„Rosenthal“ im ZDF

Ein Jude nervt seinen Sender

Hans Rosenthal hatte den Holocaust überlebt. In den 1970er-Jahren unterhielt er die Deutschen glänzend mit dem TV-Quiz „Dalli Dalli“. Doch an einer Stelle wurde es ihm dann doch zu viel mit dem ZDF – davon erzählt nun ein überragender guter Spielfilm.

Florian Lukas in der Rolle des ZDF-Quizmasters Hans Rosenthal

© ZDF//Ella Knorz

Florian Lukas in der Rolle des ZDF-Quizmasters Hans Rosenthal

Von Tim Schleider

Was um Himmels Willen war noch mal am 9. November? Ach ja, diese „Kristallnacht“. Irgendwann hat der ZDF-Programmchef Dr. Horst Hummel doch noch begriffen, worauf der Angestellte vor seinem Schreibtisch eigentlich hinaus will. Denn anfangs sagte ihm dieses Datum wirklich gar nichts.

Hans Rosenthal ist sonst einer von Hummels Lieblingen. Der kleine, drahtige und stets freundliche Berliner beschert dem ZDF regelmäßig Top-Quoten. Wenn am Donnerstagabend live das Ratequiz „Dalli Dalli“ läuft, guckt halb Deutschland, West wie Ost, zu. Am 9. November 1978 soll Jubiläum gefeiert werden, die 75. Ausgabe ist geplant mit großem Staraufgebot. Doch immer wieder sitzt nun dieser Rosenthal im Büro des zweitmächtigsten Mannes auf dem Lerchenberg und bittet darum, den Sendetermin zu verschieben. Er liebe es, sagt Rosenthal, die Deutschen zu unterhalten. Es sei sein großes Glück, sie lachen zu sehen. Aber am 40. Jahrestag der Pogromnacht von 1938 wolle er gern in Köln sein – wo erstmals in der BRD-Geschichte eine offizielle Gedenkfeier an den Nazi-Terror erinnern soll.

Der Film erzählt von den 1970er-Jahren

Das heutige ZDF hätte es sich leichter machen und zum bevorstehenden 100. Geburtstag Hans Rosenthals am 2. April schlicht dessen Lebensgeschichte verfilmen können. Das Material dazu liegt vor; Rosenthal hat 1980 in seiner Autobiografie „Zwei Leben“ beschrieben, wie er im Versteck und nur dank mutiger Helfer in Berlin den Holocaust überlebte, während sein kleiner Bruder Gert von den Nazis ermordet wurde.

Das wäre dramatisch genug gewesen. Doch Regisseur Oliver Haffner und Drehbuchautor Gernot Krää wollten und durften einen anderen Fokus setzen: Sie zeigen die Bundesrepublik der 1970er-Jahre, der es weiter schwer fällt, sich den Abgründen der Geschichte zu stellen. Sie zeigen einen Sender, der sich von zu viel Gedenken die gute Stimmung zur Prime Time nicht vermiesen lassen will. Und sie zeigt einen TV-Star, der sich zu fragen beginnt, warum es eigentlich sein größtes Lebensziel war und ist, von den Menschen geliebt zu werden, einfach nur ganz normal einer von ihnen zu sein.

Großartige Besetzung

Respekt, ZDF! „Rosenthal“ ist dank Buch und Regie, dank präzisester Ausstattung (Knut Loewe, Christian Roehrs und Juliane Maier) und dank großartiger Besetzung (neben Florian Lukas vor allem Silke Bodenbender, Hans-Jochen Wagner und Niklas Hummel) absolut herausragend geworden – nicht nur für jene, die die damals in mancherlei Hinsicht „bleiernen Zeiten“ in eigener Erinnerung haben.

„Rosenthal“ im ZDF

Film Der Film „Rosenthal“ ist vom 22. März an in der ZDF Mediathek zu sehen. Am Montag, den 7. April 2025, läuft der Film um 20.15 Uhr im linearen Programm; um 21.45 Uhr folgt eine Geschichtsdoku über Hans Rosenthal – auch diese ist schon jetzt in der Mediathek abrufbar.

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Erstellt:
22. März 2025, 14:12 Uhr
Aktualisiert:
24. März 2025, 16:01 Uhr

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