Wie wohnen wir morgen

Extravagante Villen, die auch Gemüse produzieren

Innovative Architekturbüros entwerfen Wohnhäuser und Villen im Einklang mit der Natur. Manche Häuser dienen sogar als Lebensmittelhersteller – wo sind sie zu finden?

Im Wald: Gebäude, entworfen von  Soler Orozco Arquitectos + JSA  in Morelos, Mexiko.

© Jaime Navarro p.180/Die Gestalten Verlag

Im Wald: Gebäude, entworfen von Soler Orozco Arquitectos + JSA in Morelos, Mexiko.

Von Nicole Golombek

Ein, zwei Bäumchen, vielleicht noch Büsche an der Seite, viel mehr Grün war lange Zeit selten auf den Modellen für kühne Architekturprojekte zu finden. Das ändert sich, seit klar ist, dass Ressourcen nicht unendlich zur Verfügung stehen und dass mit der Natur sorgsamer umgegangen werden sollte. Architekturbüros planen, wenn die Bauherrschaften es zulassen und finanzieren, Projekte mit der Natur als Partnerin. Nachwachsendes Material von Stroh und Holz über Lehm bis Kork etwa kommt immer häufiger zum Einsatz, wenn neu gebaut oder umgebaut wird.

Und dies geschieht, möglichst ohne gestalterische Ansprüche aufzugeben. Einige herausragende Beispiele solcher im Einklang mit der Natur entworfener Bauten sind in dem opulenten Bildband „The House of Green“ versammelt. Sie kommen, wie George Kafka im Vorwort schreibt, ästhetisch und funktional nichts weniger als spektakulär daher. Günstig ist das Bauen in der Natur bei einigen der großzügigen Anwesen freilich nicht. Doch auch kleine Projekte wie jenes in Norwegen an einem See sind im Buch zu finden.

Einfamilienhäuser und Villen für Naturverbundene

Man staunt über Fassaden, die sich hinter einer Wand aus Pflanzen versteckt, wie in einem Büro in Vietnam, das durch das viele Grün ohne Klimaanlage auskommt. Wohnhäuser schmiegen sich in Hänge, werden gebaut, ohne den schon bestehenden Bäumen auf dem Grundstück in die Quere zu kommen, so wie in das Gebäude in Italien, das um einen zehn Meter hohen Baum herum entworfen wurde.

Der Neubau ergänzt einen traditionellen Bauernhof, die Glaswand lässt viel Licht ins Wohnhaus. Fenster und Dach öffnen sich automatisch, orientiert am Sonnenlicht, so wird auch die Temperatur im Haus kontrolliert und sicher stellt, dass sich sowohl der Baum als auch die Bewohner wohlfühlen.

Der Architekt ist Carlo Ratti. Er fordert in seinem einführenden Text im Buch, der„International Style“ – Bauten aus Glas, Stahl, Beton des 20. Jahrhunderts – solle einem „nachhaltigen Stil“ des 21. Jahrhunderts weichen. Dabei müsste es um mehr als Stil gehen, es soll eine „deeper mission“, eine tief im Bewusstsein der Planenden verankerte Mission sein, zukunftsgerecht zu entwerfen.

Sich auf traditionelle, ökologische Bauweisen zurückbesinnen sei dabei das eine; das andere, intelligente Technik von heute dafür einzusetzen. Rattis Büro hat etwa in Singapur ein Hochhaus mit 51 Etagen und mehr als 80 000 Pflanzen – essbare sind auch darunter – und einen Open-Air-Garten oberhalb des achten Stockwerks gebaut, einen Dachgarten gibt es ebenfalls.

Das Projekt „CapitaSpring“ hat jüngst auch den Internationalen Hochhaus-Preis erhalten. Bei der Lektüre des beeindruckenden Bildbandes wünscht man sich, Investoren und Bauherrschaften, die es sich leisten können, mögen sich davon inspiriert fühlen, es den naturverbundenen Gestaltern nachzueifern.

Bilder der Häuser von Norwegen bis Mexiko finden sich in der Bildergalerie.

Info

BuchBildband „The House of Green“. Vorwort von George Kafka, Einführung von Carlo Ratti, (englische Texte); erschienen im Die Gestalten Verlag, Berlin, 253 Seiten, 45 Euro.

Die „Casa Organica“ von Javier Senosiain in Naucalpan de Juárez, Mexiko. Das Gebäude, in dem eine Familie lebt, gräbt sich förmlich in die Landschaft. Organische Formen setzen sich im Inneren des Hauses fort, ein heimeliger Kokon mit großen Fenstern, bei dem Inneres und Äußeres ineinander übergehen.

© Die Gestalten/House of Green/Anna Dave, p.224

Die „Casa Organica“ von Javier Senosiain in Naucalpan de Juárez, Mexiko. Das Gebäude, in dem eine Familie lebt, gräbt sich förmlich in die Landschaft. Organische Formen setzen sich im Inneren des Hauses fort, ein heimeliger Kokon mit großen Fenstern, bei dem Inneres und Äußeres ineinander übergehen.

Aquas Perma Solar Firma, mit Hühnern im Garten und Salat an der Wand. Ein Haus in Sydney, Australien, wurde nachhaltig saniert vom Büro Cplusc Architectural Workshop   – mit PV-Anlage, Regenwasserbehälter, Ziegel und Holz waren bevorzugte Materialien der Wahl beim Bauen.

© Die Gestalten/House of Green/Murray Fredericks/p.45

Aquas Perma Solar Firma, mit Hühnern im Garten und Salat an der Wand. Ein Haus in Sydney, Australien, wurde nachhaltig saniert vom Büro Cplusc Architectural Workshop – mit PV-Anlage, Regenwasserbehälter, Ziegel und Holz waren bevorzugte Materialien der Wahl beim Bauen.

Altes bewahren hilft CO2 sparen: Blick ins „Fitzroy Bridge House“ in einem Vorort von Melbourne, Australien, entworfen für eine junge Familie von von Matt Gibson Architecture + Design. Die alte Fassade eines Hauses blieb erhalten und durch eine Glasbodenbrücke mit dem Neubau verbunden. Alte Ziegel wurden wieder verwendet.

© Die Gestalten/House of Green/Derek Swalwel/p.34

Altes bewahren hilft CO2 sparen: Blick ins „Fitzroy Bridge House“ in einem Vorort von Melbourne, Australien, entworfen für eine junge Familie von von Matt Gibson Architecture + Design. Die alte Fassade eines Hauses blieb erhalten und durch eine Glasbodenbrücke mit dem Neubau verbunden. Alte Ziegel wurden wieder verwendet.

Ein Hotel für Fans des Brutalismus ist die Casa To in La Punta Zicatela im Süden von Mexiko, gestaltet von Ludwig Godefroy Architecture &/ Surreal Estate. Grün erobert den Beton, im Haus herrscht eine Null-Plastik-Politik, selbstredend sind Solarpanele im Einsatz bei der Energiegewinnung,Abwasser wird aufbereitet und für die Bewässerung von Pflanzen verwendet.

© Die Gestalten/House of Green/Jaime Navarro/p.218

Ein Hotel für Fans des Brutalismus ist die Casa To in La Punta Zicatela im Süden von Mexiko, gestaltet von Ludwig Godefroy Architecture &/ Surreal Estate. Grün erobert den Beton, im Haus herrscht eine Null-Plastik-Politik, selbstredend sind Solarpanele im Einsatz bei der Energiegewinnung,Abwasser wird aufbereitet und für die Bewässerung von Pflanzen verwendet.

Gartnerfuglen Arkiekter / Mariana de Delas haben in Telemark, Norwegen, an einem See im Wald einen herrlichen Rückzugsort entworfen. Das kleine Gebäude „Gjemmested Telemark“ versteckt sich hinter einem Pflanzengebilde, das wie ein dunkelroter Bart aussieht.-Nur das Fenster, das hier im Bild zu sehen ist, lugt heraus. Erreicht werden kann das Gebäude im Sommer nur mit dem Boot, im Winter auf Skiern.

© Mariana de Delas/Gartnerfuglen Arkitekter AS/p.190/Die Gestalten/House of Green

Gartnerfuglen Arkiekter / Mariana de Delas haben in Telemark, Norwegen, an einem See im Wald einen herrlichen Rückzugsort entworfen. Das kleine Gebäude „Gjemmested Telemark“ versteckt sich hinter einem Pflanzengebilde, das wie ein dunkelroter Bart aussieht.-Nur das Fenster, das hier im Bild zu sehen ist, lugt heraus. Erreicht werden kann das Gebäude im Sommer nur mit dem Boot, im Winter auf Skiern.

Blick in das Ferienhaus  „Casa Blanca“ von Biombo Architects in Canggu, Bali, Indonesien. Pflanzen sind im Gebäude ebenso willkommen wie die Möbel und Bewohner.

© Die Gestalten/House of Green/Sheila Man/p.150

Blick in das Ferienhaus „Casa Blanca“ von Biombo Architects in Canggu, Bali, Indonesien. Pflanzen sind im Gebäude ebenso willkommen wie die Möbel und Bewohner.

Die Fotos stammen aus dem inspirierenden Bildband „The House of Green“, erschienen im Die Gestalten Verlag, Berlin, 253 Seiten, 45 Euro.

© Verlag/Die Gestalten/House of Green

Die Fotos stammen aus dem inspirierenden Bildband „The House of Green“, erschienen im Die Gestalten Verlag, Berlin, 253 Seiten, 45 Euro.

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Erstellt:
16. März 2025, 07:14 Uhr

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