Notdienste
Verdi streikt an Kliniken und Pflegeheimen
Nach Post, ÖPNV und Kitas trifft es nun Krankenhäuser und Heime, die bundesweit nur noch auf Sparflamme arbeiten können. OPs müssen teilweise verschoben werden. Die Gewerkschaft fordert mindestens 350 Euro mehr.

© dpa/Marijan Murat
Die Heime sind im Not-Modus.
Von Michael Maier/dpa
In zahlreichen Kliniken, Rettungsdiensten und Pflegeeinrichtungen in ganz Deutschland haben Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi begonnen – auch in Großstädten wie Stuttgart oder in Berlin.
Ein Vertreter der Gewerkschaft berichtete der Deutschen Presse-Agentur, dass in Köln zahlreiche Mitarbeiter verschiedener Kliniken dem Streikaufruf gefolgt sind. Auch in Hamburg und Hessen zeigen die Gewerkschaftsangaben ein ähnliches Bild. Verdi schätzt, dass sich Beschäftigte aus über 200 Gesundheitseinrichtungen bundesweit an diesem Warnstreiktag beteiligen werden.
Verdi-Streik an Krankenhäusern und Heimen
Patienten und Hilfsbedürftige müssen sich auf Einschränkungen einstellen, obwohl es laut Verdi überall Notdienste gibt. Hintergrund der Protestaktion ist der Tarifstreit im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen. Die Gewerkschaft macht gut eine Woche vor der nächsten Verhandlungsrunde Druck. Für Freitag ist schon der nächste Warnstreiktag angekündigt, unter anderem in Kitas.
Die kommunalen Arbeitgeber äußern Bedenken hinsichtlich der aktuellen Warnstreiks. „Streikmaßnahmen, die die Kinderbetreuung, die Gesundheitsversorgung und den öffentlichen Nahverkehr beeinträchtigen oder sogar zum Stillstand bringen, wirken sich in erster Linie nachteilig auf die Bürgerinnen und Bürger aus“, erklärte Niklas Benrath, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA). Solche Aktionen seien inmitten der laufenden Verhandlungen nicht nachvollziehbar.
Notdienste trotz Verdi-Streik an Kliniken und Heimen
Ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi unterstrich, dass bei den aktuellen Aktionen in den Gesundheitseinrichtungen das Wohl der Patientinnen und Patienten an erster Stelle stehe. „In allen von Streiks betroffenen Einrichtungen ist ein Notdienst eingerichtet“, erklärte er. Die Verschiebung geplanter Operationen sei im Klinikalltag nicht ungewöhnlich. In Pflegeeinrichtungen werde während der Streikzeiten auf die Personalbesetzung am Wochenende zurückgegriffen, fügte der Sprecher hinzu. Verdi plant zudem Kundgebungen in Städten wie Hamburg, Bochum, Köln, Essen, Solingen, Mannheim und Berlin.
Verdi: Streikforderungen für Krankenhäuser und Rettungsdienst
- Acht Prozent mehr Lohn, mindestens aber 350 Euro mehr im Monat
- Monatlich 200 Euro mehr für Praktikanten und Azubis
- Höhere Schicht- und Wochenend-Zuschläge
- Einführung der 38,5-Stunden-Woche
- Höchstarbeitszeit im kommunalen Rettungsdienst von 42 statt 48 Stunden
- Zeitkonto und drei Urlaubstage mehr
Die dritte Verhandlungsrunde, die vom 14. bis 16. März in Potsdam stattfindet, soll laut den Arbeitgebern eine „tragfähige Lösung“ hervorbringen. „Dafür ist jedoch ein Entgegenkommen von beiden Seiten erforderlich“, unterstrich Benrath. Die Verhandlungen betreffen rund 2,5 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst, darunter Fachkräfte wie Erzieherinnen und Erzieher, Pflegekräfte, Busfahrerinnen sowie Feuerwehrleute.
Verdi fordert mehr Lohn und bessere Bedingungen
Die Gewerkschaft Verdi hat eine Erhöhung der Tarife um acht Prozent gefordert, wobei mindestens 350 Euro mehr pro Monat als Mindestbetrag angestrebt werden. Zudem sollen die Zuschläge für Arbeiten zu belastenden und ungünstigen Zeiten erhöht werden. Auch die Ausbildungsvergütungen sowie die Entgelte für Praktikanten sollen um monatlich 200 Euro steigen. Darüber hinaus verlangt Verdi mindestens drei zusätzliche freie Tage.
Die kommunalen Arbeitgeber halten diese Forderungen für finanziell nicht tragbar. Laut Benrath würden die Kernforderungen für die Kommunen Mehrkosten von etwa 11 Prozent verursachen, was jährlich nahezu 15 Milliarden Euro entspricht.
Verdi-Streikforderungen für Kliniken und Heime
Die Gewerkschaften Verdi und der dbb Beamtenbund und Tarifunion argumentieren, dass der Staat über ausreichende finanzielle Mittel verfüge, um auch eine angemessene Vergütung für die Beschäftigten zu gewährleisten, die maßgeblich zum Funktionieren des Landes beitragen. Die Gewerkschafter zeigen sich verärgert darüber, dass die Arbeitgeber in der zweiten Verhandlungsrunde Mitte Februar kein Angebot unterbreitet haben.
Im öffentlichen Dienst kommt es seit mehreren Wochen zu Arbeitsniederlegungen. Am Freitag, im Vorfeld des Internationalen Frauentags, sind bundesweit zahlreiche Kitas sowie Einrichtungen der sozialen Arbeit, Gesundheitsversorgung und Pflege von Warnstreiks betroffen. Die Gewerkschaft Verdi hat dazu aufgerufen, insbesondere in Berufsgruppen zu streiken, die überwiegend von Frauen besetzt sind.