Uderzo-Ausstellung

Zwischen Asterix, Umpah-Pah und der Berliner Mauer

Die Berliner Ausstellung „Uderzo: Von Asterix bis Zaubertrank“ setzt dem französischen Zeichner Albert Uderzo ein Denkmal und führt dessen Vielseitigkeit vor.

Blick in die Ausstellung „Uderzo: Von Asterix bis Zaubertrank“

© © Museum für Kommunikation Berlin/Kay Herschelmann

Blick in die Ausstellung „Uderzo: Von Asterix bis Zaubertrank“

Von Gunther Reinhardt

Wenn am 23. Oktober der neue, 41. „Asterix“-Band erscheint, wird wie schon bei beim allerersten Heft „Asterix der Gallier“ (1960) am Anfang eine Lüge stehen: „Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr.“ Denn die Geschichten von Asterix, Obelix, Idefix und Co. spielten nie wirklich in einer Welt, als Frankreich noch Gallien hieß und von den Römern besetzt war, sondern immer auch im Hier und Jetzt.

Original-Illustrationen der „Asterix“-Bände

1980, drei Jahre nach dem Tod des Autors René Goscinny, mit dem er bis dahin alle „Asterix“-Bände gemeinsam geschaffen hatte, reiste der Zeichner Albert Uderzo beispielsweise nach Berlin. Die durch eine Mauer geteilte Stadt beeindruckte ihn so nachhaltig, dass er sie in seinem nächsten Comic verarbeitete: „Der große Graben“ erzählt eine Romeo-und-Julia-Story in einem zweigeteilten gallischen Dorf – eine Romanze zwischen Ost und West. Einige Originalzeichnungen aus diesem Heft, das die Wiedervereinigung vorwegnahm, sind jetzt in Berlin zu sehen.

Im Museum für Kommunikation ist bis zum 15. Juni die Ausstellung „Uderzo: Von Asterix bis Zaubertrank“ zu sehen. Bei der ersten umfassenden Uderzo-Schau außerhalb Frankreichs sind rund 120 Original-Exponate zu sehen. Darunter auch die Original-Illustration für das Titelbild des ersten „Asterix“-Albums oder ein Manuskript und die Schreibmaschine Goscinny. Es sind aber auch erste Zeichnungen Uderzos ausgestellt, die er als Achtjähriger gemacht hat, die bereits sein Talent für kuriose Figuren erahnen lassen. Und die Fische, die er in den 1930er Jahren in ein Schulheft kritzelt, sehen jenen, die sich später die Bewohner dieses seltsam-widerständigen Dorfes um die Ohren hauen, verblüffend ähnlich.

Die Abenteuer von Pitt Pistol

Anders als Obelix ist Albert Uderzo (1927-2020) als Kind nicht in einen Kessel voller Zaubertrank gefallen. Er kam aber mit sechs Fingern an jeder Hand zur Welt. Weil er bereits vor seiner Einschulung deswegen operiert wurde, wird man nie erfahren, ob er mit zwölf Fingern ein womöglich noch besserer Zeichner geworden wäre. Falls das überhaupt möglich ist. Auch mit nur zehn Fingern sollte der Junge, der als Kind davon träumte Clown oder Flugzeugmechaniker zu werden, der berühmteste Comiczeichner der Welt werden. Nach der Bibel und den „Harry Potter“-Romanen sind die „Asterix“-Bände, die er gemeinsam mit dem Autor René Goscinny (1926-1977) erfunden hat, die meistverkauften Bücher der Welt.

Das und noch viel mehr erfährt man in der Berliner Ausstellung. Und obwohl die Abenteuer von Asterix und Obelix im Zentrum der Schau stehen, die Uderzos Tochter Sylvie Uderzo mit dem Berliner Comicautor Flix kuratiert hat, gibt es genug Raum, um andere Arbeiten dieses großartigen Zeichners zu entdecken. Man lernt zum Beispiel Pitt Pistol kennen, der seinen Kellnerjob in der Hafenspelunke „Zum einbeinigen Piraten“ hinschmeißt, um als Freibeuter Abenteuer zu erleben. Die vier „Pitt Pistol“-Alben (1952-1956) waren die ersten Comics, die Uderzo und Goscinny als Team veröffentlichten.

Tanguy und Laverdure und Umpah-Pah

Die in Berlin ausgestellten Seiten aus den „Tanguy und Laverdure“-Comics, zeigen dagegen die stilistische Wandlungsfähigkeit Uderzos. Bei den Storys um zwei Piloten offenbart der Franzose einen überraschend klaren und kühlen Stil und eine Vorliebe für detaillierte Technikdarstellungen.

Und auch Umpah-Pah, der große Krieger vom Stamm der Wascha-Wascha, hat es nach Berlin geschafft. Zwar hatten sich Uderzo und Goscinny diesen schon im Jahr 1951 ausgedacht, doch erst 1958 wurde Umpah-Pahs erstes Abenteuer veröffentlicht. 1961 wurde die Serie zwar eingestellt, weil sich Uderzo ganz auf Asterix konzentrieren wollte. Wer sich aber die Zeichnungen in Berlin genau anschaut, wird verblüfft feststellen, dass es zwischen dem Indianer Umpah-Pah und dem Gallier Asterix sehr viele Gemeinsamkeiten gibt.

Ausstellung: Termine und Infos

Uderzo: Von Asterix bis Zaubertrank. Ausstellung im Museum für Kommunikation Berlin (Leipziger Straße 16 ) bis 15. Juni 2025. Di-Fr 9-17 Uhr, Sa-So 9-20 Uhr, Ostermontag und Pfingstmontag geschlossen. Weitere Infos: www.mfk-berlin.de

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Erstellt:
7. März 2025, 10:58 Uhr
Aktualisiert:
7. März 2025, 15:12 Uhr

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