Sinn von Aschermittwoch
Warum geht man fleischlos in die Fastenzeit?
Am Aschermittwoch ist Schluss mit lustig. Die närrische Zeit endet und die Zeit des Fastens und der Buße beginnt. 40 Tage lang bereiten sich Christen auf das Osterfest vor. Der Aschermittwoch ist untrennbar mit dem Aschekreuz und dem Verzicht auf Fleisch verbunden. Wir erklären, warum das so ist.

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„Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst“, spricht der Priester im katholischen Gottesdienst am Aschermittwoch und zeichnet den Gläubigen zu Beginn der Fastenzeit mit Asche ein Kreuz auf die Stirn.
Von Markus Brauer/AFP
Asche auf die Stirn und ein Zitat aus der Bibel: Vieles, was am Aschermittwoch im Gottesdienst geschieht, hat seinen Ursprung im Alten Testament. Es geht um den Sündenfall, der im Buch Genesis beschrieben wird, und um die Vergänglichkeit allen irdischen Seins.
Welchen Ursprung hat der Aschermittwoch?
„Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst“, spricht der Priester im katholischen Gottesdienst am Aschermittwoch und zeichnet den Gläubigen zu Beginn der Fastenzeit mit Asche ein Kreuz auf die Stirn.
Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück: Diese Worte sind ein Widerhall aus dem biblischen Paradies, das zurückreicht zu dem Moment kurz bevor die Menschen aus dem Garten Eden vertrieben wurden.
In seinen Fluchworten nach dem Sündenfall spricht Gott zum Mann: „Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst. Denn von ihm bist du genommen, Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück“ (Buch Genesis, Kapitel 3, Vers 19).
Warum ist der Aschermittwoch ein Einschnitt?
Mit diesem uralten Ritual des Aschekreuzes endet das närrische Treiben und beginnt die Fastenzeit – die Zeit der Besinnung, Buße und des Verzichts. Auch für die Karnevalsjecken ist am „Aschermittwoch alles vorbei.
Der Abgesang auf die Karnevalszeit markiert für Christen einen neuen Anfang: Denn am Aschermittwoch beginnt die österliche Bußzeit genannt. 40 Tage lang bereiten sich die Gläubigen auf das Osterfest, das höchste Fest im Kirchenjahr.
Auch die 40-tägige Fastenzeit hat ihr Vorbild in der Bibel. Das Matthäusevangelium erzählt von der Versuchung Jesu: 40 Tage und Nächte hatte der Messias in der Wüste gefastet und den Versuchungen des Teufels widerstanden (Matthäus, Kapitel 4, Verse 1-11).
Woher kommt der Brauch der Buße und des Aschenkreuzes?
Unter Papst Gregor dem Großen (590-604) wurde der Beginn der Fastenzeit auf einen Mittwoch verlegt. Damals legten sich Büßer ein Bußgewand an und wurden mit Asche bestreut. Hier liegt der Ursprung des Wortes Aschermittwoch.
Im 11. Jahrhundert wurde die Tradition der Aschenbestreuung Teil der kirchlichen Gottesdienstpraxis. Ab dem 12. Jahrhundert wurde die Asche aus den verbrannten Palmzweigen des Vorjahres gewonnen. Das ist bis heute so.
Die Asche ist ein Symbol für die Vergänglichkeit des Menschen: Altes muss vergehen, damit Neues entstehen kann. Mit dem Aschenkreuz auf der Stirn bekennen die Gläubigen zugleich vor der ganzen Gemeinde, dass sie bereit sind für Umkehr und Buße. Gleichzeitig ist die Asche in Kreuzesform ein Zeichen dafür, dass für Christen der Tod nicht das Ende bedeutet, sondern den Anfang eines ewigen Lebens bei Gott.
Warum soll man am Aschermittwoch verzichten?
Von alters her ist der Aschermittwoch ein strenger Fastentag: Gläubige sollen an diesem Tag kein Fleisch essen und kein Alkohol trinken. Nur einmal an diesem Tag sollen sie sich sättigen sowie morgens und abends je ein wenig essen.
Auch hinter dieser Abstinenz steht ein symbolischer Sinn: Der Verzicht auf Fleisch soll bereit machen, um sich auf das geistliche Leben und auf Gott zu besinnen.
Strenge Fastenvorschriften wie der Verzicht auf Fleisch gab es in früheren Jahrhunderten für die gesamte Bußzeit, inzwischen sind die Abstinenztage auf den Aschermittwoch und den Karfreitag – den Tag, an dem Jesus Christ am Kreuz starb – beschränkt.
Zum Aschermittwoch gehören auch spezielle Speisen – wie der saure Hering. Übrigens ein probates Mittel gegen den Karnevals-Kater.
Was ist die Fastenzeit?
Die Tradition des Fastens kommt in den meisten großen Weltreligionen vor. Die traditionelle Fastenzeit im Christentum dauert von Aschermittwoch bis Karsamstag vor Ostern, also in diesem Jahr vom 5. März bis zum 19. April. Sie wird teils auch Passionszeit genannt und soll an die Leidensgeschichte von Jesus bis zu seiner Kreuzigung erinnern, der an Karfreitag gedacht wird.
Christen fasten in dieser Zeit für 40 Tage und besinnen sich so auf ihren Glauben. Sonntage werden jedoch nicht mitgerechnet, so dass die Fastenzeit 46 Tage dauert. Traditionell wird unter Fasten der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel oder eine Reduktion der Nahrungsaufnahme verstanden. Ähnliche Traditionen gibt es im Judentum vor Jom Kippur sowie im Islam im Ramadan.
Wie verbreitet ist das Fasten?
Nach einer Umfrage der Krankenkasse DAK-Gesundheit aus dem vergangenen Jahr halten rund zwei Drittel beziehungsweise 67 Prozent den Verzicht auf Genussmittel und Konsum für sinnvoll. Drei Viertel würden am ehesten auf Alkohol und Süßigkeiten verzichten. Rund die Hälfte der Befragten würde kein Fleisch mehr essen und das Rauchen aufgeben. In der Verzichtsrangliste folgen dann Verzicht auf Fernsehen, Smartphone und Medien sowie das Auto.
Was bringt das klassische Fasten?
Beim klassischen Fasten, das nicht zwingend einen religiösen Hintergrund haben muss, wird für eine bestimmte Zeit völlig oder teilweise auf Essen verzichtet. Befürworter versprechen sich davon Wohlbefinden, „Reinigung von Körper und Geist“ - aber auch Gewichtsreduzierung sowie Entspannung.
Wenn der Körper keine oder weniger Nahrungsenergie erhält, stellt er sich auf den sogenannten Fettstoffwechsel um. Der Organismus greift seine Energiereserven an, vor allem die körpereigenen Kohlehydratreserven in Leber und Muskeln, Körpereiweiß und anschließend die Fettreserven.
Fasten aktiviert die körpereigene „Müllabfuhr“, die sogenannte Autophagie. Dadurch kann der Körper seine Zellen selbständig reinigen, defekte oder schadhafte Moleküle werden abgebaut oder kleingehäckselt, und neue Energie wird gewonnen. Eine klassische Fastenkur dauert meist sieben bis zehn Tage.
Was sollte dabei beachtet werden? Und hilft es beim Abnehmen?
Grundsätzlich gilt: viel trinken. Auch Bewegung ist bei einer Fastenkur wichtig, um Muskelabbau vorzubeugen. Gerade wer strikt fasten will, sollte zuerst mit einem Arzt sprechen. Das gilt vor allem bei Vorerkrankungen. Kindern, Schwangeren und Stillenden wird vom Fasten generell abgeraten.
Wer abnehmen möchte, dem helfen Fasten oder vorübergehende Diäten indes nur bedingt. Wer dauerhaft Gewicht verlieren will, muss seine Ernährung grundsätzlich umstellen und sich ausreichend bewegen. Eine Möglichkeit ist das Intervallfasten, bei dem über einen langen Zeitraum tage- oder stundenweise auf Nahrung verzichtet wird.