Zölle
Trump will TikTok-Deal mit China
Welche Auswirkungen haben die angekündigten Trump-Zölle real? Die Börsen ließ das Thema zunächst relativ kalt und China soll sogar eine Vorzugsbehandlung bekommen – unter einer Bedingung.

© dpa/Jens Kalaene
Das bislang chinesische TikTok soll unter US-Kontrolle kommen.
Von Michael Maier
Inmitten von stockenden Waffenstillstandsverhandlungen um die Ukraine und großspurigen Zoll-Ankündigungen für alle Welt macht Trump auch Angebote – sogar an den großen Rivalen China.
Die Zölle gegen die Supermacht in Asien könnten reduziert werden, wenn die Regierung in Peking einem Verkauf des US-Geschäfts von TikTok an ein amerikanisches Unternehmen zustimme, berichten US-Medien.
Fakten zu TikTok
- Gegründet 2016 von ByteDance in China (unter dem Namen „Douyin“)
- Internationale Version TikTok 2017 eingeführt
- Ermöglicht das Erstellen und Teilen kurzer Videos (15-60 Sekunden)
- Hat über 1 Milliarde monatlich aktive Nutzer weltweit
- Besonders populär bei der Generation Z (unter 25 Jahren)
- Bekannt für virale Tanz-Challenges, Trends und Memes – aber auch für „Fake News“
- Nutzt einen KI-gesteuerten Algorithmus für personalisierte Videoempfehlungen
- Wurde in mehreren Ländern wegen Datenschutzbedenken kritisiert
Börsen vor Zollankündigung teils im Plus
Sucht Trump also nur den öffentlichkeitswirksamen Deal und meint es nicht mit allen Zöllen so ernst? Analysen in der amerikanischen Wirtschaftspresse deuten jedenfalls darauf hin, dass manches nicht so heiß gegessen wird, wie Trump es ankündigt.
Die Börsen waren teilweise sogar mit dem Argument gestiegen, dass einige der angedrohten neuen Zölle zum 2. April und auch zum 3. April offenbar noch gar nicht in Kraft treten können und von technischen Ausführungsbestimmungen abhängen.
Großer „Zoll-Bluff“ von Trump?
Donald Trump hatte in den letzten Wochen und Monaten immer wieder Zölle gegen alle möglichen Länder angekündigt, dann aber teilweise verschoben oder zurückgenommen. Der Nachbar Mexiko unter Präsidentin Claudia Sheinbaum schien auf einem guten Verhandlungsweg mit den USA zu sein, während für das aufmüpfige Kanada sowie für China tatsächlich schon einige empfindliche Zölle in Kraft getreten sind.
Vorübergehend davon ausgenommen wurden aber zunächst die für die USA wichtigen Lieferketten in den Nachbarländern. Bis auf Weiteres waren zunächst nur solche Autos aus Kanada und Mexiko zu verzollen, die 75 Prozent US-Wertschöpfung unterschreiten.
Freihandelsabkommen USMCA und NAFTA
Dieser Anteil an der Wertschöpfung richtet sich nach dem USMCA-Handelsabkommen (United States-Mexico-Canada Agreement), der seit 2020 auf Druck von Trump revidierten Version des Freihandelsabkommens NAFTA. Bis dahin hatte die Mindestwertschöpfungsquote für den Freihandel lediglich bei 62,5 Prozent gelegen.
Ähnliche Details, Drohungen und Überraschungen aus dem Trump-Team könnten in der Zollpolitik auch in den nächsten Tagen und Wochen noch eine Rolle spielen.
Unter anderem ist umstritten, ob die neuen Zölle neben fertigen Produkten wie Autos auch einzelne Komponenten treffen sollen – und welche Ausnahmen für China & Co. es sonst noch geben wird. Zudem berichtet „ABC News“, dass die Zollbehörde noch Ausführungsbestimmungen erlassen muss und allein den ausländischen Wertschöpfungsanteil belasten soll.
Zoll auch auf Ostereier?
Das klingt technisch recht kompliziert. Die Ausarbeitung könnte also einige Zeit in Anspruch nehmen – und viel Raum für spektakuläre Trump-Deals lassen, nicht nur beim Thema TikTok.
Wie steht es zum Beispiel mit dem Import von Ostereiern, für die in den USA derzeit der horrende Preis von etwa einem Dollar pro Stück verlangt wird? Nicht gerade die goldenen Zeiten, die Trump seinen Wählern versprochen hatte.