikten abzubauen.

Huthi-Sprecher kündigten Vergeltung für die amerikanischen Angriffe an

Die Huthis werden nun versuchen, Amerika in einen neuen Krieg zu ziehen. Sie haben sich mit den Angriffen auf die Handels- und Kriegsschiffe im Roten Meer bei anti-westlichen Gruppen im Nahen Osten einen Namen gemacht. In einem Konflikt mit den USA können sie mit zusätzlichem Rückhalt dieser Gruppen und einem Teil der arabischen Öffentlichkeit rechnen. Die ebenfalls iranisch unterstützte Hisbollah-Miliz im Libanon bekundete am Sonntag ihre Solidarität mit den Huthis.

Die Feindschaft zu den USA und Israel ist ein zentraler Bestandteil in der islamistischen Ideologie der Huthis; „Tod den USA“ ist einer ihrer Leitsprüche. Die Rebellen weichen einer Konfrontation mit Amerika deshalb nicht aus, sondern suchen sie.

Huthi-Sprecher kündigten am Sonntag bereits Vergeltung für die amerikanischen Angriffe an. Mögliche Ziele seien amerikanische Kriegsschiffe im Roten Meer und amerikanische Militärstützpunkte in der Region, meint Emily Milliken vom Atlantic Council. Damit wollten die Huthis der Bevölkerung in ihrem Machtbereich, der iranischen Führung und der internationalen Gemeinschaft zeigen, dass sie sich nicht unterkriegen lassen, kommentierte Milliken.

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Erstellt:
16. März 2025, 14:48 Uhr

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