Krankschreibungen nach Branche
Wer am häufigsten krank ist – es sind nicht die Chefs
Zahlen der AOK Baden-Württemberg zeigen, dass sich die Kranktage stark nach Branche und Beruf unterscheiden. Die komplette Übersicht.

© dpa/Lino Mirgeler
Bei Angestellten in Papier- und Verpackungsfabriken gibt es relativ viele Kranktage. Auf Platz eins steht aber eine andere Branche.
Von Jan Georg Plavec
Niemand ist im Südwesten häufiger krank als Straßen- und Tunnelwärter. Auf 34,1 sogenannte AU-Tage (Arbeitsunfähigkeits-Tage) kommen diese Berufsgruppen in der Statistik der AOK Baden-Württemberg für das Jahr 2024. Direkt danach kommen Berufe in der ver- und Entsorgung, Haus- und Familienpflege sowie Platz- und Gerätewarte.
„Es handelt es sich häufig um Berufe mit hohen körperlichen Arbeitsbelastungen und überdurchschnittlich vielen Arbeitsunfällen“, so die AOK in einer Pressemitteilung. Soziale Tätigkeiten etwa in der Altenpflege oder monotone Schreibtischjobs im Dialogmarketing weisen ebenfalls hohe Krankenstände auf, etwa wegen der teils hohen psychischen Belastung.
Kranktage nach Branchen – wo landen Sie?
Die folgende Tabelle zeigt die Werte für alle Berufsgruppen. Sie können sie durchsuchen oder durchblättern:
Am seltensten krank sind Berufstätige aus akademischen Branchen wie Hochschullehre oder Forschung. Auch Unternehmensberater und Softwareentwickler kommen auf wenige Kranktage, ebenso wie die Geschäftsführer und Vorstände im AOK-Datensatz.
Tunnelwärter kamen vergangenes Jahr im Schnitt auf fünfmal so viele Kranktage wie Hochschullehrer. „Das zeigt, dass Unternehmen ihre Gesundheitsförderung auf die spezifischen Belastungen und Bedürfnisse der verschiedenen Beschäftigtengruppen zuschneiden sollten“, sagt Christian Konrad, bei der AOK Spezialist für Vorsorge und Prävention.
Drei Viertel aller Krankschreibungen sind für maximal eine Woche ausgestellt. Sie machen aber nur ein Viertel aller Kranktage aus. Für den größten Anteil, nämlich mehr als ein Drittel, sind Langzeitkranke verantwortlich. Auf sie entfallen drei Prozent aller Krankschreibungen unter den AOK-versicherten Arbeitnehmern.
Zu besonders langen Ausfallzeiten führen psychische Erkrankungen, wie das Schaubild zeigt:
Der durchschnittliche, bei der AOK versicherte Beschäftigte erhielt 2024 von seinen Ärzten 2,2 Krankschreibungen und fehlte im Schnitt 21,7 Tage krankheitsbedingt im Betrieb. Der Wert sei „auf Vorjahresniveau und deutlich über dem 10-Jahres-Durchschnitt“, heißt es in einer Pressemitteilung.
Das muss nicht heißen, dass die Arbeitnehmer häufiger als früher „krank machen“. Schon in der Debatte um die „Karenztage“ zum Jahresbeginn wiesen die Versicherungen darauf hin, dass die zusätzliche Krankheitslast durch das Coronavirus und die vollständigere Erfassung durch elektronische Krankschreibungen die Zahlen nach oben treiben.