Mexiko greift durch

Ende von Junkfood auf dem Pausenhof

Mexiko verbannt den Chips, Cola und Schokoriegel aus den Schulen. Jedes vierte Kind im Land ist übergewichtig – und die Tendenz ist steigend.

Fettgebackene Churros als Pausensnack? Nicht, wenn es nach Mexikos neuer Regierung geht.

© imago//Zulfiia Ishmukhametova

Fettgebackene Churros als Pausensnack? Nicht, wenn es nach Mexikos neuer Regierung geht.

Von Klaus Ehringfeld

Schulpausen in Mexiko sehen in der Regel so aus: Die Kinder strömen auf den Schulhof, um sich an den Verkaufsständen mit Chips, Schoko-Riegeln, salzigen, fettigen Snacks, Cola und bunten Brausen einzudecken. Schulpausen in Mexiko sind Junkfood-Feste voller Kalorienbomben. „Nur zwei von zehn Bildungseinrichtungen haben Zugang zu gesunden Lebensmitteln, einschließlich Wasser“, warnen Experten.

So war es im Land des Mais und der Bohnen an den Schulen eigentlich schon immer. Aber die Tage des Junkfoods, hierzulande als „Comida chatarra“ („Schrottessen“) geschmäht und geliebt, sind nach dem Willen von Staatspräsidentin Claudia Sheinbaum gezählt. Die linke Politikerin hat das Programm „Gesunde Ernährung“ ins Leben gerufen, das über die Gefahren von süßen und salzigen Snacks aufklärt und alternative Vorschläge enthält. „Gesundheitsbrigaden“ ziehen in diesen Tagen durch das Riesenland, um Kindern Nachhilfe bei gesundem Essen zu geben. Am 31. März tritt das Verbot des „Schrottessens“ in Kraft.

Jedes zweite Kind wird im Erwachsenenalter an Diabetes erkranken

Denn die Folgen sind gravierend. Rund 35 Prozent der mexikanischen Kinder sind übergewichtig, wie Verbraucherschützer und das UN-Kinderhilfswerk Unicef warnen. Jedes vierte Kind in Mexiko leidet heute schon an Fettleibigkeit, Experten gehen von einem Anstieg auf bis zu 56 Prozent bis zum Jahr 2035 aus. „Jedes zweite Kind wird im Erwachsenenalter an Diabetes erkranken“, warnt Liliana Bahena, Koordinatorin der Kampagne ‚Meine gesunde Schule‘ bei der Verbraucherschutzorganisation „El Poder del Consumidor“, eine Epidemie, die den Staat jährlich 650 Milliarden Pesos (30 Milliarden Euro) kostet.

In einer Erhebung der Organisation wurden die Essgewohnheiten an 10 000 Grundschulen analysiert, und die Ergebnisse sind erschreckend: 98 Prozent der Einrichtungen verkaufen jeden Tag irgendeine Art von ultraverarbeiteten Produkten, 95 Prozent handeln mit zuckerhaltigen Getränken und 79 Prozent mit Softdrinks.

Präsidentin Sheinbaum ist gertenschlank

Bahena hält Fettleibigkeit bei Jugendlichen und Kindern für das größte Problem der öffentlichen Gesundheit in ihrem Land. Diese Kinder hätten eine um vier Jahre geringere Lebenserwartung als ihre Eltern. Zudem bringen die Folgeerkrankungen das Gesundheitssystem an den Rand des Kollapses. „Die wirtschaftliche Belastung für Länder, die nicht in die Prävention und Verringerung von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern eingreifen, beträgt im Falle Mexikos bis zu 1,8 Billionen Dollar“, warnt Cristina Álvares von Unicef.

„Mexiko soll kein Land der Dicken und Zuckerkranken werden“, warnt Präsidentin Sheinbaum, die selbst gertenschlank ist. Ihr Rezept dagegen sind regionaltypische, leicht zuzubereitende Mahlzeiten. Zum Beispiel das Mangold-Kartoffel-Omelett aus den Bundesstaat Coahuila, Fischragout aus Baja California, Kaktusfrucht-Toasts aus Chihuahua, Linsensalat aus Querétaro oder gelbes Huhn mit Gemüse aus Oaxaca. Zudem soll es auf den Schulhöfen künftig Obst, Gemüse, fettarme Molkereiprodukte und Vollkornprodukte geben. Nahrungsmittel, die viele in Mexiko nur vom Hörensagen kennen.

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Erstellt:
23. März 2025, 07:12 Uhr

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