Stuttgarter Wälder

Wann sind Wildschweine gefährlich?

Auch in den Wäldern rund um Stuttgart leben Wildschweine, und gelegentlich gibt es Kontakt mit Menschen. Warum aktuell besonders viel Vorsicht geboten ist.

Wildschweine sollte man nicht reizen.

© IMAGO/Panthermedia/NiWo-Photography via imago-image

Wildschweine sollte man nicht reizen.

Von Michael Maier

Wildschweine sind grundsätzlich scheue Tiere, die dem Menschen aus dem Weg gehen. Dennoch gibt es Situationen, in denen sie gefährlich werden können.

Die größte Gefahr geht von Muttertieren (Bachen) aus, die ihre Jungen beschützen. Zwischen Februar und April, wenn die meisten Frischlinge geboren werden, sind die Bachen besonders wachsam. Sie verteidigen ihren Nachwuchs aggressiv gegen jeden vermeintlichen Angreifer - auch gegen Menschen.

Im Januar 2024 hatte sich an einer Shell-Tankstelle im Süden der Großstadt Stuttgart indes ein überraschender Wildschwein-Angriff auf einen Rentner ereignet (Video oben), denn bisweilen suchen die Tiere auch bewohnte Gebiete heim. Angezogen werden sie dabei insbesondere von Essensresten und Müll.

Paarungszeit der Wildschweine

Von November bis Januar, während der Paarungszeit (Rauschzeit), können Keiler sehr angriffslustig sein. In dieser Phase sind die männlichen Tiere hormonell bedingt deutlich aggressiver.

Ein verletztes oder in die Enge getriebenes Wildschwein kann äußerst gefährlich werden. Mit seinen scharfen Hauern (Eckzähnen) und der enormen Kraft ist es in der Lage, schwere Verletzungen zuzufügen.

Verhalten bei Wildschweinkontakt

  • Ruhig bleiben und langsam zurückweichen oder stehen bleiben
  • Nicht wegrennen, da dies den Jagdinstinkt weckt
  • Abstand halten, besonders zu Jungtieren
  • Hunde unbedingt anleinen und beruhigen
  • Lautes Klatschen oder Sprechen kann die Tiere vertreiben
  • Keine Nervosität zeigen
  • Eventuell auf einen Baum klettern

Am sichersten ist es, Wildschweine grundsätzlich zu meiden und ihnen ausreichend Fluchtmöglichkeiten zu lassen. Besondere Vorsicht ist in der Dämmerung und nachts geboten, wenn die Tiere aktiv sind.

Wildschweine beißen normalerweise nicht - sie greifen hauptsächlich mit ihren Hauern (Eckzähnen) an. Dabei führen sie schnelle, von unten nach oben gerichtete Kopfbewegungen aus. Diese Angriffe können sehr gefährlich sein, da die Hauer messerscharf sind und tiefe Wunden reißen können.

Besonders die Keiler (männliche Wildschweine) haben stark ausgeprägte Hauer, die bis zu 20 cm lang werden können. Sie nutzen diese sowohl zur Verteidigung als auch bei Kämpfen mit Rivalen.

Die weiblichen Tiere (Bachen) haben zwar kleinere Hauer, können aber ebenso gefährliche Verletzungen verursachen, besonders wenn sie ihre Jungen verteidigen.

Wildschweine und Hunde

Hunde bieten keinen zuverlässigen Schutz vor Wildschweinen - im Gegenteil, sie können die Situation sogar verschlimmern.

  • Wildschweine sind deutlich stärker als die meisten Hunde.
  • Ein bellender Hund kann Wildschweine erst recht provozieren.
  • Flüchtet der Hund zum Besitzer, führt er das aggressive Wildschwein direkt heran.
  • Selbst Jagdhunde werden bei direkten Konfrontationen oft schwer verletzt.
  • Hund immer anleinen in Gebieten mit Wildschweinen.
  • Bei Wildschweinsichtung Hund ganz nah bei sich halten.
  • Nicht zwischen Hund und Wildschwein geraten.
  • Waldwege meiden in der Dämmerung und nachts.
  • Gebiete mit frischen Wildschweinsuhlen umgehen.

Die beste Strategie ist Vorsicht: Begegnungen vermeiden und Gebiete mit bekannter Wildschweinaktivität weiträumig umgehen, besonders mit Hund.

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Erstellt:
5. März 2025, 09:50 Uhr
Aktualisiert:
5. März 2025, 10:40 Uhr

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